Long Weekend mit Bloggerin Carolina Hubelnig: Das märchenhafte Elbland

Die Moritzburg war Drehort eines bekannten Märchenfilms.

© Carolina Hubelnig

Die Moritzburg war Drehort eines bekannten Märchenfilms.

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Freitag

Dresden – das Florenz des Nordens

Die Lebensader Dresdens ist die Elbe und auch der rote Faden, der uns durch ein Long Weekend im Freistaat Sachsen begleitet. Deutschlands zweitlängster Fluss teilt das Innenstadtgebiet in zwei Teile, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Im Süden erstreckt sich die historische Altstadt mit der weltberühmten Semperoper, dem Zwinger und der Frauenkirche. Am Nordufer lässt sich das Szeneviertel Neustadt entdecken. Wir verschaffen uns einen ersten Überblick und besteigen den Hop-On-Hop-Off-Bus, der uns durch Elbflorenz führt.

Wir entdecken Dresden vom Wasser aus

Nach einer kurzen Stärkung in Pfunds Molkerei – den vielleicht schönsten Milchladen der Welt zieren 250 Quadratmeter handbemalte Fliesen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts – erkunden wir die Elbmetropole vom Wasser aus. Im Angebot der Sächsischen Dampfschifffahrt finden sich auch kulinarische Erlebnistouren. Das Abendbrotschiff etwa serviert zum malerischen Panorama über die Stadt und die nahen Elbschlösser ein saisonales Buffet.

Das berühmte Panorama von Dresden lässt sich auch vom Hotel »Westin Bellevue« aus genießen. Das ehrwürdige Haus nahe der Augustusbrücke bietet Zimmer und luxuriöse Suiten mit Altstadtblick – eine Ansicht, die bereits Canaletto malerisch verewigte.

Samstag

Eierschecke, Schokolade und Kochsalami nach DDR-Rezept

Für unsere kulinarische Erkundungstour haben wir uns fachkundige Unterstützung geholt. Falk Lorenz nimmt Besucher mit auf die »Eat the World-Tour«. Quer durch Dresden bringt er uns zu den kulinarischen Hotspots und zu den verborgenen Kleinoden. Zur Konditorei Kreutzkamm am Altmarkt zum Beispiel. Der Traditions-Zuckerbäcker blickt auf eine fast 200-jährige Süßwaren-Geschichte zurück und kredenzt den wohl besten Baumkuchen der Stadt. Wer die berühmte Sächsische Eierschecke, einen locker gebackenen, traditionellen Kuchen, verkosten will, ist im Dresdner Kaffeestübchen richtig. Hier wird noch nach einem alten Familienrezept gebacken. Pikant wird es in der Fleischerei Ernst Schulze, wo wir traditionelle Wurstspezialitäten verkosten. Neben der berühmten Bockwurst probieren wir Spezialitäten wie Rohpolnische oder Kochsalami nach originalem DDR-Rezept. Whisky-Liebhaber machen einen Zwischenstopp bei Whisky & Genuss, wo man sich um die Vermählung der angelsächsischen Brennerei-Kultur mit lokaler Kulinarik bemüht. Schokoladenfreunde kehren schließlich bei Camondas ein. Der Schokoladenkontor schließt an die Dresdner Schokoladentradition an – zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Dresden eines der Zentren der europäischen Schokoladeindustrie.

Die Baumkuchenspitzen mit Bitterschokolade sind eine Variation des beliebten Klassikers.

