Long Weekend: Prag – Die goldene Stadt

Prager Monument: Die Karlsbrücke verbindet die Altstadt mit der Kleinseite.

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Prager Monument: Die Karlsbrücke verbindet die Altstadt mit der Kleinseite. / © Shutterstock

Prager Monument: Die Karlsbrücke verbindet die Altstadt mit der Kleinseite.

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Freitag

Am Freitag entdecken wir nicht nur das alte Prag, sondern auch das junge – bei einer Tour durch die kulinarische Kreativszene.

Vom Prager Hauptbahnhof geht es direkt ins Zentrum zum Mittagessen, denn in Prag gibt es viel zu sehen und viel zu essen – und keine Zeit zu verlieren. Den Anfang macht ein nicht ganz so opu­lentes Mittagessen im »Brixton Balls«. Das Bistro spezialisiert sich auf Fleischbällchen aller Art, zu empfehlen ist der Rind-Cheddar-Meatball. »Depeche Mode«-Fans sollten etwas zum Signieren mitnehmen. Die Fleischbälle bereitet dort nämlich deren Ex-Produzent Tim Simenon höchstpersönlich zu und dementsprechend stört es im »Brixton Balls« ausnahmsweise auch nicht, dass die Hintergrundmusik ein wenig lauter ist.

Das »Brixton Balls« überrascht mit seiner bunten Fleischbällchen-Vielfalt. / Foto: beigestellt

Das »Brixton Balls« überrascht mit seiner bunten Fleischbällchen-Vielfalt.

Foto: beigestellt

Danach ab ins Hotel. Da die Prager Taxifahrer nicht zu den – sagen wir – »korrektesten« der Welt zählen, bestellen wir das Taxi am besten über die App »Liftago«, die uns bargeldlos zum Hotel »The Augustine« auf der Prager Kleinseite führt.

Dort wohnt man ein wenig versteckt, aber gleich bei der Karlsbrücke und außerdem in historischen Gebäuden. Sie bestehen teilweise seit 1284. Die Hotelbar etwa befindet sich in den Räumen der mittelalterlichen St.-Thomas-Brauerei.

Die St.-Thomas-Brauerei aus dem 17. Jahrhundert ist heute eine Hotelbar. / Foto: beigestellt
Die St.-Thomas-Brauerei aus dem 17. Jahrhundert ist heute eine Hotelbar.

Foto: beigestellt

Den obligatorischen Spaziergang über die Karlsbrücke und durch die Altstadt beenden wir am Abend mit einem wahren kulinarischen Meisterwerk im »Sansho«. Dort soll man sich als Gast aufs Essen konzentrieren. Das Restaurant selbst ist vom Design her trendig-spartanisch gehalten, damit nichts vom fantastischen Geschmack des Degustationsmenüs ablenkt.

Das »Sansho« rühmt sich damit, das ganze Tier zu verarbeiten: von der Schnauze bis zum Schwanz. Der Schweinebauch mit Wassermelone oder der Krabben-Slider mit Hefeteig sind nur zwei der vielen Highlights. Obwohl das »Sansho« noch ein Geheimtipp ist, sollte man unbedingt reservieren. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher in die »Public Interest Bar«, wo das Cocktailangebot in der Auswahl zwar beschränkt ist, die Drinks hingegen perfekt sind.

Im ehemaligen Klosterspeisesaal ist heute die »Refectory Bar« des »Hotel Augustine«. / © Luminum Photography
Im ehemaligen Klosterspeisesaal ist heute die »Refectory Bar« des »Hotel Augustine«.

© Luminum Photography

Samstag

Am Samstag frönen wir der Prager Biertradition und lernen eine Neuinterpretation der böhmischen Küche kennen.

Wer eine Alternative zum Hotelfrühstück will, muss in Prag auf die Suche gehen. Zumindest ein guter Grund für einen Morgenspaziergang, bevor die Touristenhorden die Straßen füllen. In der Straße Dlouhá, unweit vom jüdischen Friedhof, wird man in der Brötchen-Bar »Sisters« fündig, wo man auf ausgefallen belegte Brötchen (Hering mit Wasabi-Majo oder Schinken mit gebackenen Zwetschgen) trifft. Wem das frühmorgens zu mutig ist, der findet im »Café Imperial« ein opulentes Setting für ein klassisch luxuriöses Café-Frühstück. Besonders die Eggs Benedict im Restaurant des Starkochs Zdenek Pohlreich sind legendär. 

Fürs Mittagessen kehren wir dann im »Čestr« ein, das in einem dominanten 1970er-Gebäude – dem ehemaligen sozialistischen Parlament – und nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt zu finden ist. Benannt ist das Restaurant nach einer tschechischen Rindersorte und dementsprechend sieht die Speisekarte aus.

Das »Čestr« holt die böhmische Kochtradition ins 21. Jahrhundert. / Foto: beigestellt
Das »Čestr« holt die böhmische Kochtradition ins 21. Jahrhundert.

