Long Weekend Belgrad: Königin der zwei Flüsse

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Freitag

Fisch-Essen an der Donau – der perfekte Einstieg in die »weiße Stadt« erfolgt natürlich am Fluss. Zemun und seine Promenade liefern das »Lungomare«-Flair und entschleunigen.

»Hätte ich nur eine halbe Stunde, um einem Fremden die Stadt zu zeigen, würde ich ihn in die Kralja Petra führen«, schrieb Momo Kapor. Wie ein »Sattel am Rücken der Stadt« verbinde die mondäne Straße zwei Welten, so der Belgrader Autor des Touristen-Bestsellers »Ein Führer zur serbischen Mentalität« (neun Auflagen). Hier findet sich nicht nur das älteste Lokal mit dem simplen Namen »?«. Im Stadtteil Dorćol, wo die Straße dann Dubrovačka heißt, erinnert die Architektur an Belgrads kurze »Belle Époque« unter König Petar: Das »Haus mit den grünen Fliesen« oder das Wohnhaus der Familie Levi im serbischen Jugendstil erzählen wie das jüdische Museum vom kosmopolitischen Leben der Residenzstadt vor den Weltkriegen. Geschichte ist in Belgrad stets präsent; der Weg zur Donau hinunter führt etwa auch an der Bajrakli-Moschee vorbei, dem letzten von einst 80 muslimischen Gebetshäusern.

Keine Viertelstunde dauert es von hier mit dem Boot zu der »Großen Kriegsinsel« – trotz des martialischen Namens einer der ruhigsten Plätze der Stadt. Nur der Lido als Badestrand für Tagesausflügler stört die Idylle der unter Naturschutz stehenden Donauinsel. Wer Zeit hat, sollte sie mit dem Kajak erkunden, so wird klar, warum das 158 Hektar große Eiland auch als »Belgrads Amazonas« gilt. Es ist ein guter Einstieg in den »Flow« von Belgrad, den man am besten als »mediterran, nur am Fluss« beschreibt. Wobei es genau genommen ja zwei Flüsse sind, die Save und die Donau, die sich im Stadtgebiet spektakulär vereinen.

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Es war diese strategische Lage, die für die lange Geschichte von Eroberungen sorgte. Und für eine Aufteilung in ethnische Wohngebiete – an der Save die Serben, an der Donau die Österreicher. Und so sieht man sich in Zemun, dem ehemals eigenständigen Fischerort auch heute – seit Jahrzehnten eingemeindet – nicht so richtig als Belgrader. Das kulinarische Herz dieses idyllischen, ein wenig aus der Zeit gefallenen Stadtteils schlägt seit 1896. Damals noch als »Goldener Karpfen« (Zlatni Šaran) eröffnet, hält man heute als »Šaran« die Fahne der serbischen Fischküche hoch. Volksmusik gehört fast jeden Abend dazu, immerhin ist die jährliche Suche nach der »Goldenen Trompete« in Guča eines der berühmtesten Ethnofestivals Europas. Und die treibenden Klänge der Hausband, zu denen der pikante Zander serviert wurde, klingen noch beim Einschlafen nach.

Samstag

Zwischen historischer Festung und wachsenden Neubauten: Belgrads zwei Gesichter zeigen sich entlang des Wegs vom Kalemegdan-Park zur hippen „Waterfront“ entlang der Save.

»Vom Wasser aus gesehen, durchschneidet die Festung Kalemegdan wie ein riesiger steinerner Schiffsbug die beiden Flüsse«, hat es unser Guide in der Jackentasche, Autor Momo Kapor, einmal formuliert. Der Kalkstein des Hügels gab nicht nur der Stadt (»beli grad« = weiße Stadt) den Namen, die auf einer römischen, später byzantinischen Siedlung aufbaute. Der gewaltige Park rund um die Festung erzählt auch die Geschichte der Stadt mit allen ihren Narben: Das Grab des türkischen Paschas Damad Ali, das Triumphtor von Habsburger-Kaiser Karl VI, das gerade renoviert wird, aber auch der berühmte achteckige Nebojša-Turm, der von den Magyaren errichtet wurde. Das gesamte Gelände, nicht nur die revitalisierte Flusspromenade, lädt zu Spaziergängen zwischen Museen, Freiluft-Skulpturen und Spielplätzen (bei Kindern ist vor allem der Saurier ein Star!) ein. Und es hat schon einen Grund, dass man erzählt, jeder zweite Belgrader hätte am Kalemegdan seinen ersten Kuss erlebt…

