Long Weekend Luxemburg: Genießen wie ein Großherzog

Prachtvoller Anblick: »Burg Vianden« nahe der deutschen Grenze.

© LFT Christophe Van Biesen

Prachtvoller Anblick: »Burg Vianden« nahe der deutschen Grenze.

© LFT Christophe Van Biesen

Freitag

Wir lernen die luxemburgische Küche kennen, besichtigen den großherzoglichen Palast und lassen uns eine rekordverdächtig hohe Torte schmecken.

Was gleich auffällt, hat man einmal einen Fuß auf luxemburgischen Boden gesetzt, ist die kaum noch zu findende Unberührtheit des öffentlichen Raums. Kein Kaugummi und keine Zigarettenkippe verschmutzen die Straßen, die Sitze in den kostenlos nutzbaren Trambahnen sind sauber, kaum irgendwo sind Graffiti zu sehen. Luxemburg, mit seinen 640.000 (Land) beziehungsweise 130.000 Einwohnern (Stadt) ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit unter den Staaten der Europäischen Union. Das kleine Land kann den Bedarf an Arbeitskräften nicht selbst decken und wirbt seit Jahren hervorragend ausgebildete Auswanderer aus aller Welt an, die auskömmliche Gehälter beziehen. Dreisprachigkeit gehört zum Alltag, Französisch, Deutsch und Englisch werden praktisch überall verstanden. 

Wenn es um die einheimische Küche geht, hört man häufig die geflügelte Weisheit: französische Raffinesse, deutsche Portionen. Den Beweis dafür tritt das »Kaempff-Kohler« an, das sich für eine Stärkung nach der Ankunft eignet. Es liegt inmitten der Fußgängerzone der Oberstadt, wo sich Restaurants und Cafés aneinanderreihen, die insbesondere zur Mittagszeit berstend gefüllt sind. Hier trifft »Feierstengszalot« auf »Gromperekichelcher«, wie es auf Lëtzebuergesch heißt: ein mit Essiggurken angemachter kalter Rindfleischsalat liegt auf knusprig warmen Kartoffelküchlein – ein nahrhaftes Wohlfühlessen, zu dem ein luxemburgischer Riesling gut passt. 

Die Koffer haben wir mittlerweile im hübschen Boutiquehotel »Parc Beaux Arts«, untergebracht, das sich schräg gegenüber dem Historischen Museum befindet – in der Oberstadt ist jeder Ort innerhalb von zehn Minuten fußläufig erreichbar. Doch die Kunst sparen wir uns für Sonntag auf, als süßen Kick am Nachmittag gönnen wir uns ein Stück der rekordverdächtig hohen Torten im »House of Chocolate«. Dabei schauen wir auf den Großherzoglichen Palast vis-à-vis, wo die Wache ostentativ auf- und abmarschiert. Wenn die rot-weiß-blaue Fahne weht, ist der Großherzog präsent. 

Bevor wir das Abendessen im »Café de Paris« einnehmen, werfen wir von der »Rue Sosthène Weis« noch einen Blick auf das Viertel Grund und die Abtei Neumünster. Entspannt klingt der Abend mit hochklassigen Drinks in der »Octans«-Bar aus.
 

Samstag

Auf dem Programm steht heute eine Shopping-Tour, erstklassige Patisserie und ein Besuch im besten Restaurant des Landes.

Das Hotelfrühstück genießen wir heute in kleiner Version und machen uns anschließend auf in die Rue Philippe II, wo von Gucci über Louis Vuitton und Rolex viele Nobelgeschäfte ihren Sitz haben. Auch bis zur »Galeries Lafayette« in der Grand Rue unweit des geschäftigen Place d’Armes ist es nicht weit. Alternativ zur Shopping-Tour bietet sich ein Spaziergang an, bei dem wir durch den Stadtpark »Stater Park« flanieren, eine knapp 21 Hektar große grüne Oase.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, mit einigen Kilometern in den Beinen ist eine Stärkung fällig: diese nehmen wir im »Café Oberweis« ein, eine der Traditionsadressen der Stadt, wie das am Geschäft angebrachte Wappen des Hoflieferanten beweist. Patisserie, Schokolade, Eis – Jeff Oberweis, der mit seinem Bruder Tom den elterlichen Betrieb in den 80er-Jahren übernahm, ist nie zufrieden und tüftelt seit Jahren an immer besseren Rezepturen. Er gehört zu den wenigen Konditoren, denen es gelingt, auch mit veganen Kreationen zu überzeugen – im Blindtest würde hier niemand vermuten, dass in manchen Törtchen Butter und Sahne auf tierischer Basis fehlen. Und nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Die konventionellen Kreationen sind ebenfalls göttlich, nur samstags gibt es zudem den französischen Süßspeisenklassiker »Saint Honoré«, der verschiedene Teige und Crèmes kombiniert. 

