Long Weekend in Oslo

Im Viertel Bjørvika entstehen neue Hochhäuser und das neue Munch-Museum.

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Im Viertel Bjørvika entstehen neue Hochhäuser und das neue Munch-Museum.

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Freitag

Gänge-Marathon im Drei-Sterne-Restaurant, modernes Design und Munch im Wald – bereits der erste Tag ist voller Highlights.

Selbst in der Innenstadt verliert man sie nie aus den Augen: die magischen Fjorde, vorgelagerten Inseln, Berge und tiefen Wälder. Die einzigartige Natur und das friluftsliv, das Leben im Freien, sind für die Norweger Teil ihrer Identität. Und so wurde sogar ihre Osloer Oper einem Gletscher nachempfunden. Das preisgekrönte Gebäude liegt direkt an der Hafenpromenade, die neun Kilometer am Fjordufer entlangführt. Das ehemalige Werft- und Industriegelände war jahrelang gesperrt, mittlerweile haben sich die Osloer aber den Zugang zu ihrem geliebten Meer zurückerobert.

Bevor wir diesen Bau genauer erkunden, spazieren wir aber zunächst im Viertel Bjørvika auf den Barcode zu. Die zwölf modernen Hochhäuser sollen an einen Strichcode erinnern. Wo einst Hafenarbeiter schufteten, tummeln sich nun Banker und Businessleute. Wir spazieren weiter über eine Brücke und erreichen das Restaurant »Maaemo«. Der nordische Name bedeutet »Mutter Erde«, und von ihr schöpft der dänische Starkoch Esben Holmboe Bang seine Zutaten und seine Kreativität.

Seit 2016 trägt das »Maaemo« drei Michelin-Sterne. Das Konzept ist klar: Es gibt nur ein Menü mit 20 raffinierten Gängen aus saisonalen und lokalen Produkten wie frischen Jakobsmuscheln, Austern-Emulsion oder mit Sanddorn-Creme drapierten Macarons, dazu werden harmonisch abgestimmte internationale Weine oder lokale Säfte serviert.

Das kulinarische Abenteuer dauert über fünf Stunden. Wer mittags einen der acht begehrten Tische bucht, kann danach berauscht die Stadt erkunden. Wir fahren mit der Tram wenige Stationen hinauf zum Ekebergparken. Seit 1889 nutzen die Osloer diesen öffentlichen Park zur Erholung. Die Aussicht inspirierte auch Edvard Munch, der hier blutrote Sonnenuntergänge beobachtete und die Hintergrundkulisse für sein Gemälde »Der Schrei« fand. Der Park ist zudem gespickt mit Skulpturen von Salvador Dalí, Pierre-Auguste Renoir und Damien Hirst. Am Abend fahren wir wieder runter in die Stadt und erklimmen das jederzeit zugängliche Dach der Oper – auch von dort aus ist der Sonnenuntergang magisch.

Samstag

Heute erleben wir das norwegische Dolce Vita: Schwimmen im Meer, ein ausgiebiges Frühstück, Kunst am Fjord und spannende Foodtrucks.

Beherzt springen sie am frühen Morgen in den eiskalten Fjord. Einer der beliebtesten Spots an der Hafenpromenade ist das öffentliche Meerbad im Viertel Sørenga – zum sjøbad gehören ein Sprungturm, Holzliegen, Duschen und ein kleiner Sandstrand. Wer mutig ist, kann es den Osloern gleichtun und komplett in das nordische Lebensgefühl eintauchen. Wir schauen lieber nur zu und genießen dann ein ausgiebiges Frühstück im »The Thief«. Das Fünf-Sterne-Hotel befindet sich im Viertel Tjuvholmen, der »Insel der Diebe«. Früher tummelten ­sich an den Docks zwielichtige Gestalten, Schmuggler und Prostituierte. Heute zählt Tjuvholmen zu den schicksten und teuersten Adressen Oslos. In Ufernähe ragen durchdesignte Häuser in die Höhe. Herzstück ist das vom italienischen Starar­chitekten Renzo Piano entworfene Astrup Fearnley Museum, dessen gläsernes Dach an ein Segel erinnert. Da das Hotel eine Kolla­boration mit dem Museum hat, können wir neben Werken von Jeff Koons und Andy Warhol die beliebten Waffeln mit karamellisiertem Braunkäse speisen.

