Long Weekend: Porto – Die Portwein-Stadt

Porto im Abendrot: Der Douro schlängelt sich durch die Stadt, bevor er in den Atlantik mündet.

© Getty Images

Porto im Abendrot: Der Douro schlängelt sich durch die Stadt, bevor er in den Atlantik mündet. / © Getty Images

Porto im Abendrot: Der Douro schlängelt sich durch die Stadt, bevor er in den Atlantik mündet.

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In Lissabon wird gefeiert, in Porto wird gearbeitet«, sagen die Portuenser und schütteln den Kopf über den Luxus der Hauptstadt. Prassen und protzen sind hier nämlich tabu – nicht umsonst ist Porto für seine »Tripas« (Kutteln) berühmt. Kaufleute und Handwerker prägten über Jahrhunderte die Stadt. Die mittelalterliche Altstadt unten am Douro lässt die tüchtige Geschäftigkeit einer der einst bedeutendsten Hafenstädte Europas noch heute erahnen.

Doch Mitte des 20. Jahrhunderts war es still geworden in Porto. Die Kolonien waren unabhängig, die Textilproduktion war nach Asien abgewandert, der Handel hatte nichts mehr zu handeln. Historische Gebäude verfielen, Geschäfte standen leer.

Porto hat aber auch viele kluge Köpfe. Diese ließen die Altstadt zum Kulturgut ernennen. Man verhinderte, dass die alten Straßen durch Allerweltsmarken zerstört wurden und gab kleinen, heimischen Geschäften den Vorzug. Man förderte Stil und forderte kreatives Engagement. Heute ist Porto hip – und der perfekte Ort für ein langes Wochenende.

Das »Boa Nova«: Nur einen Steinwurf vom Meer entfernt speist man hier hochfein. / © Nelson Garrido
Das »Boa Nova«: Nur einen Steinwurf vom Meer entfernt speist man hier hochfein.

© Nelson Garrido

Freitag

Ankunft in Porto: Am ersten Tag geht’s direkt ans Meer – feines Dinieren inklusive.

Vom Flughafen geht’s direkt ans Meer, nach Leça da Palmeira. Direkt in die Felsen der Atlantikküste hat Stararchitekt Álvaro Siza 1963 ein puristisches Lokal gebaut, dessen ergreifende Wirkung noch heute ungebrochen ist. Seit einigen Monaten wird das Landmark von Rui Paula bespielt. Der Kontrast zwischen der hochfeinen Küche des »Boa Nova« und dem Blick aufs wilde Meer ist unbeschreiblich. 

Lemos’ elegantes Restaurant ist derzeit ein Highlight in Porto. / © Fernando Pendão
Lemos’ elegantes Restaurant ist derzeit ein Highlight in Porto.

© Fernando Pendão

Von der Mündung des Douro folgt man dem Flussufer Richtung Stadtzentrum. Wer möchte, checkt in einem der noblen Hotelklassiker ein – wie dem ehrwürdigen »Infante de Sagres«. Oder im prächtigen »Yeatman«-­Hotel der Taylor-Gruppe, dessen Zimmer einen umwerfenden Blick auf die Altstadt von Porto bieten. Den wahren Zeitgeist der Stadt findet man in den neuerdings entstehenden Guesthouses. Das »Inpatio« hat nur fünf Zimmer in dem liebevoll renovierten 300 Jahre alten Steinhaus eingerichtet. Die »Pensão Favorita« im Viertel der Kunst­galerien verfügt über hübsche, funktionelle Zimmer und einen ruhigen Garten.

Zum Abendessen bietet sich das »Cantinho do Avillez« an. José Avillez, Spitzenkoch aus Lissabon, hat sich einen Traum erfüllt: ein schlichtes Restaurant mit kreativer Küche.

Fässer an Bord: Die sogenannten Rabelo-Boote transportieren die Traubenaus den Weinanbau­gebieten nach Porto. / © Getty Images
Fässer an Bord: Die sogenannten Rabelo-Boote transportieren die Traubenaus den Weinanbau­gebieten nach Porto.

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Samstag

Ein bisschen Kultur und viele kulinarische Genüsse: Am zweiten Tag zeigt sich Porto von seiner schönsten Seite.

Rund um die Clérigos-Kirche hat sich ein Viertel mit Bars und schicken Läden entwickelt. Das Zentrum des neuen Porto ist die Rua das Flores und in ihrer Mitte die hübsche »Mercearia das Flores«, ein Feinkost- und Imbissgeschäft mit Produkten aus ganz Portugal. Besonderes Augenmerk verdienen die Yonest-Joghurts, deren allerköstlichster Geschmack sich auch im liebevollen Verpackungsdesign widerspiegelt. Die »Mercearia« bietet feine, kleine Gerichte aus biologischen Zutaten an.

