World Champions: Taylor’s Port

Adrian Bridge ist der elfte Direktor in der Geschichte von Taylor’s. Er übernahm die Position 2000
von seinem Schwiegervater Alistair Robertson.

Foto beigestellt

Adrian Bridge ist der elfte Direktor in der Geschichte von Taylor’s. Er übernahm die Position 2000
von seinem Schwiegervater Alistair Robertson.

Foto beigestellt

Vila Nova de Gaia ist eine verwinkelte Stadt, am Steilufer errichtet mit allgegenwärtigen Steigungen in den engen Strassen und Gässchen. Wo der Hang nicht komplett zugebaut ist, bietet er eine atemberaubende Aussicht auf den Douro und die Zwillingsstadt Porto ­am anderen Flussufer. An einem dieser blick­offenen Punkte, inmitten des Stadt­-teils, an dem sich die Lodges der Porthäu­-ser dicht aneinanderdrängen, steht Adrian Bridge und zeigt auf die Terrassen des Hotels «The Yeatman»: «Mein Baby», sagt der CEO der Port-Legende Taylor’s und strahlt in seinem Massanzug aus allerfeinstem Tuch tatsächlich wie ein junger Vater. Und zwar wie einer aus bestem britischem Hause.

Bridge, Jahrgang 1963, durchlief eine englische Muster-Karriere: Militärakademie Sandhurst, UN-Blauhelm auf Zypern, Investmentbanker in Londons City. 1994 fragte ihn sein Schwiegervater Alistair Robertson, ob er nicht ins Familiengeschäft namens Taylor’s einsteigen wolle. «Zunächst war ich gar nicht sicher, ob ich ­ dem Unternehmen etwas würde geben können», blickt Adrian Bridge zurück. Doch er schlug ein. Bereits im Jahr 2000 bekam der Schwiegersohn die volle Verantwortung für das Unternehmen übertragen, nur ein Jahr später gründete er mit der Übernahme von Croft die Gruppe Fladgate Partnership, zu der heute neben Taylor’s auch die Häuser Fonseca und Krohn gehören.

Bridge’s Projekte

2007 begann Bridge, das «Yeatman» zu planen. Dass er zu einem Zeitpunkt auf die Verbindung von Wein und Tourismus setzte, als Porto und Vila Nova de Gaia noch im Tiefschlaf lagen, bewies brillanten Instinkt. Inzwischen schiessen die Hotels hier wie die Pilze aus dem Boden, gerade eben wurde ein «Hilton» eröffnet. Bridge ist währenddessen ­bereits im nächsten Projekt: der World of Wine, einer fast 5000 Quadratmeter grossen Erlebniswelt mit Ausstellungen zu verschiedenen Themen rund um Wein, Mode und Design. Damit soll die bereits jetzt beacht­liche Zahl von jährlich 150.000 Besuchern im Taylor’s-Besucherzentrum auf eine Mil­lion steigen. Ein Restaurant in der historischen «Taylor’s Lodge» gibt es bereits, das Hotel beherbergt zwei weitere, darunter ­eines, das mit zwei Michelin-Sternen de­koriert ist. Wenn die World of Wine im Sommer 2020 eröffnet, werden zusätzliche kulinarische Angebote das Tor noch weiter aufstossen für jene, die Neugier auf authentischen Port in die Stadt am Douro treibt.

Foto beigestellt

»Company Know-how«

Während in Vila Nova de Gaia das Schaufenster des Port sinngemäss neu dekoriert wird, schlägt das Herz der Produktion 150 Kilometer flussaufwärts in den drei Quintas, die Taylor’s gehören und von denen die besten Trauben für die Vintage Ports und die am längsten gereiften Tawnys kommen. Dort ist das Reich von Chief Winemaker David Guimaraens und seinem Aussenbetriebsleiter António Magalhães. «In den letzten 28 Jahren ist in unseren Quintas keine Rebe gepflanzt und keine Traube gelesen worden, ohne dass entweder António oder ich dabei waren», sagt David Guimaraens. Er ist die sechste Generation einer Familie, die seit dem Jahr 1822 das Haus Fonseca leitete. Als Fonseca während des Zweiten Weltkriegs in Turbulenzen geriet, wurde der Betrieb von «Taylor, Fladgate and Yeatman» mit Krediten gestützt. 1949 übernahm Frank Yeatman die Firma Fonseca schliesslich zur Gänze – nicht jedoch, ohne die Vorbesitzer an der neu entstandenen Einheit zu beteiligen. In den Fünfzigern wurde Bruce Guimaraens Chief Winemaker für beide Marken, sein Sohn David beerbte ihn 1992. Konti­nuität und mustergültiges Business auf der Basis von Gegenseitigkeit.

