World Champions: Tement – Weine ohne Grenzen

Manfred Tement aus Berghausen in der Südsteiermark mit Sohn Armin.

© Simon Marian

Manfred Tement aus Berghausen in der Südsteiermark mit Sohn Armin.

© Simon Marian

Manfred Tements Vater hatte in den Siebzigerjahren das Weingut der Karmeliten hoch oben an der slowenischen Grenze am Zieregg in Berghausen in der Südsteiermark erworben. Sein viel zu früher Tod machte es nötig, dass Manfred Tement um einiges früher als geplant – noch während der Schulzeit in Klosterneuburg – den kleinen elterlichen Weinbaubetrieb an der Seite seiner Mutter Edina übernehmen musste. Edina führte eine kleine Buschenschank, und nach der Matura 1979 machte sich Tement ans Werk. Drei Hektar Weingärten im Zieregg und am Grassnitzberg sowie der gute Ruf der Weine seines Vaters waren sein Startkapital. «Das einzig wirklich Gute an dieser Situation war die Tatsache, dass ich das, was ich in der Schule gelernt habe, gleich direkt in die Praxis umsetzen konnte», erinnert sich Manfred Tement, der heute nach 40 Arbeitsjahren auf ein grandioses Lebenswerk zurückblicken darf.

Aus einer kleinen Buschenschank am Ende der Weinwelt hat er eines der renommiertesten und modernsten Weingüter Österreichs mit 80 Hektar in bester Lage geschaffen, und seine Weissweine zählen – glaubt man den Kritikern der internationalen Medien – längst zu den besten der Welt. Der Anfang war denkbar schwierig, aber der junge Winzer machte keine Kompromisse, was die Qualität anbetraf. Doch um die Kunden des Vaters von seinem Können zu überzeugen, brauchte er auch das nötige Glück des Tüchtigen. Mit dem Jahrgang 1983 stellte er praktisch seine gesamte Produktion zur steirischen Landesprämierung an und holte gleich zehn Goldmedaillen. «Das war wie ein offizieller Ritterschlag, auf einmal wollten alle meine Weine haben. Und dann kam der Weinskandal. Für die Steiermark war der ohne Zweifel ein Segen. Jetzt war auf einmal trockener, leichter und säurebetonter Weisswein angesagt.» Manfred Tement fand in der Region gleichgesinnte Mitstreiter, und so bildete sich eine kleine Gruppe, zu der Winzer wie Willi Sattler, Alois Gross, Fritz Tinnacher, die Brüder Erich und Walter Polz, Klaus Prünte aus der Südsteiermark sowie Winkler-Hermaden und Neumeister aus der Südoststeiermark gehörten. Als Mentor der Gruppe wirkte der 2011 verstorbene weinbegeisterte Tischlermeister Herbert Hirtner, der für die Winzer Proben mit internationalen Weinen zusammenstellte oder sie zu Weinreisen animierte, die ihren Horizont beträchtlich erweiterten.

Im Jahr 1993 wurde erstmals der Begriff Steirische Klassik präsentiert, der für die typischen regionalen Sortenweine der Gruppe stand und nun nach 25-jähriger Erfolgsgeschichte durch das Südsteiermark DAC abgelöst wurde. Und trotz klarem Bekenntnis zur Herkunft war sich Manfred Tement sicher, dass die Region auch das Potenzial besitzt, auf dem internationalen Parkett in der ersten Reihe zu stehen. Schritt für Schritt wurde die Rebfläche erweitert, die Sorte Sauvignon Blanc – die hier optimale Bedingungen vorfindet – immer klarer in den Vordergrund gestellt. Heute sind fast zwei Drittel der Gesamtfläche mit jener Sorte bestockt, die in der Steiermark unter dem Namen Muskat-Sylvaner noch vor drei Jahrzehnten eher ein Schattendasein führte.

Die Paradelage Zieregg

Der hellste Stern am Firmament der Tement-Lagen trägt den Namen Zieregg. Diese Ried ist längst zu einem Synonym für höchste Weissweinqualitäten geworden und ist untrennbar mit dem Weingut Tement verbunden. Die als Grosse STK-Lage klassifizierte Ried Zieregg liegt direkt beim Weingut. Sie ist eine steile und warme Berghochlage an der österreichischen Staatsgrenze, die nach Süden und Südwesten orientiert ist und auf slowenischer Seite durch einen Gegenhang optimal geschützt wird.