Festung Kalemegdan.

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Je nach Ausdauer lässt sich der Weg auf den Kopfsteinpflaster-Straßen des Stadtviertels Kosančićev venac fortsetzen. Am Weg zur Save wartet nicht nur der Sitz des serbisch-orthodoxen Patriarchen und die österreichische Botschaft, sondern auch das »Schwarze Schaf«. Die Eisdiele mit dem witzigen Namen serviert ganzjährig mit Sorten wie Lavendel-Brombeere oder legendär gutem Haselnuss-Eis. Neben dem poppigen Auftritt steht auch das »Makadam« in Kontrast zu den Altstadt-Häusern - Milena Radenkovic hat den Spezialladen für serbisches Design gegründet. Elegant ist auch das angeschlossene Bistro.

Gänzlich modern wird es dann an der »Waterfront«, dem Hoffnungsgebiet der Stadtplaner, das vor allem mit der »Beton-Halle« einen echten Gastro-Hotspot geschaffen hat. Die Restaurants hier sind die Anlaufstelle für alle, die sich vor den Partynächten in der legendär exzessiven Clubszene Belgrads stärken wollen. Für internationales Flair ist gesorgt, die Ausstattung des Latino-Lokals »Cantina de Frida« besorgte etwa der Holländer Ronald van Bersselaar, der auch Jamie Olivers erste Wahl für Restaurantdesign war.

Serbische Gastfreundschaft ist ohne šljivovica nicht denkbar – wenn es keinen Selbstgebrannten »von der Familie« gibt, steht gerne die Flasche mit der Wespe (Žuta osa) am Tisch. Der drei Jahre im Fass gereifte Brand passt hervorragend zu Kaffee. Auch wenn er heute den Schlummertrunk geben muss.

Sonntag

Der abschließende Spaziergang durch den entspannten Stadtteil Vračar führt – neben guter Patisserie – zu zwei serbischen National-Heiligtümern: Kaffee und Nikola Tesla.

Auch abseits der insgesamt 200 Kilometer langen Flussufer warten die Parks der serbischen Hauptstadt mit viel Grün auf. Der Karađorđeva-Park etwa ist ideal für einen Sonntagsspaziergang, bei dem man im neu renovierten »Nebojša« einkehren kann. Hier wird die traditionelle Landesküche modern serviert – weniger fett und mit ansprechender Optik. So kommt etwa das Lamm vom Pešter Plateau wunderbar zart in Milch und der »Nationalsauce« Kajmak geschmort auf den Tisch, selbst die gute, alte Pljeskavica bekommt hier eine Gourmetbehandlung verpasst.

Davor bleibt noch Gelegenheit, das Tesla-Museum zu besuchen. Vor 70 Jahren wurde dem enigmatischen Elektrozauberer Nikola Tesla, heute längst eine pop-kulturelle Figur, diese Ausstellung gewidmet. Basierend auf seinem Nachlass, wirkt selbst die runde Metallurne des Erfinders wie ein Teil einer Versuchsanordnung.