Der Café Curto (ein kurzer Espresso) ist in nahezu jedem Café grandios und wird schnell im Stehen getrunken. Einen längeren Aufenthalt sollte man sich im »Café Majestic« gönnen, um das üppige Dekor des Jugendstils auf sich wirken zu lassen. Die Pracht der einstigen Kolonialmacht ist hier noch zu spüren – und inspiriert ganz offenbar, denn Joanne K. Rowling hat im »Majéstic« die ersten Kapitel von Harry Potter verfasst. 

Serralves-Museum: Die Ausstellungen wechseln mehrfach jährlich. / © Filipe Braga
Serralves-Museum: Die Ausstellungen wechseln mehrfach jährlich.

© Filipe Braga

Architektur war und ist in Porto immer ein Thema. Im eleganten Viertel Foz liegt die Fundação de Serralves, ein weitläufiger Park, der das von Álvaro Siza errichtete Museum beherbergt. Siza hat die Stadt verändert. Die einst extrem verspielten Manierismen mussten klaren, puren Linien weichen. Hochwertige Materialien werden zu Understatement verarbeitet.

Ein Stil, der die Seele und alle Sinne beruhigt – und sie vorbereitet auf ein glanzvolles Abendessen: Nicht weit von Serralves liegt der derzeit kulinarische Höhepunkt der Stadt: das Restaurant von Pedro Lemos, der mit einem Michelin-Stern gekrönt wurde. Dafür gibt es jeden Grund: In dem alten Steingebäude richtete er ein elegantes Restaurant ein, der Service ist vorbildlich, und die Gerichte sind sehr fein (und erholsam klein). 

»Copo e Alma«: Reges Treiben in der kleinen Vinothek. / Foto: beigestellt
»Copo e Alma«: Reges Treiben in der kleinen Vinothek.

Foto: beigestellt

Sonntag

Ein Ausflug in die Portweinkeller auf der Schattenseite des Ufers und zum Abschluss noch ein kurzer Halt in Portos Hafenvorstadt.

Portwein, natürlich! Während Porto sich an die Sonnenhänge kuschelt, liegt Vila Nova de Gaia, am anderen Flussufer, auf der Schattenseite. Deshalb wurden dort auch die mächtigen Steinkeller errichtet, in denen die Portweine oft jahrzehntelang in Holz-Pipas reifen. Einige der Portweinhäuser bieten geführte Besuchstouren an. Besonders schön sind jene bei Graham’s und Ramos Pinto. Andere Häuser sind da etwas zurückhaltender. Bei Niepoort zum Beispiel hat man sicherheitshalber nicht mal ein Schild angebracht. 

Verkostungsraum bei Graham’s, im Shop können die Weine gekauft werden. / Foto: beigestellt
Verkostungsraum bei Graham’s, im Shop können die Weine gekauft werden.

Foto: beigestellt

Dafür aber entstehen immer mehr schicke Weinbars in der Stadt, die zur Degustation einladen. Eine der kompetentesten ist die Vinothek »Copo e Alma« (die Portugiesen lieben Wortspiele!), wo kleine Gerichte angeboten werden und alle wesentlichen Weine und Ports erhältlich sind.

Haben alle Flaschen im Koffer Platz gefunden? Auf dem Weg zum Flughafen muss man unbedingt noch in Matosinhos haltmachen. In Portos Hafen- und Fischervorstadt finden sich die besten Marisqueiras (die auch sonntags offen haben). Köstlicher Grillgeruch hängt in der Luft, denn die wunderbaren Sardinhas Grelhadas werden auf kleinen Kohlengrills direkt vor den Restaurants auf der Straße gegart.

Im Restaurant »O Gaveto« fällt es angesichts der Auswahl an Edelfischen und Meeresfrüchten allerdings schwer, sich mit Sardinen zu begnügen. Taschenkrebse, Garnelen, Wolfsbarsche, Percebes (Entenmuscheln) – alles duftet hier frisch nach Meer! Wagemutige bestellen Lampreia, die Spezialität des Hauses. Das Neunauge wird stundenlang in Rotwein und im eigenen Blut geschmort und soll unglaublich lecker schmecken, sagt man.

Aus Falstaff Magazin Nr. 01/2015

Die besten Adressen im Überblick

  • 1
    Portweinführung: Graham's Port Lodge
    Das zugehörige Museum bietet einen Überblick über die Geschichte des Portweins.
    Rua de Rei Ramiro 514, 4400 Vila Nova de Gaia
    Telefon: +351 22 3776484
  • 2
    Portweinführung: Ramos Pinto
    Nach einer Führung durch den historischen Keller können die Weine im Restaurant mit harmonierenden Speisen verkostet werden.
    Av. Ramos Pinto 380, 4400 Vila Nova de Gaia
    Telefon: +351 22 3707000
    E-Mail: ramospinto@ramospinto.pt