Die Lagunen-Diva Venedig

Blick über Venedig mit der berühmten Basilica di San Marino.

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Blick über Venedig mit der berühmten Basilica di San Marino.

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Kann man in einer Stadt, die vom Tourismus so geschunden wird wie Venedig, überhaupt noch gut essen? Ja, man kann. Neben einigen Sterne-Restaurants findet man immer noch charmante Fischlokale, Osterien und Bacari mit typisch venezianischer Küche.

FREITAG

Die Restaurantszene in Venedig kann man in drei Kategorien einteilen: erstens die Sterne-Restaurants, zweitens die zahlreichen Trattorien, Fischlokale und Ristoranti und drittens die für Venedig so typischen Bacari – die Weinbars, in denen auch die köstlichen Cicchetti zu haben sind. Das sind diese herrlichen kleinen Brötchen, die mit allem belegt werden, was schmeckt. 

Wir widmen uns zunächst der zweiten Kategorie und suchen ein gutes Fischlokal auf. Die Trattoria »Antiche Carampane« ist nicht leicht zu finden, sie liegt in einer kleinen, engen Gasse, nicht allzu weit vom Campo San Polo. Doch sie ist eine Pflichtadresse. Sämtliche Gerichte mit Krabben, Scampi und Muscheln sind hier wirklich sensationell gut. Im Frühling gibt es auch »Moleche«, die in Venedig eigentlich »Moeche« heißen (die Venezianer lassen das »l« einfach weg): Es sind Weichschalen-Krabben, andere nennen sie weltgewandt »Soft Shell Crabs«, je nachdem. Frittiert sind diese kleinen Biester jedenfalls eine echte Delikatesse. Am Nachmittag holen wir uns noch schnell einen Kaffee im »Caffè Florian« und ertragen die Massen an Touristen mit Würde. Am Markusplatz befindet sich auch unser Abendlokal: das »Ristorante Quadri«, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Massimiliano Alajmo kocht hier in einem wahrhaft barocken Ambiente eine ziemlich verrückt moderne Küche.

SAMSTAG

Den Samstag legen wir kulinarisch ganz traditionell an. Keine Sterne-Restaurants, keine Gourmet-Tempel, sondern Lokale, die für Venedig viel typischer sind: zum Beispiel die Bacari, also die venezianischen Weinbars. Für Frühaufsteher lohnt auch ein Besuch des Fischmarktes nahe der Rialto-Brücke: Der Markt öffnet um sechs Uhr morgens und ist atmosphärisch nur interessant, bevor die Touristenmassen kommen. Der Stadtteil Dorsoduro ist überhaupt eine ideale Gegend, um herumzuschlendern und sich Kirchen, Handwerksbetriebe, Souvenirshops oder das Peggy-Guggenheim-Museum anzuschauen. In diesem Sestiere (Venedig hat sechs solcher Stadtteile) findet man auch die »Cantine del Vino già Schiavi« (man achte auf das Schild »Vini al Bottegon« über der Tür). Die Cicchetti dort sind wirklich großartig, auch wenn dieses Bacaro schon längst auch von Touristen belagert wird.

Für den Abend haben wir uns hingegen ein Lokal ausgesucht, in dem Touristen nicht so oft einfallen. Die urgemütliche »Osteria Mo-ce-nigo« ist unter Einheimischen für eine sehr typisch venezianische Küche bekannt, mit vielen Fischgerichten, Pasta mit Meeresfrüchten und allem, was sich frittieren lässt. Besonders schön sitzt man am Fenster mit Blick auf einen Kanal. Noch ein Extra-Tipp: Davor sollte man den ganz in der Nähe befindlichen Palazzo Mocenigo besuchen. In diesem Museum lassen sich die Wohnverhältnisse des venezianischen Adels gut studieren. Dazu gibt es wertvolle Gemälde und Fresken, Armleuchter aus Muranoglas und historische Kleidungsstücke, edle Stoffe und Accessoires zu bewundern. Neu ist das Museum der Düfte.

SONNTAG

Was die Sehenswürdigkeiten in Venedig betrifft, so muss man natürlich all die bekannten Highlights gesehen haben: den Dogenpalast, den Markusdom, die Seufzerbrücke, das Guggenheim-Museum oder die Accademia. Aber das versteht sich von selbst. Unverzichtbar ist aber auch eine Besichtigung der Kirche Santi Giovanni e Paolo (venezianisch: San Zanipolo). Diese prachtvolle Klosterkirche im Sestiere Castello ist einer der bedeutendsten Sakralbauten der venezianischen Gotik. Weniger bekannt, aber nicht minder großartig: die Kirche San Zaccaria. Dort befindet sich eines der schönsten Renaissance-Gemälde überhaupt: die »Sacra Conversazione« von Giovanni Bellini.

Der Name Bellini führt uns wiederum direkt in »Harry’s Bar«, in der bekanntlich der Bellini zum weltberühmten Signature-Drink entwickelt wurde. Auch legendär: die Luxushotels »Cipriani«, »Danieli« und »Bauer«. Sie alle haben hervorragende Restaurants, manche davon mit einem Stern. So wie das überaus charmante »Hotel Metropole« mit dem Restaurant »Met«. Dort kocht Luca Veritti, der 2013 zum ersten Mal einen Michelin-Stern für das Haus erhielt. Diese Bewertung hält er bis heute. Meist bietet er seinen Gästen zwei Menüs: ein traditionelles und ein zeitgenössisches. In beiden Fällen ist sein Hang zu hochwertigen Produkten unübersehbar, er verarbeitet sie subtil, kreativ und auf einem handwerklich extrem hohen Niveau. Herausragend sind auch seine Desserts. 

Das »Metropole« ist übrigens ein besonders schönes Hotel. Das wussten aber auch schon Thomas Mann und Sigmund Freud und noch früher Antonio Vivaldi. 

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 02/2017.

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