Faszination Friaul

Bassano del Grappa: Blick auf die hölzerne Brücke Ponte Vecchio.

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Bassano del Grappa: Blick auf die hölzerne Brücke Ponte Vecchio.

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Welche Wonne, welche Lust! Wie sind wir in der norditalienischen Region Friaul-Julisch Venetien doch jedes Mal aufs Neue überwältigt von der Frische der Zutaten! Auf den Märkten türmen sich Tomaten, Fenchel und Artischocken, die Fischmärkte in den Häfen sind legendär, auf den Piazzas geht es fröhlich und lebhaft zu, ebenso in den Restaurants, Cafés und Weinbars.

Man kann gar nicht anders, als sich unendlich wohlzufühlen«, schreibt Silvia Trippolt-Maderbacher in ihrem Buch »Genießen in Friaul-Julisch Venetien«. Die Autorin betreibt in Kärnten, nahe der italienischen Grenze, zusammen mit ihrem Mann Josef Trippolt ein Restaurant und ist schon allein berufsbedingt der Nachbar­region genauso verfallen wie viele andere Österreicher und auch Deutsche, die Jahr für Jahr diesen Landesteil bereisen, der längst zu den kulinarisch interessantesten in ganz Italien gehört.

Die autonome Region Friaul-Julisch Venetien mit Triest als Hauptstadt liegt im äußersten Nordosten Italiens, grenzt im Norden an Österreich, im Osten an Slowenien, im Westen an das italienische Venetien und im Süden an die Adria. Rund 90 Prozent der Region gehören zum Friaul, der Rest zählt zu Julisch Venetien.

Mit spektakulären Sehenswürdigkeiten ist die Region nicht sonderlich gesegnet, doch wer sich abseits der vielen Restaurants und Weinbars umsehen will, für den haben die Autoren und ehemaligen ORF-Journalisten Gisela Hopfmüller und Franz Hlavac in einem im Vorjahr erschienen Buch die »111 Orte in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss« zusammengefasst.

Kulinarische Szene

Zu den Besonderheiten der Region gehört unter anderem, dass vor allem das Grenzgebiet zu Slowenien eine ganz eigen ständige Lokalszene hervorgebracht hat. Mit einer Küche, die beide Länder vereint.

Wie etwa im »L’Argine a Vencò« in Dolegna, wo ein paar Meter hinter dem Haus die Grenze zu Slowenien verläuft. Am Herd steht hier Spitzenköchin Antonia Klugmann aus Triest, die 2014 zusammen mit ihrem Mann Roman dieses inzwischen äußerst beliebte Gourmetrestaurant eröffnet hat – ein modern gestaltetes Fine-Dining-Restaurant mit einer außergewöhnlich kreativen Küche.

In der gehobenen Abteilung der Fine-Dining-Restaurants gilt aber vor allem das »Agli Amici dal 1887« in Udine als die Speerspitze der friulanischen Gourmetrestaurants. Mit zwei Michelin-Sternen ist das Haus das höchstdekorierte im Friaul und zugleich das modernste der Region: Einflüsse der Nordic Cuisine und der Molekularküche werden hier mit der Adria-Küche kunstvoll verwoben.

Fine-Dining-Restaurants

Einen Michelin-Stern hat auch die »Osteria Altran« in Ruda, zwischen Cervignano und Monfalcone. Die Bezeichnung Osteria im Namen ist etwas irreführend, denn was Küchenchef Alessio Devidè hier an ausgefallenen Kreationen produziert, hat mit einer einfachen Osteria-Küche nicht wirklich etwas zu tun. »Devidè spielt gerne mit den Konsistenzen, und jedes noch so gestandene Gericht wird neu interpretiert«, schreibt Silvia Trippolt-Maderbacher in ihrem Buch.