© Carolina Hubelnig

Auf der Suche nach Aschenbrödels Schuh

Wir verlassen Dresden in Richtung Norden. Im idyllischen Örtchen Moritzburg wartet mit dem gleichnamigen Barockschloss eine besondere Sehenswürdigkeit. Schloss Moritzburg, das einstige Jagd- und Lustschloss August des Starken, spiegelt sich malerisch im großen Schlossteich. Seine Berühmtheit verdankt dieses Juwel des sächsischen Barock einem Fernsehauftritt: Es diente 1973 als Kulisse für den beliebten deutsch-tschechischen Märchenfilm »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Im Inneren lassen sich in den weitläufigen Raumfolgen Jagdtrophäen, erlesene Porzellane und kostbar bemalte Ledertapeten erkunden. Wer Aschenbrödels Ballsaal sucht, wird nicht fündig. Der wurde im Filmstudio zum Leben erweckt. Stattdessen entdecken Aufmerksame eine metallene Nachbildung von Aschenbrödels Schuh auf einer der Treppen, die von der Schlossterrasse in den Park führen – als hätte ihn die Prinzessin eben erst verloren. Wie aus einem Märchen wirken auch die schnatternden Graugansherden am Teich. Verzaubert spazieren wir an ihnen vorbei, direkt zum Fasanenschlösschen. Der Rokoko-Bau ist das kleinste Königsschloss Sachsens.

Nach diesem aufregenden Sightseeingtag haben wir uns das Abendessen im nahegelegenen »Adams Gasthof« wirklich verdient. Serviert wird bodenständige sächsische Küche in idyllischem Ambiente, zeitgemäß interpretiert in der renovierten, historischen Gaststube. Die Karte gibt sich saisonal, eine kleine Weinauswahl mit regionalen Tropfen ergänzt das Angebot. Das historische Wirtshausgebäude liegt beschaulich an einem der Moritzburger Teiche, das Interieur präsentiert sich in lichtdurchflutetem, zeitgemäßem Landhausstil.

Traditionelle sächsische Küche muss nicht deftig sein: Wir genießen Elbtalspätzle mit grünem Spargel und Kräutersalat.

Sächsische Küche muss nicht deftig sein: Wir genießen Elbtalspätzle mit grünem Spargel und Kräutersalat.

© Carolina Hubelnig

Sonntag

Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen

Wir setzen unsere Reise durchs Elbland in Meißen fort. Die ehemalige Residenzstadt der sächsischen Kurfürsten, gilt als die Wiege des europäischen Porzellans. Das »Weiße Gold« wurde hier im Jahr 1708 erstmalig hergestellt, seitdem blüht in dem Städtchen an der Elbe die Porzellantradition. In den Schauwerkstätten der Porzellan-Manufaktur Meissen lässt sich die immer noch handwerkliche Herstellung der wertvollen Tafelstücke bestaunen. Das dafür notwendige Kaolin wird im hauseigenen Bergwerk abgebaut und in einem aufwändigen Veredelungsprozess der Rohstoff für die kostbaren Kunstwerke gewonnen. Auf fußbetriebenen Töpferscheiben entstehen Kunstwerke, die von Bossierern handwerklich zusammengefügt und schließlich von Porzellanmalern dekoriert werden. Oft dauert es Monate, bis die kostbaren Einzelstücke fertig sind.

Handwerkskunst aus der Porzellan-Manufaktur Meissen
Handwerkskunst aus der Porzellan-Manufaktur Meissen

© Carolina Hubelnig

Alte Handwerkskunst modern interpretiert

Besondere Tradition genießt das berühmte und oft kopierte Meissener Zwiebelmuster: Die charakteristischen, blauen, vegetabilen Muster sind weltbekannt und machen das sie zierende Geschirr zu beliebten Sammlerstücken. Doch auch in der traditionsbewussten Manufaktur geht man mit der Zeit: So wurde nicht nur das althergebrachte Zwiebelmuster für eine neue Geschirrserie zeitgemäß interpretiert, im hauseigenen Shop entdeckt man zahlreiche zeitgeistige Neuschöpfungen.

Das Meissner Zwiebelmuster entsteht.
Das Meissner Zwiebelmuster entsteht.

