Gargano: Wir geben uns den Sporn!

Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

© Shutterstock

Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

© Shutterstock

Man kann verstehen, dass sich der Erzengel Michael ausgerechnet diese Gegend ausgesucht hat, um im Jahr 492, nur wenige Jah­re nach dem Untergang des römischen Imperiums, einen Stier zu retten und den Gläubigen zu bedeuten, dass sie ihm genau hier eine Pilgerstätte errichten sollten: Der Gargano, die Gegend, die man vom Kartenlesen als den Sporn Italiens kennt, ist einer der landschaftlich wohl schönsten Flecken überhaupt. Die Normannen als Eroberer des südlichen Italiens verloren denn auch keine Zeit, um in Monte Sant’Angelo dem Anführer der himmlischen Heerscharen eine einzigartige, in schieren Fels gehauene Grottenkirche zu erbauen. Wer San Michele, die von außen nur durch einen achteckigen Turm als Kirche zu erkennen ist, betritt, dem werden der Legende nach alle Sünden vergeben.

Die unbekannte Perle der Adria

San Michele wäre allein schon ein Grund, den Gargano zu besuchen. Hier aber gibt es noch ganz andere, in den Fels gehauene Wunder zu besuchen. Der Trabucco da Mimi nahe der Küstenstadt Peschici ist so eines – eine alte, gut vierzig Meter über dem Meer spektakulär mitten in die Felsenklippe gehauene Fischerhütte, von der aus bis heute die Netze in die azurblauen Tiefen herabgelassen werden, um dem Meer seine Schätze zu entreißen. Heute ist die Hütte aber auch eines der vielleicht schönstgelegenen Restaurants der Welt, in dem man fangfrische, für jede Portion frisch aus der tief unten tobenden Gischt mittels Körben heraufgeholte Meeresfische als klassisches »Crudo« genießen kann. Der Zugang über eine enge, schwindelerregend steile Treppe würde hierzulande niemals genehmigt werden, in Italien aber weiß man bekanntlich besser, dass wahre Schönheit nicht immer mit den Buchstaben des Gesetzes vereinbar sein muss.

Wenn Mimi sein Holzfeuer anheizt, um die Glut für seine zur Perfektion gegrillten Orate, Spigole und anderen Prachtfische zu generieren, dann verwendet er einen mittels Schwungrad betriebenen Blasebalg, den die amerikanischen Truppen bei der Befreiung Italiens von den Faschisten zurückgelassen haben – »das Beste für die Glut, das ich je gesehen habe«, wie er versichert. Und tatsächlich: So makellos knus­prig außen, so vor Saft berstend innen hat man die Goldbrassen noch kaum je genießen dürfen.

Ombrelloni, Lettini, ein g'schaftiger Bademeister

Zwischen den wild zerklüfteten Klippen, ­an die sich immer wieder uralte Städte wie das romantische Vieste schmiegen, öffnen sich bezaubernde kleine Buchten mit feinem Sandstrand und der klassisch italienischen Badekultur: Ombrelloni, Lettini, ein g’schaftiger Bademeister, der für ein kleines Trinkgeld gern gekühlte Getränke oder brennheißen Espresso zum Sonnenschirm bringt. Im Landesinneren lockt ein Na­tionalpark mit prachtvollem, mediterranem Wald Wanderer und Radfahrer und an der Küste gibt es Meeresfrüchte sonder Zahl zu genießen. Die anderswo selten gewordenen Tartufi di mare etwa, eine Seescheiden-Art mit ledrig-faltiger Oberfläche, werden ob ihres explosiv jodigen Fleisches als besondere Delikatesse von Kennern gesucht. Seeigel oder Ricci di mare ­lieben die Italiener ob ihrer Gonaden, die auf wundersame Weise bei aller meeres­frischen Intensität auch ein wenig an den Geschmack von Mangos erinnern. Venus­muscheln gibt es ebenfalls roh oder, wie gewohnt, mit Weißwein gekocht auf ­Spaghetti.

Die zerklüftete Küstenlandschaft gibt immer wieder charmante kleine Buchten mit makellos feinem Sandstrand frei.
Die zerklüftete Küstenlandschaft gibt immer wieder charmante kleine Buchten mit makellos feinem Sandstrand frei.

© Shutterstock

Wein können sie am Gargano auch

Auch der Wein, speziell jener von renommierten Gütern wie dem Biobetrieb Cantine Losito, hat in den letzten Jahren markant an Profil gewonnen. Falanghina und Fiano sind würzige, frische Weiße, die keineswegs nur als Speisenbegleiter taugen. Die autochthonen Roten wie Nero di Troia begeistern mit vielschichtigen, frischen Aromen von Brombeeren, Johannisbeeren, Veilchen und Gewürzen.

