Long Weekend: So isst Wien

Nicht nur die bunt designte Decke ist im »Das Loft« spektakulär. Die Aussicht ist es ebenso.

© Vincent Thibert

Nicht nur die bunt designte Decke ist im »Das Loft« spektakulär. Die Aussicht ist es ebenso.

© Vincent Thibert

Freitag

Wir lernen die kreative Küche von Wiens Spitzenköchen kennen und wandeln auf den Spuren der K.-u.-k.-Zeit.

Gleich vorweg: Wer in das beste (oder von Falstaff höchstbewertete) Restaurant der Stadt gehen will, der muss nicht nur Wochen im Voraus reservieren, er kann das auch nur von Montag bis Freitag. Bei unserem Long Weekend bleibt also für einen Besuch im »Steirereck im Stadtpark« nur der Freitag – entweder zu Mittag oder am Abend. Das Haus rückte übrigens erst kürzlich in der Liste der 50 besten Restaurants der Welt von Platz 15 auf Platz neun. Immerhin.

Es gibt in der Stadt aber noch ein weiteres, hochinteressantes Restaurant dieser Art, das ebenfalls nur von Montag bis Freitag geöffnet hat – und noch dazu nur am Abend. Das »Mraz & Sohn« im 20. Bezirk überrascht seit geraumer Zeit mit einer sensationell kreativen Küche, die vielen Feinschmeckern momentan konkurrenzlos erscheint und dem Michelin zwei Sterne wert ist. Fazit: Man sollte sich für eines der beiden entscheiden oder das »Steirer­eck« zu Mittag und das »Mraz & Sohn« am Abend besuchen. Das allerdings erfordert mehr als einen gesegneten Appetit.

In-Lokal mit zwei Sternen: »Mraz & Sohn« ist ein Mekka für Feinschmecker. / Foto: beigestellt

In-Lokal mit zwei Sternen: »Mraz & Sohn« ist ein Mekka für Feinschmecker.

Foto: beigestellt

Wer den Heldenplatz und die Hofburg in sein Sightseeing-Programm aufgenommen hat, der sollte ganz in der Nähe beim »Demel« vorbeischauen. Die 1786 gegründete K. u. K. Hofzuckerbäckerei ist optisch ein Kleinod mit einer wirklich großartigen Patisserie. Vom Demel ist es dann nur noch ein Katzensprung zum »Fabios«, das schickste Innenstadtlokal mit mediterraner Küche und einer tollen Bar. Ein guter Cocktail zwischendurch kann nie schaden.

In dieser Hinsicht gleich noch ein Tipp: Die beste Bar Wiens ist momentan die »Tür 7« in der Josefstadt. Grandiose Cocktails und viel Wohnzimmeratmosphäre. Eigentlich noch ein Geheimtipp. Und ideal nach einem abendlichen Restaurantbesuch – egal ob im »Steirereck« oder »Mraz«.

Stylische Bar und mediterrane Küche im »Fabios«. / © Oliver Gast

Stylische Bar und mediterrane Küche im »Fabios«.

© Oliver Gast

Samstag

Wien ist »in«: Wir tauchen in die Kaffeevielfalt ein, flanieren am Donaukanal, besuchen das »Beisl« eines Spitzenkochs und die angesagteste Natural-Wine-Bar.

Der Samstag könnte mit einem Kaffeehausbesuch beginnen. Wien ist reich an altehrwürdigen Kaffeehäusern, auch dafür ist die Stadt berühmt. Zu den bekanntesten zählen unter anderem das »Café Central« (Ecke Herrengasse/Strauchgasse), das »Landtmann« (Universitätsring 4) und das »Hawelka« (Dorotheergasse 6). Wir nehmen aber ein modernes in zentraler Lage, weil dort selbstimportierte Kaffeespezialitäten in Top-Qualität geboten werden. Das »Delia’s« nahe dem Petersplatz ist eine Café-Bar mit stimmigem Ambiente, einem netten Schanigarten (so heißen in Wien die kleinen Gärten vor den Lokalen) und mit viel Süßem, von Muffins bis zu saftigen Kuchen.

Konstantin Filippou ist mit seinem Fine-Dining-Restaurant und dem Bistro »o boufés« Wiens Shootingstar. / Foto: beigestellt

Konstantin Filippou ist mit seinem Fine-Dining-Restaurant und dem Bistro »o boufés« Wiens Shootingstar.

Foto: beigestellt

Wer sich einen Überblick über eine noch sehr junge, lebendige Gastronomie-Meile verschaffen will, der sollte den Donaukanal in der Nähe der Urania entlangspazieren. Dort reiht sich ein cooles Szenelokal an das andere. Ein bisschen Tel Aviv, ein bisschen Berlin und ein bisschen smoken wie in Texas.