Für einen leichten Lunch kehren wir in die »Brasserie Guillaume« ein, wo exzellentes Seafood und gute Fischgerichte auf der Speisekarte stehen. So gerüstet, geht es am Nachmittag abwärts: Gestern haben wir schon einen Blick auf das dörfliche Viertel Grund geworfen, heute schauen wir es uns genauer an. Mit dem Panoramaaufzug fahren wir gratis zunächst ins grüne Viertel Pfaffenthal hinab, wo die Stadt eigene Gemüsegärten und sogar Weinreben unterhält. Von dort spazieren wir entlang des Flüsschens Alzette durch die hübschen Gassen bis nach Grund. Von der Unterstadt aus hat man einen imposanten Blick auf den Bockfelsen, der als Wiege der Stadt gilt. 

Kurz frisch machen im Hotel, dann steht schon das Highlight des Tages an: Am Abend haben wir im besten Restaurant des Landes – »Ma langue sourit«, dem einzigen Zwei-Sterne-Restaurant Luxemburgs – einen Tisch. Ohne Reservierung kommt man nicht weit, selbst unter der Woche sind die Plätze bisweilen vollständig belegt. Das Restaurant liegt etwa eine Viertelstunde außerhalb der Stadt in einem hübsch modernisierten Haus mit Blick auf einen grünen Garten. Küchenchef Cyril Molard, ein Franzose, verspricht nicht zu viel und zaubert Genießern ein Lächeln ins Gesicht. Seine marktfrische, säurebetonte Küche hinterlässt auch nach acht Gängen keine bleierne Schwere; Highlights wie der Kaisergranat mit gepopptem Sesam und die Tarte Tatin von der Ananas mit Burrataschaum zeugen von Könnerschaft.

Sonntag

Bevor die Abreise naht, fahren wir ins Europa-Viertel, machen einen Rundgang durchs Museum für Moderne Kunst und probieren uns durch ein vegetarisches Sterne-Menü.

Am Abreisetag verlassen wir die Altstadt und fahren mit der Tram vom belebten Ausgangspunkt Hamilius über die Rote Brücke ins Viertel Kirchberg. Bis in die 60er-Jahre waren hier nur Felder, dann entstand ein komplett neuer Stadtteil, der insbesondere für Geschäftsleute relevant ist. Etliche Institutionen der Europäischen Union haben hier ihren Sitz, darunter der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof und der Übersetzungsdienst der EU. Am Wochenende wirkt das Europaviertel wie ausgestorben, weshalb hier manchmal Festivals und Konzerte stattfinden, deren Lautstärke niemanden stört. Wir schlendern vorbei an der sehenswerten Philharmonie zum Großherzoglichen Museum für moderne Kunst, abgekürzt »Mudam«, im Volksmund aber auch »Pei-Musée« genannt. Der Entwurf des Architekten leoh Ming Pei sorgte anfangs für Kontroversen, weil er eines von Luxemburgs Wahrzeichen, das Fort Thüngen, in den Bau einband. Heute gilt die Architektur als gelungen, Kollektionen von Marina Abramovic, Wolfgang Tillmans und Bruce Nauman machen die Anlage zu einem hochkarätigen Ort für Kunstliebhaber

Souvenirs nicht vergessen

Je nach (Zeit-)Budget bleiben nun zwei Optionen: Wer es einrichten kann, sollte ein Mittagessen im sterneprämierten Veggie-Restaurant »La Distillerie« erwägen, das unter dem belgischen Koch René Mathieu mehrfach als bestes Gemüse-Restaurant der Welt ausgezeichnet wurde. Mathieu verzichtet komplett auf tierische Bestandteile und überzeugt mit seinen komplexen Kreationen selbst beinharte Fleischesser. 

Mit dem Auto fährt man etwa 20 Minuten bis zum Hotel »Château de Bourglinster« im gleichnamigen Ort. Falls nicht mehr viel Zeit bleibt, sollte man in Kirchberg bleiben und einen vielseitigen Tapas-Lunch genießen. Das Restaurant »El Barrio« serviert authentische spanische Küche, von »croquetas« gefüllt mit iberischem Pata-Negra-Schinken bis hin zu Tintenfisch mit Knoblauch vom Grill. Upgrades wie ein Tomahawk-Steak vom Wagyu-Rind sind ebenfalls möglich. 

