Junges Weinviertel

Typische Kellergasse im Weinviertel: Weinbau hat hier eine lange Tradition.

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Typische Kellergasse im Weinviertel: Weinbau hat hier eine lange Tradition. / © APA Picturedesk, beigestellt

Typische Kellergasse im Weinviertel: Weinbau hat hier eine lange Tradition.

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Sie sind typisch für eine österreichische Weinregion, die sich gerade neu positioniert. Ewald, Maria und Christian Gruber, drei von sechs Geschwistern, haben 2012 den Hof ihrer Eltern übernommen. In kürzester Zeit haben sie das Weinviertler Weingut Gruber-Röschitz auch international bekannt gemacht. Das Trio kann sich inzwischen über unzählige Auszeichnungen freuen, der Kundenstock reicht bis in die USA.

Ähnlich verhält es sich mit dem Weingut Ebner-Ebenauer in Poysdorf. Marion und Manfred Ebner-Ebenauer repräsentieren einen Weinmachertypus neuen Stils. Das ­junge Paar erzeugt Weine, die zu den besten zählen, die das Weinviertel zu bieten hat. Eigenheiten, Kanten und Ecken dürfen sein; was hingegen nicht sein darf, sind angepasste Weine. Das Herzstück des Sortiments bilden ausschließlich Einzellagenweine, die von ­mindestens 30-jährigen Rebstöcken gekeltert werden. Im Keller wird auf große Technik verzichtet, der Wein bekommt die Zeit im Fass, die er benötigt. Geerntet wird ausschließlich händisch, selektioniert wird direkt im Weingarten. Sie erzeugen Weine ganz anders, als das früher der Fall war. Und sie vermarkten ihre Produkte hochprofessionell. So wie etwa Else Zuschmann und Peter Schöfmann in Martinsdorf. 2010 hat das Paar eine schicke und moderne Weinlodge errichten ­lassen – mit natürlichen Materialien und in aufregendem Design. Die Reben ihrer Weine wachsen auf Löss-Lehmböden, ihre Art Wein zu machen unterscheidet sie deutlich von vielen anderen in der Region.

Christian, Maria und Ewald Gruber: Was sie hier in Händen halten, sind Mikro­organismen aus Pappe. Es sind die Maskottchen der Grubers. / © APA Picturedesk, beigestellt
Christian, Maria und Ewald Gruber (Weingut Gruber Röschitz): Was sie hier in Händen halten, sind Mikro­organismen aus Pappe. Es sind die Maskottchen der Grubers – zur Schädlingsbekämpfung.

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Das Weinviertel ist mit etwas mehr als 13.300 Hektar Rebfläche Österreichs mit Abstand größtes Weinbaugebiet. Weinmachen hat dort eine lange Tradition. Das Anbaugebiet erstreckt sich vom Donaustrom im Süden bis zur Grenze zu Tschechien im Norden, im Osten reicht es bis zur slowakischen Grenze und im Westen bis zum Manhartsberg.

Im westlichen Weinviertel sollte jeder Weinreisende zwei Inseln ansteuern, beginnend im Land um Retz mit seinen monumentalen Kelleranlagen unter der Altstadt, die an die historische Bedeutung des dortigen Weinhandels erinnern. Das trockene Kleinklima hat hier von jeher auch die Rotweinerzeugung begünstigt. Im Pulkautal rund um die Orte Jetzelsdorf und Haugsdorf und in der ausgedehnten Kessellage von Mailberg ge­­deihen fruchtbetonte Zweigelt und Blaue Portugieser. Ein Ankerpunkt für Weißweinliebhaber ist Röschitz, wo Grüne Veltliner und Rieslinge eine besondere Finesse entwickeln. Die Winzer im nordöstlichen Teil des Weinviertels um Poysdorf keltern vor allem würzige Grüne Veltliner, frische Welschrieslinge und gehaltvolle Burgunder. Die Nordgrenze des Weinviertels zu Mähren markieren die Kalkklippen von Staatz und Falkenstein, die hervorragende Voraussetzungen für frucht­betonte, mineralische Weine schaffen.

Marion und Manfred Ebner-Ebenauer: Weine mit Kanten dürfen sein. / © Manfred Klimek
Marion und Manfred Ebner-Ebenauer: Weine mit Kanten dürfen sein.

