Zeit mit Andreas Kaufmann

Andreas Kaufmann vor dem «Café Leitz» in Wetzlar, einer Interpretation eines Bauhaus-Bungalows gepaart mit einem Wiener Kaffeehaus.

© Michael Agel

Andreas Kaufmann vor dem «Café Leitz» in Wetzlar, einer Interpretation eines Bauhaus-Bungalows gepaart mit einem Wiener Kaffeehaus.

Andreas Kaufmann vor dem «Café Leitz» in Wetzlar, einer Interpretation eines Bauhaus-Bungalows gepaart mit einem Wiener Kaffeehaus.

© Michael Agel

Es war Mitte der 2000er-Jahre und das Ende schon sehr nah: Der hessische Kamerahersteller Leica – berühmt durch seine ikonografischen Bilder – stand kurz vor der Pleite, als die Rettung in Person von Andreas Kaufmann eintraf.

Der 1953 in Mannheim geborene Wahl-Salzburger beteiligte sich 2004 mit seiner ACM Projektentwicklung GmbH mit 27,4 Prozent am Unternehmen, kaufte zwei Jahre später die bis dahin von Hermès gehaltenen Anteile und erlangte so die Mehrheit. Gemeinsam mit seinem Team führte Kaufmann Leica aus der Verlustzone – seither geht es kontinuierlich bergauf: 2017 erwirtschaftete die Leica Camera AG einen Umsatz von 400 Millionen Euro.

Falstaff: Herr Kaufmann, würden Sie mir zustimmen, wenn ich formuliere: Wir leben im goldenen Zeitalter der Schnappschussfotografie?

Andreas Kaufmann: Ja, wir leben im goldenen Zeitalter der Schnappschussfotografie! Sie ist vergleichbar mit der Zeit der Kodak Instamatic der 1960er-Jahre. Heute geht das Fotografieren jedoch schneller vonstatten und es ist billiger. Die Bilder werden zudem auf öffentlichen Plattformen wie
Instagram gesammelt und zur Schau gestellt. Ein Smartphone ist immer und überall parat, man drückt einfach ab, wenn man einen Moment in Form eines Schnappschusses festhalten will.

Das Smartphone macht es also möglich, noch nie zuvor hatten so viele Menschen ständig eine Kamera bei sich. Weckt dies das Interesse an einer hochwertigen Fotoausrüstung? Anders gefragt: Profitieren Sie davon?

Wir rüsten Huawei, den Smartphone-Hersteller, mit Leica-Optik aus, somit profitieren wir jedenfalls. Generell schadet dies der Branche aber mehr, als es ihr nützt. Nur Leica ist davon weniger betroffen, da unsere Kameras anders positioniert sind. Eine Leica kauft man nicht einfach so nebenbei, eine Leica ist wie eine hochwertige, mechanische Armbanduhr.

Wie sieht es um die veritable Fotokunst aus? Gibt es die noch?

Anspruchsvoller wird es naturgemäss, wenn man die Zeit mittels Bild so einfrieren will, dass man sich das auch in ein paar Jahren noch gerne ansieht. Diese hohe Schule hat ihren Ursprung bei den grossen Meistern der Renaissance. Sie haben es verstanden, in ihren Bildern perfekt mit dem Licht umzugehen. Wussten Sie, dass sich Cinematografen und Fotografen immer noch von den alten Meistern dahingehend inspirieren lassen und stets auf ihre Lichtführung achten? Licht ist das Um und Auf, damit ein perfektes Bild entsteht. So eines sieht man sich dann jedoch nicht auf einem Bildschirm an – egal in welcher Grösse wohlgemerkt. Man druckt es aus, erst dann bleibt es uns in Erinnerung, erst dann wird es als etwas Besonderes wahrgenommen. Das hat mit der Philosophie des Sehens in 2D zu tun. Ein ungemein spannendes Thema, dessen ich mich einmal in Form eines Buches annehmen möchte.

Wann und was fotografieren Sie am liebsten?

Ich reise häufig, sitze oft in einem Taxi und liebe es, aus dem Taxi heraus Dinge zu fotografieren. Ob das allerdings einmal grosse Kunst wird, das wage ich zu bezweifeln.

Man wird Andreas Kaufmann niemals ohne eine seiner Kameras antreffen. Er ist der beste Botschafter der Marke und fotografiert gerne – auch aus dem Taxi.

© Daniel Bockwoldt/Picturedesk

Neben Kameras und deren Accessoires entwickeln Sie bei Leica neuerdings eine Kollektion von Armbanduhren. Woher kommt diese Affinität?

So wie mich der hohe Anteil an Mikromechanik in meinen Kameras fasziniert, tut er es auch in einer Armbanduhr. Sie ist so herrlich anachronistisch und gleichzeitig so besitzenswert. Ich will keinen tickenden Werbeträger, sondern Zeitmesser für meine Freunde und Kunden, die das Besondere schätzen.

Zwei Modelle haben wir vor wenigen Wochen vorgestellt, weitere sind in der Pipeline. Gemein ist allen, dass sie Made in Germany sind und bei uns in den Ernst Leitz Werkstätten in Wetzlar zusammengebaut werden. Wir streben keine Massenfertigung an, sondern eine kleine, feine Produktion.

Sie verstehen es offenbar, die schönen Dinge des Lebens zu zelebrieren. So verwöhnen Sie Ihre Kunden mit dem «Café Leitz» und im Leitz-Park in Wetzlar mit dem «Arcona Living Ernst Leitz Hotel» ­inklusive Spitzengastronomie.

Der Gedanke dahinter ist jener eines Mark­t­platzes. Leute kommen zusammen, um zu handeln – und nachher gehen sie ins Kaffeehaus. Das Prinzip des Basars oder eines alten Stadtmarktes, das hat was, und es wird gut angenommen, das Shoppingerlebnis alleine genügt nicht mehr. Das «Café Leitz» ist die Interpretation eines Bauhaus-Bungalows gepaart mit einem Wiener Kaffeehaus. Eines betreiben wir im Leitz-Park, das zweite öffnet in Kürze in Singapur, und das dritte folgt in Saigon. Das Hotel mit seinem guten Restaurant ist zudem eine Belebung für die ganze Stadt. Seither wohne und esse ich nur mehr da, wenn ich im Stammhaus zu tun habe.

Wie gehen Sie persönlich mit Zeit um?

Beruflich nehme ich mir stets die Zeit, die es braucht, damit ich die Dinge korrekt erledigen kann. Es kommt öfter vor, dass ich deshalb meinen Terminplan umstosse. Wenn ich mir Zeit für mich nehme, dann gehe ich offline und das am liebsten in unserem Haus in Dänemark. Da lese ich, koche, spaziere am Strand und skizziere neue Ideen; ganz analog mit einem Bleistift auf einem Block. London, Paris, Porto und Venedig haben es mir angetan, da verbringe ich gerne viel Zeit. Es gibt übrigens keine bessere Stadt zum Einkaufen als London. Der Brexit bereitet mir daher Sorgen, es ist für mich unverständlich, was die Engländer da tun.

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Falstaff Nr. 06/2018
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