Die Abreise naht, und wer jetzt noch kein Souvenir im Gepäck hat, sollte noch einen Abstecher in die Konditorei »Namur« machen, die sich einen ewigen Wettstreit mit dem »Oberweis« liefert. Kaffee ist ebenfalls ein beliebtes Mitbringsel; die »Golden Bean Company« in der Altstadt bietet eine Vielzahl von Röstmischungen an.  

Tipps & Adressen

Hotels

Hotel Le Place d'Armes
Eines der besten Häuser der Stadt, in dem auch Staatsgäste unterkommen. Zum Hotel gehören verschiedene gute Restaurants. DZ ab ca. 290 Euro
18 Pl. d‘Armes, 1136 Luxemburg
T: +352 27 47 37

Mama Shelter 
Relativ neues, modern eingerichtetes Designhotel im Viertel Kirchberg. DZ ab ca. 149 Euro
2 Rue du Fort Niedergruenewald
1616 Luxemburg
T: +352 20 80 44 00

Hotel Parc Beaux-Arts
Hübsches Boutiquehotel, das unweit des Großherzoglichen Palasts liegt. DZ ab ca. 250 Euro
1 Rue Sigefroi, 2536 Luxemburg
T: +352 26 86 761

Restaurants

Ma langue sourit
Luxemburgs bester Koch ist ein Franzose: Cyril Molard steht für eine produktbetonte Spitzenküche, für die er auch auf luxemburgische Zutaten zurückgreift. Die Käseauswahl ist klein, aber von fantastischer Qualität. Unbedingt reservieren. 
1 Rue de Remich, 5331 Oetrange, Luxemburg
T: +352 26 35 20 31

La Distillerie
Hier steht sterneprämierte pflanzliche Küche auf der Karte, der Belgier René Mathieu hat dafür schon etliche Preise gewonnen. Einziges Restaurant Luxemburgs, das den grünen Nachhaltigkeitsstern trägt. Im Schloss Bourglinster. 
8 Rue du Château, 6162 Junglinster, Luxemburg
T: +352 78 78 78 1

Kaempff-Kohler
Feinkost und Weine, das dazugehörige Bistro bietet französische Brasserieküche und luxemburgische Gerichte an. Probiertipp: Feierstengszalot auf Gromperekichelcher. 
10 Rue du Curé, 1368 Luxemburg
T: +352 474747 2

Ryôdô
Ein hochklassiges japanisches Restaurant, das Zutaten von außerordentlicher Qualität verwendet, darunter Wagyu Beef. In diesem Jahr erstmalig mit einem Stern ausgezeichnet. 
27 Rue Raymond Poincaré, 2342 Luxemburg
T: +352 27 76 92 85

La Villa de Camille et Julien
Das Paar Camille Tardif und Julien Lucas steht hinter diesem neu besternten Restaurant. Beide legen Wert auf naturnahe Küche und Weine. 
5 Rue de Pulvermuhl, 2090 Luxemburg 
T: +352 28 993 993

El Barrio
Ein spanisches Restaurant mit Hang zum Luxus. Im Viertel Kirchberg gibt es nicht nur eine vielseitige Tapas-Auswahl, sondern auch gute Steaks, auf Wunsch mit Blattgold. 
2 Rue Erasme, 1468 Luxemburg
T: +352 26 43 15 03

Genuss / Märkte

Konditorei Oberweis
Eine Patisserie-Institution: Die Brüder Jeff und Tom führen den Familienbetrieb und Hoflieferanten in zweiter Generation. 
16, Grand-Rue, 1660 Luxemburg
T: +352 47 07 03

Chocolate House of Luxembourg
Nathalie Bonn hat sich mit Schokoladen aller Art und mehrstöckigen Torten einen hervorragenden Ruf erworben.  
20, Rue Marché aux Herbes, 1728 Luxemburg
T: +352 26 26 20 06

Markt im Stadtzentrum
Auf dem kleinen Markt bekommt man frische Produkte aus Luxemburg und Frankreich. 
Place Émile Hamilius
2346 Luxemburg

Bars

Octans
Sehr gute Bar, die erstklassige Cocktails anbietet, darunter eine Reihe von Signature Drinks.  
15 Rue du Curé, 1368 Luxemburg
T: +352 26 20 10 33

Bar:Bar
Frisches Obst und Kräuter sind Bestandteile der Drinks, zu essen gibt es kleine Snacks. 
14 Rue de la Boucherie, 1247 Luxemburg

Sehenswert

Palais grand-ducal
Der Palast des Großherzogs Henri befindet sich inmitten der Oberstadt. 
17 Rue du Marché-aux-Herbes, 1728 Luxemburg

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
Das Museum für zeitgenössische Kunst ist schon allein für seine Architektur den Besuch wert.
3 Park Dräi Eechelen, 1499 Luxemburg
T: +352 45 37 85 1


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 08/2022
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