Dank guter Flugverbindung ist der Sporn des Stiefels via Bari ideal erreichbar. Und das vielleicht Angenehmste: Die Touristen hier sind fast ausschließlich Italiener. Das sorgt für amikale Atmosphäre und nicht zuletzt für beständig hohe Qualität gerade auch der einfachen Restaurants.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Rezepte – Bella Italia
Zum Magazin

MEHR ENTDECKEN

  • Long Weekend Hamburg
    Ob Hamburg wirklich die schönste Stadt der Welt ist? Machen Sie sich selbst ein Bild: Wir haben die Trend-Spots für den nächsten Besuch zusammengestellt. Es könnte was dran sein.
  • Alpe-Adria-Region: Genuss mit Weitblick
    Gemeinsamen kulinarischen Wurzeln und länderübergreifenden Landschaften: Das sind die Zutaten für einen genussreichen Ausflug, der uns von Kärnten über Ljubljana nach Triest führt.
  • Andalusien: Feuriger Süden Spaniens
    Spaniens größte autonome Gemeinschaft blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die sich auch in den kulinarischen Spezialitäten widerspiegelt.
  • Long Weekend in Oslo
    Oslo ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Europas. Rund 680.000 Menschen leben in der Metropole am Fjord, die neben Natur und Kultur auch einige kulinarische Highlights zu bieten hat.
  • Wanderferien in der Bündner Herrschaft
    In der Bündner Herrschaft wachsen einige der legendärsten Weine der Schweiz. Dank des milden Klimas und eines erstklassigen gastronomischen Angebots ist die Region wie gemacht für ausgedehnte Wanderferien.
  • Portugal für Entdecker
    Neugierige Feinschmecker sind in Portugal genau richtig. Hier lassen sich in traumhafter Umgebung neue Geschmackswelten erkunden – einzigartige Weine, Olivenöl und authentische Küche.
  • Loire: Prunk und Pracht
    In den Küchen garen die besten Zutaten und auch große Weine werden hier gemacht: Die Loire ist nicht nur ein Fluss in Frankreich, sondern auch ein Schlaraffenland mit jahrhundertealter Genusstradition.
  • Long Weekend in Moskau
    Moskau, die große Unbekannte Europas. Wie viele Seelen in dieser Stadt wohnen, das erfährt man vor allem, wenn man Zunge und Gaumen Reiseführer sein lässt.
  • Das etwas andere Florida
    Was die Kulinarik betrifft, galt Florida lange Zeit nicht gerade als aufregendes Reiseziel. Doch im Sunshine-State und in dessen Restaurant-Szene tut sich mittlerweile einiges.
  • Verborgene Schätze in Nordrhein-Westfalen
    Nordrhein-Westfalen ist für viele nur Currywurst und Eintopf. Dabei hat dieses facettenreiche Land – vor allem abseits der Städte – eine große kulinarische Vielfalt zu bieten.
  • Singapur: Gourmethimmel voller Sterne
    Kaum irgendwo auf der Welt wird das Essen derart zelebriert wie in Singapur. Essen ist hier eine Obsession und Teil einer Lebensphilosophie.
  • Island: Exotik im Norden
    Die Naturkulisse Islands ist einzigartig auf der Welt. Die kulinarischen Spezialitäten sind jedoch nicht jedermanns Sache.

Die besten Adressen im Überblick

Mehr zum Thema

Rezept

Fasnachtschüechli

Gualtiero Marchesi verrät in dem Kochbuch «Globis italienische Küche» wie die «Chiacchiere al forno» aus der italienischen Region Emilia-Romagna...

Rezept

Rosa Hirschkeule

Dieses Rezept stammt von Alessandro Gavagna, Küchenchef des italienischen Restaurants »La Subida«.

Rezept

Peperoni imbottiti alla Beneventana

Mit Sardellen und Weißbrot gefüllt werden die Spitzpaprika in Öl gebraten, bis sie fast aufplatzen – so macht es Benevento.

Rezept

Gekochter Timballo (Auflauf) mit Trüffel und Pilzen

Das Rezept von Maria Elisa Piroli wird mit Parmigiano Reggiano verfeinert.

Rezept

Sgroppino

Drink oder Dessert? Sgroppino ist das schnellste Dessert Italiens und sorgt für Urlaubsstimmung. Bellissimo!