Foto: beigestellt

Das »Čestr« hat die böhmische Küche ins 21. Jahrhundert gebracht, dank Slow-Cooking-Methoden schmilzt das Fleisch regelrecht auf der Zunge. Dazu gibt es das beste Pilsner Urquell in Prag – kredenzt natürlich mit historischen Zapfmethoden, etwa der »Milch«, bei der nur Schaum gezapft wird. Dies ist auch das letzte Pilsner Urquell, das wir in Prag trinken. Denn auch im Land der Bierweltmeister ist die Craft-Beer-Bewegung angekommen. 

Beim Spaziergang durch das bourgeoise Stadtviertel Vinohrady mit seinen angesagten Cafés (zum Beispiel dem »Kaaba«) treffen wir auf Baujuwelen aus der Zwischenkriegszeit, wie etwa das funktionalistische Wohnhaus Ecke Italská und Na Smetance. Im Park Riegrovy Sady lässt sich besonders schön der Sonnenuntergang über Prag bewundern, bevor man zum Abendessen ins »Dish« einkehrt. Dieses Burger-Bistro bietet exzentrische Burger-Varationen. Auf der Karte findet sich etwa ein Burger, der mit Olmützer Quargel und Portwein verfeinert ist. 

Einen Katzensprung entfernt finden wir das »Nota Bene«, wo wir an der Bar eines der vielen Craft-Ales vom Fass kosten.

Pflichtbesuch: Die Nationalgalerie im barocken Palais zeigt die Werke alter europäischer Meister, aber auch zeitgenössische Kunst. / © ngprague
Pflichtbesuch: Die Nationalgalerie im barocken Palais zeigt die Werke alter europäischer Meister, aber auch zeitgenössische Kunst.

© ngprague

Sonntag

Nach einem Spaziergang durch das »Kleine Berlin«, genießen wir am Sonntag internationale Kunstwerke am Teller und im Museum.

Nach zwei Tagen auf der rechten Seite des Moldauufers verlassen wir das Zentrum und machen uns auf den Weg ins sogenannte »Kleine Berlin«, den Stadtteil Letná. Ein Frühstück genießen wir in »The Farm«, das wir den Berg hinauf zu Fuß erreichen – durch den Letná-Park, vorbei beim Sparta-Prag-Stadion. Empfehlung: die Eggs Florentine.

Nach einem Spaziergang durch den sehenswerten Stadteil stärken wir uns im Hipster-Himmel »Mr. HotDoG«, wo das Würstel zum Kunstwerk erklärt wird. Das Gebäck wird in Butter gebraten, die Würstchen sind nur aus feinstem Fleisch. Dazu gibt es hervorragendes Vinohrady-Bier.

Die »Cash Online Bar« präsentiert sich im schicken Vintage-Look. / © Martin Mojzis
Die »Cash Online Bar« präsentiert sich im schicken Vintage-Look.

© Martin Mojzis

Den Nachmittag verbringen wir in der tschechischen Nationalgalerie, wo uns etwa Alfons Muchas Meisterwerk »Das Slawische Epos« erwartet. Bei Schönwetter bietet die Letná einen der schönsten Ausblicke auf ganz Prag, entweder im einfachen Biergarten oder im Restaurant des kleinen Schlösschens »Letenský zámeček«. 

Nach einem Nachmittagskaffee im zuverlässig guten »Bistro 8« finden wir uns auf dem Gelände des Prager Markts ein. Nach einem Besuch des Bauernmarkts in der Halle 22 geht es in den Asian-Fusion-Tempel »SaSaZu«. Dort werden Speisen aus fünf Ländern Südostasiens präsentiert – in perfekt kleinen Portionen serviert, damit wir auch mehr kosten können. 

Und damit wir den Rest unseres Bargelds nicht mitnehmen und zu Hause in der Schublade verstauben lassen müssen, geben wir zum Abschluss alles in der »Cash Only«-Cocktailbar aus.

Kulinarik aus der goldenen Stadt

Aus Falstaff Magazin Nr. 06/2016

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Die besten Adressen im Überblick

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    Tschechische Nationalgalerie
    Mucha und Moderne in einem funktionalistischen Baujuwel.
    Dukelských hrdinu 47, 170 00 Prag
    Telefon: +420 224 301122
    E-Mail: info@ngprague.cz
    Öffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr
  • 2
    Kuráž
    Junge tschechische Modetrends.
    Veletržní 48, 170 00 Prag
    Telefon: +420 608 449804
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    Michal Marek
    Boutique von zwei jungen Modeschöpfern.
    Ovenecká 348/36, 170 00 Prag
    Telefon: +420 730 966009
    E-Mail: info@marekmichal.com
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    SISTERSCONSPIRACY
    Teil der Modebewegung im »Kleinen Berlin« Prags.
    Dobrovského 717/24, 170 00 Prag
    Telefon: +420 732 644122