Guten Kaffee und grandiose Mehlspeisen dazu bietet ein paar Schritte weiter im Wohnviertel Vračar das »Voulez Vous«. Patisserie Sébastien Eckler sorgt für einen französischen Esprit, der dem offenen Lokal bestens steht. Er rät zum apfel-frischen »Pom Pom«, seiner neuen Kreation, doch auch »Bel Ami« mit Pistazien-Ganache und Kirsche ist erstklassig. Überhaupt pflegt Belgrad die Kaffeezubereitung – in Serbien seit jeher wichtig! – längst nicht mehr nur in der traditionellen Kupferkanne. Spezialkaffees und Latte Art finden sich etwa bei der »Baristocratia«, in der lokalen Filiale der nationalen Kette »Kafeterija« oder im Garten der »Thinkers Coffee Bar«.

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Wer den Energieschub mit Vinyl-Einkäufen verbinden will, findet bei »Leila Records« beides. Wir haben Glück: Am Wochenende legt ein DJ zum Espresso Platten frei nach dem Hausmotto auf: »Wir sagen nicht, was Sie trinken sollen. Also sagen Sie uns nicht, was wir spielen sollen«! Eine Kombination, die im Hipster-Viertel Dorćol öfter vorkommt, auch Andrija Erić von der Mikrorösterei »Pržionica« lädt sonntags zur Vinyl-Party, bei der die Hipster nach dem Besuch der Vintage-Flohmärkte »chillen« können.

Uns bleibt noch Zeit für eine Shopping-Runde im »Supermarket«, ebenfalls in Dorćol, ehe es zum Flughafen geht. Zumindest zur Fülle des Angebots passt der Name des riesigen Concept Stores unweit des Belgrader Palatschinken-Heiligtums »Glumac«. Und mit dem neuen Hut lässt sich auch den Daheimgebliebenen zeigen, wie hip Serbiens Hauptstadt wieder ist!


Tipps & Adressen

 

HOTELS

Falkensteiner Belgrade

Von Boris Podrecca gestaltetes 170 Zimmer-Hotel mit ausgiebigem Frühstück und Terrasse mit Bar-Betrieb (April-Oktober) – ab 123 Euro/Nacht.

Bulevar Mihaila Pupina 10K, 11000 Beograd

T: +381 11225 0000, https://falkensteiner.com/en/hotel-belgrade

 

Mama Belgrad

Das quirlige »Mama Shelter«-Outlet (ab 139 Euro/Nacht) hat sich nah an der Festung Kalemegdan platziert. Entsprechend gute Aussicht von der Dach-Bar!

Kneza Mihaila 54A, 11000 Beograd

T: +381 11 3333 000, https://mamashelter.com/belgrade

 

Saint Ten

Im Wohnbezirk Vračar gelegenes neues Boutique-Hotel (55 Zimmer; ab 200 Euro/DZ) mit guter (Steak)Küche im hauseigenen Restaurant »L’Adresse«.

Svetog Save 10, 11000 Beograd

T: +381 11 4116633, https://saintten.com

 

Square Nine

Siebenstöckiges, modernes Stadthotel (Top: der Rooftop-Japaner »Ebisu«) in zentraler Lage, unweit der Kalemegdan-Festung. Nächtigung ab 299 Euro/DZ.

Studentski Trg 9, 11000 Beograd

T: +381 11 3333500, https://squarenine.rs

 

RESTAURANTS

Iva New Balkan Cuisine

Šopska Salat auf chic – kleine Produzenten und zeitgemäße Optik stehen hinter dem Erfolg von Vanja Puskars Küche. Herrlicher Ochsenschlepp!

Kneginje Ljubice 11, 11000 Beograd

T: +381 11 3285007, https://newbalkancuisine.com/en/iva/

 

Restoran Nebojša

Traditionelle Küche, modern gedacht und inszeniert: Man startet mit Njegoš-Schinken und hausgemachtem Ajvar, »Signature Dish« ist das Lamm.

Nebojšina 6, 11000 Beograd

T: https://nebojsarestoran.rs

 

Salon 5

Apéro in Wohnzimmer-Atmosphäre, ehe es an Rinderfilet und hausgemachte Pasta geht. Top-Produkte werden, französisch inspiriert, verarbeitet.

