Long Weekend in München

München

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Viele Wege führen in die bayrische Landeshauptstadt, jedoch sollte man sich bewusst sein, dass die Anreise per Flieger eine rund 45-minütige Fahrt mit der wenig attraktiven Schnellbahn nach sich zieht, bevor man das eigentliche Stadtzentrum erreicht. Schneller geht es oft mit dem Zug, der einen gleich in den Kern der blau-weißen Metropole chauffiert. Von hier aus ist es ein schöner Spaziergang, vorbei am berühmten Karlsplatz, der in München nur »Stachus« heißt, bis zu unserem Wochenendrefugium namens »Love Lace«. Das Besondere an dem Hotel: Es existiert insgesamt für nur rund zwei Jahre (noch bis Ende 2019) und nennt sich daher Pop-up-Hotel.

Residiert wird in einem ehemaligen Bankgebäude, das sich heute weniger als ausschließliche Herberge denn als »Hotel Happening« versteht. Soll heißen: Neben individuell gestalteten Zimmern bietet das Hotel eine Bühne für Nachwuchskünstler, mehrere kleine Läden mit neuen Labels und sogar einen Barbershop. Wer es klassischer und vor allem überaus luxuriös mag, dem sei das »Mandarin Oriental« empfohlen, ein Nobelhotel der Fünf-Sterne-Kategorie direkt an der Maximiliansstraße, Münchens exquisitester Shoppingmeile, gelegen.

»Broeding«-Küchenchef Manuel Reheis und Gründer Gottfried Wallisch.
»Broeding«-Küchenchef Manuel Reheis und Gründer Gottfried Wallisch.

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Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns auf, das Stadtzentrum zu erkunden. Der Marienplatz mit seinem berühmten Rathaus inklusive des noch berühmteren Glockenspiels liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Wichtig: Seien Sie um kurz vor 17 Uhr da (von März bis Oktober, stets um 11 und 12 Uhr), um das Spiel der 43 Glocken pünktlich mitzubekommen. Für den anschließenden Vorabendsnack sind es nur wenige Meter bis zum »Café Glockenspiel«. Hier kann man bei hervorragenden Torten aus der hauseigenen Konditorei den Ausblick über die Stadt und den Marienplatz genießen, während in München langsam die »blaue Stunde« anbricht.

Nach einem kleinen Stadtbummel und einem etwaigen Besuch des legendären Viktualienmarktes oder des »Dallmayr Delikatessenhauses« setzen wir uns in die Straßenbahn, in München Tram genannt, und machen uns auf in den Stadtteil Neuhausen. Hier befindet sich in der Schulstraße das »Broeding«, ein Geheimtipp in Münchner Feinschmeckerkreisen, das ausschließlich österreichische Weine in seinen Kellern lagert. Von dem täglich wechselnden Sechs-Gang-Menü – es gibt ausschließlich eines –  war sogar schon die »New York Times« begeistert, eine Reservierung empfiehlt sich daher insbesondere am Wochenende.

Das Schloss Nymphenburg übertrifft mit seiner Spannweite sogar das Schloss Versailles.
Das Schloss Nymphenburg übertrifft mit seiner Spannweite sogar das Schloss Versailles.

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Den Samstag beginnen wir mit einem Frühstück mit Blick auf einen der schönsten Plätze der Stadt: Im »Cotidiano« am Gärtnerplatz, von wo man seit Kurzem das aufwendig renovierte Staatstheater bestaunen kann. Anschließend bummeln wir ein wenig durch das hippe Glockenbachviertel, das sich rund um den Gärtnerplatz erstreckt und Cafés, Boutiquen und Einrichtungsläden beherbergt. Anschließend geht es weiter in das Museumsviertel in der Maxvorstadt. Die Pinakothek der Moderne ist dabei ein besonders lohnender Ausflug: Neben einer beeindruckenden Architektur glänzt der Bau in Sichtbeton mit einer umfassenden Sammlung an moderner Kunst und wechselnden Themenausstellungen.

