Shanghai: Chinas coole Mega-City

In der »Bar Rouge« wird gefeiert bis in den Morgen: Die Terrasse bietet einen sagenhaften Blick auf die Skyline der Stadt.

© Zou Susu

In der »Bar Rouge« wird gefeiert bis in den Morgen: Die Terrasse bietet einen sagenhaften Blick auf die Skyline der Stadt.

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Shanghai, eine Stadt wie ein Orkan. 24 Millionen Einwohner. Vom Flughafen Pudong rast der Transrapid mit über 400 km/h in das Zentrum der City. Dort steht mit dem 632 Meter hohen Shanghai Tower das zweithöchste Gebäude der Welt. Es ist 2016 eröffnet worden, eine gläserne Spirale, die sich in den Himmel schraubt.

Shanghai, das ist ein Meer an Wolkenkratzern, mit einer Skyline, die jene von New York blass aussehen lässt.

Pudong, das ist jenes Viertel, in dem die höchsten Gebäude der Stadt stehen, Denkmäler eines neuen chinesischen Reichtums, gestaltet von internationalen Architekten nach modernsten Standards. Einer dieser Riesen, das 492 Meter hohe World Financial Center, sieht aus wie ein Flaschenöffner und wird auch so genannt. Dort ist ein »Park Hyatt« untergebracht, mit einer Bar im 91. Stock. Mit dem Aufzug ist man in 60 Sekunden oben, ein leises Knacken in den Ohren inklusive. Die Aussicht dort ist atemberaubend, kein zweites Hotel auf der Welt hat eine Bar in dieser schwindelerregenden Höhe. Shanghai, nein das will nicht kleckern, das klotzt.

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Uferpromenade Bund

Wer hier ankommt, der geht fast wie ferngesteuert zum Bund, einer weitläufigen Uferpromenade, von wo die Sicht auf die Skyline von Pudong am besten ist. Dazwischen der Huangpu River, auf dem ein beeindruckender Schiffsverkehr herrscht, der selbst in der Nacht nicht zum Stillstand kommt. Überhaupt ist Stillstand ein Wort, das so gar nicht zu Shanghai passt. Davon bekommt man einen ersten Eindruck, wenn man mit dem Taxi fährt. Der Verkehr in Shanghai ist ein einziger Infarkt. Für wenige Kilometer braucht man manchmal Stunden. Bei Regen ist es fast unmöglich, ein freies Taxi zu bekommen, aber auch bei Schönwetter ist es nicht ganz einfach. Hinzu kommt noch, dass es fast keine Taxifahrer gibt, die eine andere Sprache als Chinesisch sprechen. Deshalb ein Tipp: Laden Sie sich so rasch als möglich die App smart.shanghai auf Ihr Mobiltelefon. Jede Adresse, die Sie dort finden, ob Hotel oder Museum, wird auf Knopfdruck ins Chinesische übersetzt. Man hält dem Taxifahrer einfach das Telefon unter die Nase und er weiß, wohin er fahren soll.

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Ein Hotel in der Nähe des Bund ist ebenfalls ratsam, etwa das Hotel »Indigo« mit einer netten Bar und einigen Restaurants. Eines davon ist auf Steaks spezialisiert, von Kobe-Beef abwärts, und mit einer wunderbaren Sicht auf die Skyline ausgestattet. Gut gelegen ist auch das Hotel »The Westin Bund Center«. Kulinarisches Highlight des Hauses ist der Sunday Brunch, der beste in ganz Shanghai heißt es, der von Hotelgästen und Bewohnern der Stadt geschätzt wird. Zu den teuersten Hotels der Stadt gehört das »Grand Hyatt Shanghai«, es ist das zweithöchste Hotel der Welt mit 555 Luxuszimmern und einem spektakulären Atrium von der 53. bis zur 87. Etage.