Avijatičarski trg 5 (1. Stock), 11000 Beograd

T: +381 11 261 48 93, www.salon5.rs

 

Salon 1905

Serbiens erstes Mitglied der »Jeunes Restaurateurs« ist kulinarisches Aushängeschild an der Save. Tipp: Tasting-Menu mit serbischer Weinbegleitung.

Karađorđeva 48, 11000 Beograd

T: +381 11 7888 900, https://salon1905.rs

 

Šaran

Der Name (»Karpfen«) ist hier Programm – ultrafrische Fische und Meeresfrüchte. Dazu ein relaxtes Ambiente, im Idealfall mit Fluss-Blick.

Kej Oslobođenja 53, 11000 Beograd

T: +381 11 2618 235, https://saran.co.rs/en

 

Voulez-Vous

Die Veranda und eine riesige Speisekarte sind die Assets des Neighbourhood-Lokals beim Neimar-Park, nicht weit vom Tesla-Museum.

Đorđa Vajferta 52, Beograd

T: +381 11 244 0 777, https://voulez-vous.rs/en

 

BARS

Café Comunale

Empfehlenswerte Ganztagesgastro (Steaks!), die in ihrer Gin-Bar auch serbische Optionen – z. B. »DeGorsi« mit Pomelo – führt.

Karađorđeva 2-4, 11000 Beograd

T: +381 11 3037337, https://comunale.rs/

 

Cantina De Frida

Latino-Feeling in einer der beliebtesten Bars in der „Beton-Halle“ am Wasser: Gute Tacos, tropische Drinks wie die »Chili Margarita«.

Karađorđeva 2-4, 11000 Beograd

T: +381 11 2181107, http://cantinadefrida.com/en

 

Josephine Bar & Restaurant

Tropischer Garten und traumhafte Drinks (»Levante Martini«), bei denen New Yorks Bar-Star Dushan Zaric die Hand im Spiel hatte. Gute Küche!

Kralja Milutina 33, 11000 Beograd

T: +381 62 700 800, https://josephinebelgrade.com

 

Riddle

Die beste American Bar der Stadt befindet sich im Ausgehviertel Skadarlija. Keine Cocktailkarte, dafür viel Liebe zum Detail wie z. B. perfektes Eis.

Skadarska 9, 11000 Beograd

T: +381 63 7860103, http://riddle.bar

 

GENUSS

Belgrade Urban Distillery

Junges Konzept im Dorćol-Viertel, das Fruchtbrände wie auch Honigliköre zum Verkosten und Mitnehmen bietet. Plus: Restaurant und Cocktail-Bar.

Žorža Klemansoa 19, 11000 Beograd

T: +381 60 3286119, https://belgrade-distillery.com

 

Café Moskva

Doboš-Torte, Esterházy-Schnitte oder die »Moskva-Schnitte« – im Jugendstil-Ambiente des 1908 eröffneten Hotels pflegt man die Patisserie.

Balkanska 1, 11000 Beograd

T: +381698420412, https://hotelmoskva.rs/en/pastry-moskva

 

Pekara Trpkovic

Legendär für das »Burek«, stellt die altmodische Bäckerei ein Stück altes Belgrad mit insgesamt drei Filialen dar.

Dimitrija Tucovića 60, 11000 Beograd

T: +381 11 2415-222, https://pekaratrpkovic.rs

 

SEHENSWERT

Nikola Tesla Museum

Die Führung sollte man buchen, um in die Welt des genialen Kopfs einzutauchen: Für Spezialisten: das Tesla-Archiv im 1. Stock.

Krunska 51, 11000 Beograd

T: +381 11 24 33 886, www.tesla-museum.org

 

Supermarket

Der Concept Store wuchs seit seiner Gründung 2008 kontinuierlich - von lokalen Modelabels bis zu Audio-Gadgets und Lebensmitteln.

Uzun Mirkova 8, 11000 Beograd

T: +381 11 4081368, https://supermarket.rs