© Carolina Hubelnig

Wir speisen in der Porzellan-Manufaktur Meissen

Im hauseigenen Restaurant der Porzellanmanufaktur Meissen wird gepflegte Tafelkultur naturgemäß groß geschrieben. Das feine Porzellan des Hauses bietet dabei den schmucken Rahmen für die Bewirtung durch Chefkoch Jens Troschütz. Wir genießen Spargelsuppe mit Bärlauchpesto, Saltimbocca von der Moritzburger Forelle und traditionelle Quarkkeulchen mit Apfel-Rosinen-Ragout und Eierschecken-Eis, angerichtet auf Porzellan aus unterschiedlichen Serien der Meissener Manufaktur. Ein weiteres Highlight im Programm des Restaurantbetriebs ist die buchbare Verkostung von Tee, Kaffee und heißer Schokolade - die drei »heißen Lustgetränke«. Die drei ikonischen Heißgetränke werden dabei in den ihnen angedachten Trink- und Schankgefäßen serviert, deren Formgebung und Verwendung man am Beispiel erläutert. Die Verkostung begleiten regionale Mehlspeisen, etwa die berühmte Meißener Torte mit Marzipan - und wiederum ein Querschnitt durch die Produktwelt der exquisiten Porzellanherstellung.

Wir spazieren durch die Weinstadt Meißen

Meißen ist Hauptstadt eines der kleinsten Weinbaugebiete Deutschlands. Wer einen der wertvollen Tropfen aus dem Elbtal verkosten möchte, tut dies am Besten im »Weinladen« in der Elbstraße. Inhaberin Claudia Beyer empfiehlt eine Auswahl der lokalen Weißweine, die im angeschlossenen Gastraum oder Gastgarten auch glasweise ausgeschenkt werden.

Beschaulich und gemütlich ist die Altstadt von Meißen.

© Carolina Hubelnig

In der historischen Altstadt schlendern wir auf Kopfsteinpflaster an alten Bürgerhäusern und pittoresken Kirchen vorbei. Die unterschiedlichen Baustile prägen das Stadtbild. Bekrönt wird die ehemalige Residenzstadt aber von der imposanten Albrechtsburg samt Dom, die auch Schauplatz der alljährlichen Burgfestspiele von Meißen sind.

Wir machen uns auf den Retourweg in Richtung Dresden und machen in Radebeul Station. In der hier gelegenen »Villa Sorgenfrei« übernachtet man im Charme denkmalgeschützter Mauern und speist in Stefan Hermanns Restaurant »Atelier sans souci« auf Sterneniveau. 

Historisches trifft im zeitgemäß adaptierten Gartensaal der »Villa Sorgenfrei« auf zeitgenössische Skulpturenkunst, Stuckdecke auf geradliniges Porzellan. Küchenchef Marcel Kube serviert darauf französisch inspirierte Kreationen zwischen Klassik und Moderne aus seinem kulinarischen »Atelier«. Vier bis sieben Gänge regelmäßig wechselnder Menüs stehen zur Wahl, Sommelier und Gastgeber John Piotrowsky kümmert sich ums Wohlbefinden der Gästeschar.

INFO

Für mehr Infos über das Reiseland Deutschland und das Elbland einfach auf diese Links klicken:

Culinary Germany: germany.travel

Dresden Elbland: www.marketing.dresden.de

Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen: www.meissen.com

Die besten Adressen im Überblick

  • 1
    Moritzburg Meißen
    Schloßallee, 01468 Moritzburg
    Telefon: +49 35207 87318
    E-Mail: service@schloesserland-sachsen.de
  • 2
    Sächsische Dampfschiffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG
    Georg-Treu-Platz 3, 01067 Dresden
    Telefon: +49 351 866090
    E-Mail: service@sdsgruppe.de
  • 3
    Semperoper
    Theaterplatz 2, 01067 Dresden
    Telefon: +49 0351 4911 705
    E-Mail: bestellung@semperoper.de
  • 4
    Erlebniswelt Haus MEISSEN® in der Porzellan-Manufaktur Meissen
    Talstraße 9, 01662 Meißen
    Telefon: +49 (0)3521 468 206/-208
    E-Mail: museum@meissen.com