Große Küche wird auch im »La Primula« in San Quirino, im »Laite« in Sappada und im »La Taverna« in Colloredo di Monte Albano serviert. Das »La Taverna« nordwestlich von Udine ist ein Uralt-Klassiker im Friaul, es wurde einige Jahre nach dem großen Erdbeben im Jahr 1976 aus den noch vorhandenen Ruinen adaptiert. In kürzester Zeit entwickelte sich das wun­derschön gelegene Anwesen zu einem der bekanntesten Feinschmeckerrestaurants der Region. Noch immer zählt der Weinkeller zu den besten Italiens.

Viel zum kulinarischen Aufschwung des Friaul haben aber auch zwei Restaurants in Cormons, rund 13 Kilometer westlich von Gorizia, unweit der slowenischen Grenze, beigetragen. Das »Al Cacciatore de la Subida« ist eine Art Genussrefugium der Familie Sirk. Dazu gehören einerseits das Restaurant mit einem Michelin-Stern und Küchenchef Alessandro Gavagna am Herd sowie eine vor Jahren neu gestylte Osteria, andererseits eine eigene Essigproduktion und einige Landhäuser inmitten eines Waldes, in denen man wohnen kann.

Das »Al Giardinetto« der Familie Zoppolatti wiederum ist für eine feine Fisch- und Fleischküche bekannt, die schon vor Jahrzehnten dafür gesorgt hat, dass viele österreichische Gastronomen und Köche regelmäßige Gruppenreisen nach Cormons veranstalteten. Cormons wurde in dieser Zeit zu einem kulinarischen Mekka – und ist es bis heute geblieben.

Grillen am Fogolar

Das Friaul ist aber nicht nur für eine gehobene Adria-Küche oder für Gerichte mit altösterreichischen Einflüssen bekannt, sondern auch für eine Vielzahl an Lokalen, in denen es noch einen Fogolar gibt. Diese für die Region um Udine bekannte Koch- und Feuerstelle mit einer typischen Abzugshaube gibt es noch in einigen einfachen Trattorien wie etwa im »Al Parco« in Buttrio oder im nicht ganz leicht zu findenden »Da Toso« in Leonacco unweit von Tricessimo, einer Stadt, die durch einen über Jahre regen Möbelverkauf berühmt geworden ist.

Eine Fogolar-Küche der gehobeneren Art findet man in der »Tavernetta al Castello«, eingebettet in ein herrschaftliches Schloss aus dem Jahr 1200. Vorwiegend internationale Gäste sitzen hier vor historischen Steinwänden und der besagten offenen Feuerstelle und erfreuen sich an den Kreationen von Küchenchef Antonino Venica. Auch das ist Friaul.


(Un) Ruhestand im Friaul

ORF-Legenden Franz Hlavac und Gisela Hopfmüller.

© Lukas Ilgner

Franz Hlavac und seine Frau Gisela Hopfmüller haben seit 2002 einen zweiten Wohnsitz in Friaul-Julisch Venetien. Die beiden jahrzehntelangen ORF-Journalisten sind ausgewiesene Experten für diese Region, über die sie zahlreiche Bücher veröffentlicht haben. Zuletzt erschienen: »111 Orte in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss« (Verlag Emons). Darin beschreiben die beiden unter anderem Lokale wie die »Osteria Mulin Vecio« in Gradisca d’Isonzo als einen »kulinarischen Ausflug in die Vergangenheit«.


Die Friaul-Expertin

Silvia Trippolt-Maderbacher

Foto beigestellt

Silvia Trippolt-Maderbacher ist Journalistin, Werbetexterin und Gastronomin. Zusammen mit ihrem Mann Josef Trippolt führt sie das in Kärnten bekannte Restaurant »Trippolt zum Bären« in Bad St. Leonhard. In ihrem Buch »Genießen in Friaul-Julisch Venetien« (Verlag Styria) präsentiert sie eine »hemmungslos subjektive« Auswahl an Lokalen sowie Produzenten aus einer Region, die sie allein durch die Nähe zu Kärnten oft bereist hat. Daraus ist ein enormer Fundus an Ess-Erlebnissen entstanden.

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