Unseren Mittagssnack nehmen wir auf der sonnigen Terrasse des Restaurants »Ella« ein, das einem nicht minder sehenswerten Museum, dem Lenbachhaus, angeschlossen ist und einen tollen Blick auf den Königsplatz mit seiner prunkvollen Architektur freigibt. Nach unserer Stärkung geht es weiter Richtung Einkaufsmeile Nummer eins, der Kaufingerstraße. Im Nobelkaufhaus »Oberpollinger« präsentieren sich neben bekannten Luxuslabels auch edle Schreibwaren, Designobjekte und schickes Reisegepäck.

Bayrische Folklore und deftige Wirtshauskost im »Schneider Bräuhaus«.
Bayrische Folklore und deftige Wirtshauskost im »Schneider Bräuhaus«.

© Dominik Zimmermann

Nach einer kurzen Erholungspause geht es weiter in den Tempel der Münchner Kulinarik: Das »Tantris« im Stadtteil Schwabing zählt zu den besten Restaurants der Republik und hat in seiner mehr als 45-jährigen Geschichte stets mindestens zwei Sterne besessen. In den Gründungsjahren regierte in der Küche der »Koch des Jahrhunderts« (Gault Millau) Eckart Witzigmann, seit 25 Jahren herrscht Hans Haas über das legendäre Restaurant. Der Weinkeller mit rund 35.000 Flaschen sucht seinesgleichen. Kulinarische Nummer eins in München ist heute aber das »Atelier« von Jan Hartwig im Hotel »Bayrischer Hof«, das erstmals seit Witzigmanns Wirken wieder drei Michelin-Sterne in die Isar-Metropole holen konnte.

Für den Ausklang geht es in die im Herzen Schwabings gelegene »Distillers Bar«, wo die ausgefallenen Cocktails mit Spirituosen aus der angeschlossenen Brennerei kreiert werden. Besonders zu empfehlen: der »Monaco Mule«. Die Münchner Gastro-Szene trifft man zu späterer Stunde in der »Grapes Weinbar« im Zentrum.

Im »Bratwurst Glöckl« werden die Rostbratwürstl über Buchenholz gegrillt.
Im »Bratwurst Glöckl« werden die Rostbratwürstl über Buchenholz gegrillt.

© Stefan Randlkofer

Am letzten Tag wird es dann doch noch typisch bayrisch: Beim traditionellen Weißwurstfrühstück im »Schneider Bräuhaus« im Tal kommt ein Hauch von Oktoberfeststimmung auf, was auch an der Blaskapelle in Tracht liegen könnte (nur Sonntagvormittags). Jedoch ist solch ein fleischiges Frühstück nichts für Langschläfer: Die Würste werden nur bis zwölf Uhr serviert. Typisch bayrisch ist auch das »Bratwurst-Glöckl« am Dom, das dieses Jahr seinen 125. Geburtstag feiert. Das deftige Frühstück verlangt nach ein wenig Bewegung, die wir nach einer kurzen Tramfahrt im riesigen Park des Schlosses Nymphenburg finden. Hier war einst der Rückzugsort der Wittelsbacher im Sommer, noch heute bewohnen Abkömmlinge des adligen Geschlechts Teile des riesigen Schlossrondells.

Auf dem Rückweg legen wir einen kurzen Stopp am »Café Schreibwaren am Schloss« ein, wo hervorragende Kuchen und eine lohnenswerte heiße Schokolade serviert werden. Unsere verbleibenden Stunden in der bayrischen Landeshauptstadt verbringen wir mit Schlendern durch das sogenannte Hackenviertel rund um die Sendlinger Straße. Hier bekommt man in der Damenstiftstraße oder der Hackenstraße einen Eindruck davon, wie es in München zu mittelalterlichen Zeiten ausgesehen haben muss. Nicht unerwähnt darf der Englische Garten bleiben, mit seinen authentischen Biergärten und nach Frischluft hungrigen Münchnern. Im alten botanischen Garten im Herzen der Stadt verbringen wir unter schattigen Kastanienbäumen die letzten Momente, bevor wir nach wenigen Schritten am Hauptbahnhof in den Zug steigen.

Die besten Adressen im Überblick