© Manfred Klimek

Die nördlich von Poysdorf gelegenen Orte Herrnbaumgarten und Schrattenberg sind durch ihre Kessellage prädestiniert für ausdrucksstarke Rotweine. Weiter im Südosten, an der Grenze zum Marchfeld rund um Mannersdorf, macht sich der pannonische Klimaeinfluss bemerkbar. Im Zusammenspiel mit dem Kleinklima am Fluss March herrschen beste Bedingungen für Grüne Veltliner, Rieslinge, Burgunder und aromatische Rebsorten wie Traminer – bis hinauf in hohe Prädikatsstufen.

Auch wenn die Sortenvielfalt groß ist, so dominiert eine Sorte ganz klar die Szene des Weinviertler Weingeschehens. Auf mehr als 6200 Hektar wächst hier nicht nur mehr als die Hälfte des österreichischen Veltliners, sondern auch knapp die Hälfte der weltweit mit dieser ­Sorte bepflanzten Fläche.

Typisch für den Weinviertler Grünen Velt­liner, und zwar über alle unterschiedlichen Bodentypen und großen Entfernungen zwischen den Weinorten hinweg, ist eine pikant »pfeffrige« Geschmacksnote. Zu diesen Anklängen an grünen, weißen und bei höherer Reife auch schwarzen Pfeffer kommen fruchtbetontes Bukett und frische Säure.

2014 als schwieriges Jahr

Die Weinviertler Winzer hatten 2014 ein schwieriges Jahr zu bewältigen. Das Wetter hatte es in sich: Im Frühjahr fehlte die Feuchtigkeit, während diese ab Sommer bis in den September hinein im Übermaß vorhanden war. Bilanz am Ende dieses eigenwilligen Jahrgangs: Das Wenige, das übrig blieb, ist vielversprechend. Die regionalen Unterschiede zwischen östlichem, südlichem und westlichem Weinviertel waren im Jahrgang 2014 nicht ganz so stark ausgeprägt wie in so manch anderen Jahren.

Leichte Vorteile gab es für etwas höher gelegene Gebiete wie etwa die Region um Hohenwarth, da die Temperaturen hier generell etwas niedriger sind, während im östlichen Weinviertel die Wärme des kontinentalen Pannoniens frontal auftrifft. Der Weg zum Erfolg führte über intensive Arbeit im Weingarten, rigoroses Ausdünnen der Trauben und selektive Weinlese. Wer diesen Mehraufwand nicht scheute, kann sich über ausgewogene Weine mit frischer Säurestruktur freuen.

Else Zuschmann und Peter Schöfmann: neuer Stil. / © Steve Haider
Else Zuschmann und Peter Schöfmann: neuer Stil.

© Steve Haider

Facts: Kellergassen

Die meisten Kellergassen Österreichs befinden sich im Weinviertel. Ihre ursprüngliche Bedeutung als Produktionsstätten von Wein haben sie meist längst eingebüßt. Heute dienen sie meist als pittoreske Ku­­­lisse für Kellergassenfeste.

Darüber, welche Kellergasse die schönste sei, lässt sich streiten, als besonders sehenswert gelten die Kellergassen von Galgenberg bei Wildendürnbach (www.galgenberg.at), von Asparn an der Zaya, von Mailberg, von Falkenstein und Zellerndorf.

Angeboten werden auch Führungen durch die Kellergassen, dazu gibt es Geschichten und ein Glossar auf der eigens eingerichteten Homepage: kellergassen.weinviertel.at.

Heurige: Tipps und Adressen

Heurige sind direkt vom Weinerzeuger betriebene kulinarische Einrichtungen, die Ende des 18. Jahr­hunderts ihren Ursprung haben. Damals gab ­Kaiser Joseph II. Weinbauern die Erlaubnis, ihren Wein vor Ort steuerfrei auszuschenken. Bis heute besteht dieses zeitlich auf einige Wochen eingeschränkte Privileg. Zum Wein gibt es regionale Schmankerln, traditionell dürfen beim Heurigen nur kalte Gerichte serviert werden, Bier oder Kaffee sind nicht erlaubt.

In Niederösterreich werden jedes Jahr aus der Vielzahl der Anbieter die TOP-Heurigen (www.top-heuriger.at) gekürt, wo es ein ­tolles Ambiente, kulinarische Highlights und ausgezeichnete Weine gibt. Wir haben für Sie aus den 41 aktuellen TOP-Heurigen des Weinviertels die Liste unserer Favoriten zusammengestellt.

Aus Falstaff Magazin Nr. 02/2015

Die besten Adressen im Überblick