Südsteiermark – Reben unter dem Klapotetz

Die als Klapotetz bezeichneten Windräder sollen durch das Klappern der Holzbalken Vögel aus den Weingärten vertreiben.

© Steiermark Tourismus, Harald Eisenberger

Die als Klapotetz bezeichneten Windräder sollen durch das Klappern der Holzbalken Vögel aus den Weingärten vertreiben. © Steiermark Tourismus, Harald Eisenberger

Die als Klapotetz bezeichneten Windräder sollen durch das Klappern der Holzbalken Vögel aus den Weingärten vertreiben.

© Steiermark Tourismus, Harald Eisenberger

Noch vor 25 Jahren war die Südsteiermark mit ihren Steilhängen und atemberaubenden Kulissen eher ein Geheimtipp in der Szene. Doch in rasantem Tempo entwickelten sich die Winzer samt ihren Er­zeugnissen weiter und brachten die Region an die Spitze der Weißweinwelt. Und die liegt nur etwa eine halbe Autostunde südlich der steirischen Landeshauptstadt Graz. Entlang der slowenisch-österreichischen Grenze erstreckt sich rechts vom Murfluss das Weinbaugebiet in drei Wellen in Richtung Süden. Graz am nächsten liegt das Sausalgebiet, dessen Weinberge sich nördlich der Linie zwischen Gleinstätten und Leibnitz erheben.

Das Zentrum dieses in jüngster Zeit stark aufstrebenden Anbaugebiets ist Kitzeck, Österreichs höchstgelegene Weinbaugemeinde. Außerdem wartet die Region mit einer erstklassigen Weinbauschule auf, die ihren Sitz in Silberberg im Sausal hat. Die echte Besonderheit sind aber die Schieferverwitterungsböden, wie sie sonst kaum in österreichischen Weinbergen zu finden sind. Dieses spezielle Terroir prägt die Mineralik der hier gekelterten Weine und macht sie unverwechselbar.

Südsteirische Weinstraße

Die nächste Tallinie bilden die Orte Ehrenhausen, Gamlitz und Leutschach. Von hier aus kann man die legendäre Südsteirische Weinstraße erreichen. Einige Kilometer weiter bildet die Straßenmitte sogar die Grenze zwischen Österreich und Slowenien. Entlang dieser Route führt der Weg durch die bekannten Weinorte Berghausen, Langegg, Ratsch, Sulztal, Glanz, Schlossberg und Eichberg-Trautenburg, hier ist die Dichte an Qualitätserzeugern besonders hoch.

In der Südsteiermark prägen die Weingärten die Landschaft. / © APRESVINO.AT, Weingut Wohlmuth-Kitzeck
In der Südsteiermark prägen die Weingärten die Landschaft.

© APRESVINO.AT, Weingut Wohlmuth-Kitzeck

Sausaler Weinstraße

Aber zuvor noch einmal zurück in den nördlicheren Teil des südsteirischen Weinbaugebiets, wo eine weitere Weinstraße verläuft: die Sausaler Weinstraße. Diese nimmt ihren Anfang in der Stadt Leibnitz und führt vorbei an der prachtvollen Bischofsburg von Schloss Seggau durch das Sulmtal und dann bei Fresing bergwärts hinauf nach Kitzeck. Eindrucksvoll ist die Steilheit der hier bewirtschafteten Weingärten, atemberaubend der Ausblick, der sich von hier über die gesamte Südsteiermark bietet. Zahlreiche Buschenschenken und Gasthöfe mit regionaler Küche und entsprechendem Weinangebot laden zum Verweilen ein. Höher hinaus kommt der Gast in der ganzen Südsteiermark nicht mehr. 

Am nahen Demmerkogel führt der Weg weiter in Richtung Süden, dann geht es über den Sausalerberg zum Endpunkt der Wein­straße nach Maierhof im Sulmtal. Die besten Weinlagen das Sausals sind von paläozoischem Schiefer geprägt. Wer Interesse an den Besonderheiten der unterschiedlichen Böden der Südsteiermark hat, kann sich dank der Kooperation von zwölf Weingütern direkt an die spannendsten Terroir-Schauplätze begeben. Deren Lagenweine spiegeln durch ihre Aromatik, ihren Ausdruck und Charakter das Terroir wider. Mit dem Angebot »Terroir erleben« stellen diese südsteirischen Weinbaubetriebe ihre wichtigsten und besten Weingartenlagen vor. »Terroir erleben« ist ein Projekt, das im wahrsten Sinne des Wortes »in die Tiefe geht«, moderne Medien nutzt und ein visuelles und vinophiles Erlebnis bietet.