Das Terroir ist von Sedimenten eines alten Meeres geprägt. Muschelkalk, Korallenkalk und auch Kalkmergel, der in der Steiermark auch Opok genannt wird, lassen hier Weine entstehen, die kraftvoll und eigenständig sind und über ein grosses Entwicklungspotenzial verfügen. Um auf die speziellen Eigenschaften des Bodens genau eingehen zu können, wurde der Zieregg in sechzehn Parzellen gegliedert, um die Individualitäten der einzelnen Teile noch besser und selektiv bearbeiten zu können. Der Löwenanteil der Ried Zieregg ist mit Sauvignon Blanc bestockt, der hier optimale Bedingungen vorfindet, nur etwa 15 Prozent der Fläche sind dem Morillon (Chardonnay) und Weissburgunder gewidmet. Dank der relativ grossen Fläche kann die Familie Tement, je nach Jahrgang, nicht nur mit den beiden Sortenweinen aus dem Zieregg aufwarten, sondern entwickelt aus der Ausnahmelage zusätzlich besondere Reserve-Weine.

Für besondere Furore hat das Projekt IZ gesorgt, das Armin und Manfred Tement erstmals mit dem Jahrgang 2005 ins Leben gerufen haben. Die Zieregg Reserve IZ steht für ein eigens entwickeltes Verfahren der Vinifikation mittels interzellularer Beerenvergärung, das am Ende für ein völlig neues Geschmacksbild sorgte und von Kritik und Konsumenten begeistert aufgenommen wurde. Armin Tement erklärt den IZ-Prozess so: «Die alkoholische Gärung beginnt dabei interzellular in der gesunden Beerenschale. Erst nach hundert Tagen werden die Trauben gepresst und für weitere 60 Monate auf der Feinhefe schwefelfrei in neutralen Eichenfässern ausgebaut.»

»Es sind die vielen kleinen Details, die aus Leidenschaft grosse Kunst entstehen lassen. Auch beim Wein ist das nicht anders.«
Manfred Tement STK-Winzer-Doyen

«Die Zieregg IZ Reserve 2012 wurde nach fast fünf Jahren Feinhefekontakt im September 2017 unfiltriert auf die Flasche gezogen. Durch diese Art der Vergärung entstand ein unvergleichbarer Wein, der sein Terroir in vollster Intensität widerspiegelt.» Im Jahrgang 2015 präsentierte Armin Tement drei Sudrieden-Weine, um die Diversität der Parzellen herauszustreichen und für den Konsumenten nachvollziehbar zu machen. Die Sonderfüllungen Sauvignon Blanc Ried Zieregg G-STK tragen die Bezeichnungen «Dreieck», «Weisse Wand» und «Steinbruch». Direkt angrenzend an die Toplage wurden im Laufe der vergangenen Jahre im Nachbarland Slowenien neue Weingärten gepflanzt. Die kleinklimatischen Bedingungen sind jenen des Ziereggs sehr ähnlich, auch hier wächst der Sauvignon Blanc auf Muschelkalk und Braunerde.

Unter dem Namen Fosilni Breg (Fossilienberg) wird dieser elegante Wein von der Tement-Domaine Ciringa erzeugt. Das Sortiment an verschiedenen südsteirischen Weinen ist ausgesprochen vielfältig, der klare Schwerpunkt liegt mit 97 Prozent auf der Erzeugung von ausgezeichneten Weissweinen. Die Familie Tement bewirtschaftet heute 80 Hektar, mehr als 60 Prozent sind mit der Leitsorte Sauvignon Blanc bepflanzt. Alle Weine werden stets spontan sowie langsam und schonend vergoren, 2015 wurde auf biologischen Anbau umgestellt und die Ernte 2018 erstmals auch biozertifiziert. Rund um ihr südsteirisches Weinimperium haben sich die Tements auch ihre eigene kulinarische und touristische Welt erschaffen. Besucher geniessen in der «Magnothek» oder in der «Weinbank» in Ehrenhausen und nächtigen in einem der liebevoll restaurierten Appartements der von Heidi Tement geführten «Winzarei». Hier bekommt der Weinfreund echten Vollservice, von der prächtigen Naturkulisse ganz zu schweigen.

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Falstaff Nr. 03/2019
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