Nach einem Besuch im Museum und in den angrenzenden Galerien spazieren wir weiter entlang der Hafenpromenade und gelangen zur mit Streetart bemalten Markthalle Vippa, in der junge Köche und Immi­granten in ihren Foodtrucks günstige Köstlichkeiten wie Schawarma Aleppo-Style, chinesische Dumplings oder eritreische Pfannkuchen anbieten. Das Projekt Vippa wurde unter anderem von Heidi Bjerkan initiiert. Die Norwegerin kochte jahrelang für die Königsfamilie, und ihr Trondheimer Restaurant »Credo« hat einen Michelin-Stern.

Danach spazieren wir weiter zu Salt: Vis-à-vis der Oper steht ein riesiges Stockfischgestell, das die nordnorwegische Fischertradition symbolisieren soll. Auf 5000 Quadratmetern finden sich hier mehrere Saunen und das gemütliche »Café Naustet«, wo wir einen Kaffee trinken und eine nahegelegene Floßsauna auf dem Fjord bestaunen, bevor wir uns in das Nachtleben stürzen. Ein Highlight ist der Aquavit in der Bar »Himkok«.

Sonntag

Der letzte Tag bringt uns hinaus in die Wälder rund um den Holmenkollen und an einen Fluss, außerdem geht die kulinarische Entdeckungsreise weiter.

Nach so viel Trubel in der Stadt fahren wird am nächsten Morgen mit der T-bane, der Osloer U-Bahn, in 20 Minuten hinauf zum Holmenkollen. Hundert Jahre zuvor durchstreiften schon Roald Amundsen und Fridtjof Nansen diese Wälder rund um den Berg. Fast so ausdauernd wie die legendären Polarhelden sind auch ihre Landsleute, die stets eine stundenlange søndagstur unternehmen – sei es zu Fuß oder auf Skiern. 1952 fanden am Holmenkollen die Olympischen Winterspiele statt, heute erkunden wir rund um die neu gebaute Skischanze, die über der Stadt thront, das Skimuseum mit Exponaten von Amundsens Südpolexpedition wie seine Wollunterhose und Nansens mit Elchhaut überzogene Skier.

Im populären Restaurant »Frognerseteren«, der Frogner-Alm, kehren wir ein und essen ein deftiges Elchragout mit fantastischem Blick über die Stadt und die Natur. Danach geht es zurück ins Zentrum und entlang des Flusses Akerselva, der sich acht Kilometer lang durch die Stadt schlängelt – mit 149 Metern Höhenunterschied und 23 Wasserfällen. Früher war der Fluss Handelsroute und Energielieferant. Die ehemaligen Indus­triegebäude beherbergen inzwischen Kunsthochschulen, Clubs und Apartments.

In einer Seitenstraße machen wir eine Pause und stärken uns bei Tim Wendelboe, dem mehrfachen Barista-Weltmeister, mit einem frisch gebrühten Kaffee. Am frühen Nachmittag erkunden wir dann die nur wenige Minuten entfernte Mathallen. In der früheren Brückenwerkstatt versammeln sich neben feinen Restaurants und Cafés, die Transportpaletten und Felle als Sitzgelegenheit nutzen, auch rund 30 Feinkostläden. Darunter »Ost & Sånt«, wo unter anderem ein in Herzform eingeschweißter Edamer der Marke Den blinde ku angeboten wird. Sie heißt so, weil ihre erste Kuh auf einem Auge blind war. Der eingeschweißte Käse ist das ideale Mitbringsel von einem kulinarischen Wochenende in der Fjordmetropole.


»I did it Norway«

Foto beigestellt

Autorin Alva Gehrmann ist ausgewiesene Expertin für Norwegen. Im Mai erscheint ihr Buch »I did it Norway.«


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 03/2019
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