60.000 Restaurants

Auch in Sachen Restaurants ist die Stadt rekordverdächtig. Die Zahl an Lokalen ist unvorstellbar. Rund 60.000 sollen es sein, und da sind die kleinen Straßenlokale, oft mit Garküchen im Freien, gar nicht mitgerechnet. Vor allem im obersten Segment der Luxusküchen scheint alles möglich. Bestes Beispiel dafür ist das Restaurant »Ultraviolet« von Paul Pairet, dem auch das nicht minder exklusive »Mr & Mrs Bund« gehört. Mit seinem »Ultraviolet« hat der Franzose allerdings den Vogel abgeschossen. In der San-Pellegrino-Liste der besten Asia-Restaurants rangiert es auf Platz drei. Wer einen Tisch reservieren will, kann das nur online tun und muss für gewöhnlich mit Wartezeiten bis zu einem halben Jahr rechnen, denn das Lokal fasst nur zehn Gäste. Dafür werden dann 20 Gänge serviert, wobei bei jedem Gang eine spezielle Lichtinstallation den Raum in ein gänzlich anderes Ambiente verwandelt. Sein Zweitlokal »Mr & Mrs Bund« nennt Pairet »A Modern French Eatery« und damit trifft er den Kern. Die Einrichtung ist ul­tramodern, die Küche bis zum letzten Bissen französisch.

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Internationale Restaurantketten wie das »Hakkasan« sind in Shanghai ebenso vertreten wie Ableger von Spitzenköchen wie dem Elsässer Jean-Georges Vongerichten. In Kürze soll direkt am Bund auch noch eine Restaurant-Filiale von Joël Robuchons Pariser »L’Atelier« eröffnet werden. All diese Restaurants haben mit chinesischer Küche wenig bis gar nichts zu tun. Ein Klassiker in dieser Hinsicht ist das »Lost Heaven« nahe dem Bund. Das etwas dunkle Lokal zählt zu den bekanntesten China-Restaurants der Stadt – mit dem daraus resultierenden Nachteil, dass meist die Touristen in der Überzahl sind.

Ungleich weniger bekannt ist das »Hot Pot Sun« im französischen Viertel, oder besser gesagt in der ehemaligen französischen Konzession. Im »Hot Pot Sun« spricht man nur chinesisch, was die Bestellung nicht ganz einfach macht, dafür aber werden dort wunderbare Pots mit Suppen serviert, in die Fleisch, Gemüse und Sea Food zum Garen eingetaucht wird. Dazu unzählige Saucen und Kräuter.

Einer der Zufluchtsorte, wenn die Hektik von Shanghai einem den Atem raubt, ist der Yu-Garten im südlichen Huangpu. Hier ist alles vereint, was einen gelungenen chinesischen Garten ausmacht. Gleich in der Nähe befindet sich das Teehaus »Hu­xinting« inmitten eines Sees. Vermutlich war es im alten Shanghai eine Opiumhöhle, heute ist es jedenfalls ein charmanter Ort, um einen guten Tee zu trinken. Das stärkt unter Umständen für die Nacht. Und das Nacht­leben in Shanghai ist alles andere als ruhig. Die Stadt ist voll von Bars und Clubs, in denen chinesische Millionäre das maximale Leben zelebrieren. Eine Endlosschleife aus Party, Party und nochmals Party.

After Party Place

Zu den Epizentren ungebremster Feierlaune zählen Clubs wie das »M1NT« oder die »Bar Rouge«. Allein im »M1NT« gehen im Monat über 5000 Flaschen Champagner über die Theke. Gefeiert wird hier bis zum nächsten Tag. Danach werden dann meist ruhigere Bars aufgesucht, in der Fachsprache auch After Party Place genannt. Wie lange der Aufenthalt dort für gewöhnlich dauert? Ganz einfach: Höchstens so lang, bis man wieder einigermaßen fit ist für die nächste »richtige« Party.

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Das Ultraviolet

In der San-Pellegrino-Liste der besten Asia-­Restaurants wurde das »Ultraviolet« zuletzt als Nummer drei gelistet. Es gilt als bestes ­Restaurant Chinas und damit auch als die ­unangefochtene Nummer eins in Shanghai. Einen Tisch kann man ausschließlich online buchen. Der Preis pro Person beginnt bei 600 Euro, nach oben gibt es keine Grenze, ­ denn die Weinpreise sind enorm. Die Wartezeiten betragen durchschnittlich ein halbes Jahr, was nicht sonderlich verwundert, denn am einzigen Tisch des Lokals haben nur zehn Personen Platz. Sie bekommen ein Menü mit 20 Gängen, darunter etwa Gänse­leber im Rexglas. Das Besondere des Konzepts: Bei jedem Gang verändert sich die Lichtinstallation und erzeugt eine jeweils völlig andere Atmosphäre. Von Ultraviolet bis zu Wiesengrün mit Bäumen.

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Falstaff Nr. 05/2015
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