Nicht weit davon entfernt domiziliert einer der bekanntesten Shootingstars der Wiener Kochszene. Der griechischstämmige Konstantin Filippou. Direkt neben seinem modern-eleganten Feinschmecker-Restaurant hat er auch noch ein Bistro eröffnet. Im »o boufés« gibt es neben kleinen Gerichten in perfekter Qualität das beste Angebot an Natural Wines der Stadt. Hier am Nachmittag auf ein Glas vorbeizuschauen belebt die Seele und macht Lust auf das Abendessen. Und dafür eignet sich das Edel-Beisl »Petz im Gußhaus« bestens.

Ein Wien-Besuch ohne Beisl ist wie ein Fiaker ohne Pferde. Vom Ambiente her ist das »Petz im Gußhaus« vielleicht kein typisches Beisl, aber in jedem Fall hat es die beste Wirtshausküche der Stadt. Mit dem Witzigmann-Schüler und Vier-Hauben-Koch Christian Petz steht hier immerhin einer der ganz großen Köche des Landes am Herd.

Cooler Pop-up-Heuriger direkt am Donaukanal: »Gspritzter Ferdl«. / Foto: beigestellt

Cooler Pop-up-Heuriger direkt am Donaukanal: »Gspritzter Ferdl«.

Foto: beigestellt

Sonntag

Am Sonntag nehmen wir genussvoll Ab­­schied: beim Lustwandeln im Schlosspark und einem Heurigenbesuch mit gutem Wein und Blick über die Stadt.

Zu einer Wien-Visite gehört natürlich auch ein Ausflug nach Schönbrunn. Dort lässt es sich wunderbar über mehrere Stunden im barocken Schlosspark lustwandeln. Um sich dafür zu stärken, empfiehlt es sich, vorher in der »Meierei im Stadtpark« einen Brunch einzunehmen. Hierbei handelt es sich um das »kleine Steirereck«, das auch am Wochenende geöffnet hat. Nirgendwo ist der Kaiserschmarren besser als hier. Zu Mittag hätte ein Besuch bei Juan Amador viel Charme. Sein Gourmetrestaurant, das er tiefstapelnd »Wirtshaus« nennt, hat zwar am Sonntag zu, dafür aber ist die »Greißlerei« geöffnet – mit Wiener Küche aus der Hand eines deutsch-spanischen Drei-Sterne-Kochs.

Deutscher Sternekoch im 19. Wiener Gemeindebezirk: Juan Amador belebt mit seinem Wirtshaus hier seit Kurzem die Gastroszene. / © Lukas Ilgner

Deutscher Sternekoch im 19. Wiener Gemeindebezirk: Juan Amador belebt mit seinem Wirtshaus hier seit Kurzem die Gastroszene.

© Lukas Ilgner

Für den Nachmittag haben wir einen Heurigenbesuch eingeplant, da wir uns ja bereits im 19. Bezirk, in der Heurigen­gegend Wiens, befinden. Zwei Namen sind dabei in der engeren Auswahl: der Buschenschank »Wailand« zwischen den Weingärten Kahlenberg und Nußberg mit allerdings sehr begrenzten Öffnungszeiten, aber dafür der spektakulärsten Sicht über Wien.

Etwas unterhalb liegt der »Wieninger am Nußberg«, ebenfalls mit grandioser Sicht. Es ist der Heurige von Fritz Wieninger, dem berühmtesten Winzer Wiens. Somit ist die Weinqualität gesichert, aber auch die Kulinarik kommt hier nicht zu kurz. Ein typisches Heurigenessen in Bestform.

Traumhafte Lage im Stadtpark: die »Meierei«, das Zweit­lokal des berühmten »Steirerecks«. / © Steirereck

Traumhafte Lage im Stadtpark: die »Meierei«, das Zweit­lokal des berühmten »Steirerecks«.

© Steirereck

Für das Abendessen haben wir ebenfalls eine Adresse mit typischer Wiener Küche ausgesucht: das »Plachutta bei der Oper«. So wie alle anderen Plachutta-Betriebe – und das sind inzwischen mehr als eine Handvoll – hat dieses gleich hinter der Oper sehr zen­tral gelegene Gasthaus auch am Sonntag offen. Hier werden nicht nur traditionelle Rindfleischgerichte im Kupferkessel serviert, hier gibt es auch das, was viele Wien-Besucher wahrscheinlich auf keinen Fall versäumen wollen: ein Wiener Schnitzel in hervorragender Qualität.

Aus Falstaff Magazin Nr. 05/2016

Die besten Adressen im Überblick

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    Donaukanal
    Hippe Gastroszene, z. B. Burger in »It’s All About the Meat Baby«, guter Wein im »Gspritzten Ferdl« und Drinks in der Strandbar »Tel Aviv Beach«.
    Donaukanallände, 1010 Wien