Long Weekend in Istanbul

Die Süleymaniye Moschee wurde im Auftrag von Suleyman dem Prächtigen erbaut und ist eines der stolzesten Bauwerke Istanbuls.

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Die Süleymaniye Moschee wurde im Auftrag von Suleyman dem Prächtigen erbaut und ist eines der stolzesten Bauwerke Istanbuls.

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In der modernen, immer noch liberalen Metropole drängen sich Menschen und Küchen aus dem ganzen Land. Von den Küsten des Mittel- und des Schwarzen Meeres bis in die kaukasischen Berge.

Freitag

Das Fressen kommt zwar vor der Moral, aber nach dem Sightseeing. Istanbul hat einige fantastische Bauwerke zu bieten. Weil das leider auch andere Menschen wissen, wird es bei den Hauptattraktionen am Wochenende sehr schnell sehr voll – reisen Sie daher am besten am Donnerstagabend an und erledigen die wichtigsten Besichtigungen schon am Freitagvormittag: etwa die Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Wer schnell ist, kann nachher noch einen Blick in das beeindruckend Teppichmuseum werfen.

Rund um berühmte Sehenswürdigkeiten isst man selten gut – spazieren Sie zum Lunch daher am besten den Hügel von der Hagia Sophia hinunter und über die Brücke nach Karaköy. Auf der anderen Seite des Goldenen Horns werden Sie mit osmanischer Grillkunst belohnt: richtig gute Spieße in der »Karaköy Lokantası«, einem legendären, alteingesessenen Grillrestaurant. Wer nicht ganz so weit gehen mag: Im Ägyptischen Basar bieten einige Händler sehr schmackhafte, über Kohlen gegrillte Hühnerflügel an. Wenn Sie dort sind: nicht die unscheinbare Rüstem-Pascha-Moschee verpassen. Sie ist mit einigen der schönsten Fliesen der osmanischen Welt dekoriert.

Holen Sie sich wieder Hunger im Großen Basar. Sobald Sie genug von dem hektischen Treiben haben, steigen Sie auf eine Fähre nach Kadıköy, dem hippen Bezirk auf der asiatischen Seite der Stadt. Bei einem Chai, einem türkischen Tee, können sie vom Deck den Blick auf all die Prachtbauten entlang des Bosporus genießen.

Wenige Schritte vom Hafen entfernt, wartet eines von Istanbuls legendärsten Restaurants auf Sie: Im »Çiya Sofrası« werden saisonale Speisen aus allen türkischen Provinzen serviert, und die Kebaps zählen zu den allerbesten der Stadt. Der Besitzer des Lokals ist so essensvernarrt, dass er ein eigenes kulinarisches Magazin herausgibt. Freitagnacht ist übrigens eine wunderbare Zeit, um in Karaköy am Bosporus-Ufer spazieren zu gehen oder in der Kadife-Straße, der »Barstraße« Kadıköys, noch einen (oder viele) Drinks zu nehmen.

Samstag

Nach der Pflicht folgt heute die Kür – der Tag ist ganz dem Genuss gewidmet. Halten Sie sich beim Frühstück zurück und fahren Sie dann in den Stadtteil Bes¸iktas¸ – am besten mit dem Boot, dann können Sie beim Landen vom Wasser aus in aller Ruhe den pompösen Nationalpalast, den Sitz des Sultans im 19. Jahrhundert, bewundern. Gehen Sie an Land und kosten Sie sich durch das Angebot von »7–8 Hasan­pas¸a Fırını«, einer der besten Bäckereien der Stadt. Vor allem die Tahinli Çörek, eine Art Briocheschnecke mit süßer Sesampaste, ist umwerfend gut. Während Sie sie verschlingen, können Sie gleich um die Ecke den kleinen Bes¸iktas¸-Fischmarkt und seine moderne Architektur erkunden. Jetzt ist Shopping angesagt: Zu Fuß geht es in wenigen Minuten hinauf in den Bezirk Nis¸antas¸ı, einen von Istanbuls schicksten Shopping-Bezirken. In den Boutiquen hier gibt es alles, von Vintage-Ray-Ban-Sonnenbrillen bis hin zu Kleidern junger türkischer Designer. Dazwischen drängen sich Galerien und Cafés. Wen der Hunger plagt: Nur wenige Minuten vom Shopping District entfernt liegt die alte armenisch-griechische Nachbarschaft.

Im kleinen Familienrestaurant »Ben u Sen« kocht die Mama höchstpersönlich armenische Hausmannskost, die man sich in der offenen Küche direkt aus den Töpfen aussuchen kann. Wem das zu rustikal ist: Bei »Tadal Meze Evi«, einem der bekanntesten Mezze-Shops der Stadt, gibt es himmlische Snacks, etwa die legendären gefüllten Weinblätter. Überessen Sie sich aber ja nicht! Um die Ecke wartet nämlich »Göreme Muhallebicisi«, einer der berühmtesten Milchreis-Shops der Stadt.

Jetzt haben Sie sich eine Pause verdient – glücklicherweise ist die türkische Badekultur genauso berühmt wie das Essen. Im Kılıç Ali Pas¸a Hamamı entspannen Sie am Nachmittag wie einst der Sultan. Abends steht dann kulinarische Hochkultur auf dem Programm: Im »Mikla«, Istanbuls einzigem Restaurant auf der »World’s 50«-Bestenliste, serviert der Chefkoch minimalistische, anatolisch inspirierte Küche mit atemberaubendem Blick über die Stadt.

Sonntag

Jeden Sonntagmorgen findet der Tarihi Inebolu Köy Pazarı statt, ein Markt, auf dem Bauern aus der Schwarzmeer-Region ihre Produkte verkaufen. Die Stände gehen über mit frischen Kräutern, wilden Pilzen, ganzen Hühnern und dottergelben Butterbergen. Falls Sie erst abends oder sogar erst am Montag nach Hause fliegen, ist ein Besuch hier eine wunderbare Gelegenheit, türkische Produkte kennenzulernen.

Sonst fahren sie gleich nach dem Frühstück nach Balat, einem der pittoreskesten Bezirke Istanbuls. Steigen Sie wieder mal ins Boot oder in den Bus, fahren Sie eine halbe Stunde das Goldene Horn entlang und schlendern Sie durch die Gassen mit den historischen bunten Häusern und den vielen kleine Geschäften und Kaffees. Etwas oberhalb des Zentrums, auf einem Hügel, können Sie die Chora-Kirche besichtigen, eine orthodoxe Kirche, die mit einigen der schönsten und ältesten byzantinischen Fresken geschmückt ist.

Direkt neben der Kirche wartet dann das »Asitane«, ein berühmtes Restaurant mit hübschem Garten, das sich auf altosmanische Gerichte spezialisiert hat, die am Hof des Sultans serviert wurden. Bei manchen Speisen wird auf der Karte sogar angegeben, aus welchem Jahr das Rezept stammt. Wer es einfacher und schneller möchte, kann unten, nahe dem Wasser, bei »Köfteci Arnavut« essen, einer der besten Adressen der Stadt für herzhafte Köfte und Linsensuppe.

Wer noch eine Nacht bleibt, kann den Trip im »Kız Kulesi« ausklingen lassen. Die Lage des gehobenen Restaurants auf einer winzigen Insel mitten im Bosporus, unweit der Mündung des Goldenen Horns, ist einzigartig.

Die besten Adressen im Überblick