Aus dem Sausal mit dabei sind das Weingut Harkamp aus St. Nikolai im Sausal, das Weingut Lorenz aus Einöd bei Kitzeck, das Weingut Schauer aus Kitzeck und das Weingut Schneeberger aus Heimschuh. Die Schieferböden sorgen nicht nur für eine strahlende Mineralik und enorme Frische in den Weinen aus den klassischen südsteirischen Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Weißer Burgunder oder Gelber Muskateller, sie erlauben auch, alte Traditionssorten wie den Rheinriesling in Spitzenqualität zu erzeugen.

Alois Gross mit seinen Söhnen Johannes und Michael vor dem Nussberg. / © Lupi Spuma
Alois Gross mit seinen Söhnen Johannes und Michael vor dem Nussberg.

© Lupi Spuma

Riesling im Trend

Gerade der Riesling erlebte in den vergangenen Jahren einen Aufschwung. Wie groß das Potenzial dieser Sorte im Sausal ist, lässt sich an den Spitzenweinen von Gerhard Wohlmuth aus Kitzeck-Fresing erkennen. Die geschätzten Einzellagen der Region besitzen eine lange Geschichte: Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden viele dieser wertvollen Weingärten durch das Bistum Salzburg, das damals Grundherr war, verzeichnet.

Zu den besten Winzern des Sausals gehören außer den bereits genannten auch die Domaene Hirschmugl, das Landesweingut Silberberg sowie die Weingüter Felberjörgl, Gerngross, Schauer und Schwarz. Aber auch namhafte Top-Produzenten von der Südsteirischen Weinstraße bewirtschaften hier Spitzenlagen, Beispiele sind die Brüder Polz mit der Theresienhöhe, Alois Gross mit dem Kittenberg und Manfred Tement mit seinem Sausaler Sauvignon Blanc vom Hochkittenberg sowie die Tinnachers mit dem Flamberg.

Leitsorte Sauvignon Blanc

Jene Rebsorte, mit der die Südsteiermark zunächst die Bühne der heimischen Weinszene betreten hat und schließlich den internationalen Markt zu erobern begann, ist der Sauvignon Blanc. Ursprünglich als Muskat-Sylvaner bezeichnet, ist die Sorte hier zwar bereits seit geraumer Zeit heimisch, hat aber erst unter ihrem französischen Namen die führende Rolle in der Qualitätspyramide eingenommen. Stilistisch nimmt sie vielfältige Formen an und kommt als leichtfüßiger Klassik-Wein, ausgebaut im Edelstahltank, ebenso in die Flasche wie als Lagenwein oder im kleinen oder großen Eichenfass geschulter Reservewein. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass es die besten steirischen Sauvignons heute durchaus mit den Spitzenweinen der Loire oder aus Neuseeland aufnehmen können.

Der Alltagswein im trockenen Weißweinbereich wird mit der säurebetonten Rebsorte Welschriesling bestritten, der in der Steiermark quasi die Rolle des nicht vorhandenen Grünen Veltliners übernimmt. Sehr wohl fühlen sich die weißen Burgundersorten, allen voran der Morillon, wie der Chardonnay in der Steiermark auch genannt wird. Das ist übrigens das einzige Synonym, das für diese Sorte in der EU auf dem Etikett erlaubt ist. Auch exzellenten Pinot Blanc und Pinot Gris bringen die steirischen Winzer hervor. Von den aromatischen Sorten verdient der Gelbe Muskateller, leicht, duftig und trocken ausgebaut, Beachtung, aber auch vereinzelte Traminer sind von hoher Güte.

Eines ist klar: Klingende Namen von Lagen wie Czamillonberg, Grassnitzberg, Kittenberg, Nussberg, Obegg, Sernauberg, Kranachberg oder Zieregg wecken Assoziationen mit den entsprechenden Top-Weinen der kleinen wie großen Winzer. Wir raten: Hinfahren, verkosten und mit allen Sinnen genießen!

Aus Falstaff Magazin Nr. 02/2015

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