David Guimaraens zahlt die Partner­-schaft mit Intelligenz und Loyalität zurück. Die von ihm ersonnene Neuanlage der Terrassen in Taylor’s wichtigster Quinta de Vargellas wurde vom portugiesischen Staat für ihre Nachhaltigkeit prämiert: Das Relief aller Terrassen ist durch leichte Neigungen hangeinwärts so gestaltet, dass der rare, dann aber zuweilen auch heftige Regen ­ideal vom Boden aufgenommen wird. Un­geachtet dessen spielt Guimaraens seine Rolle im Erfolgsmodell von Taylor’s herunter: «Das Know-how ist nicht meines, es ist der Erfahrungsschatz des gesamten Unternehmens. Natürlich habe ich die Aufgabe zu leiten, aber meine Vorarbeiter, die etwa das Treten der Maische überwachen, wissen natürlich auch ganz genau, was sie tun.»

David Guimaraens zahlt die Partner­schaft mit Intelligenz und Loyalität zurück. Die von ihm ersonnene Neuanlage der Terrassen in Taylor’s wichtigster Quinta de Vargellas wurde vom portugiesischen Staat für ihre Nachhaltigkeit prämiert: Das Relief aller Terrassen ist durch leichte Neigungen hangeinwärts so gestaltet, dass der rare, dann aber zuweilen auch heftige Regen ­ideal vom Boden aufgenommen wird. Un­geachtet dessen spielt Guimaraens seine Rolle im Erfolgsmodell von Taylor’s herunter: »Das Know-how ist nicht meines, es ist der Erfahrungsschatz des gesamten Unternehmens. Natürlich habe ich die Aufgabe zu leiten, aber meine Vorarbeiter, die etwa das Treten der Maische überwachen, wissen natürlich auch ganz genau, was sie tun.«

Britisch und konservativ

Bei Taylor’s (wie auch bei den Schwestermarken Fonseca, Croft und Krohn) werden die Trauben für alle Vintage Ports noch klassisch in «lagares», grossen Bodenwannen aus Granit, mit Füssen gestampft. Das ist selbst im traditionsverhafteten Kosmos des Portweins ungewöhnlich; die meisten Häuser nützen heute mechanische Stampfmaschinen. «Selbst wenn es stimmt, dass 90 Prozent der Kunden den Unterschied zwischen der Tanninqualiät eines fussge­tretenen Port und jener aus mechanischer Pressung nicht merken, wie zuweilen behauptet wird», sagt Adrian Bridge, «würden wir unsere Art zu arbeiten nicht ändern. Denn wir merken den Unterschied auf jeden Fall!»

Antiquiert oder gar innovationsfeindlich ist das Unternehmen deswegen aber noch lange nicht. So ­war es Taylor’s, das als erstes Haus ­einen Late Bottled Vintage produzier­te, also den kleinen Bruder des Vintage Port. «Unseren wichtigsten Bodenschatz» nennt David Guimaraens den Late Bottled – und spricht von einer Demokratisierung des Port: So viel Schieferwürze, Frucht und Port-Feeling zu einem wohlfeilen Preis bringe Menschen auf den Geschmack, die Port zuvor nur als verstaubte Flasche aus Grosis Wohnzimmerbüffet kannten. Dabei ist Liebe zum Detail Firmenma­xime Nummer eins. Für einen Vintage verkostet Guimaraens nach der Ernte mit vier Mitarbeitern an die hundert Grundweine blind. Ein Jahr später wiederholt sich die ganze Prozedur, es wird ausgesiebt, bis der finale Blend dem Stil des Hauses entspricht. «Ein Taylor’s Port ist sehr britisch», sagt Firmenchef Adrian Bridge. «Er bewahrt immer Haltung, bleibt etwas reserviert und umarmt einen nicht gleich wie etwa ein Fonseca. Eher gibt er einem höflich die Hand und fragt: ‹How do you do?›»

ZUM TASTING

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 01/2020
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

World Champions: Harlan Estate

In den 1980er-Jahren reifte Bill Harlans Entschluss, im Napa Valley einen Rotwein zu erzeugen, der es mit den besten Grands Crus aus Frankreich...

News

World Champions: Sacha Lichine

Sacha Lichine trägt den Namen einer Familie, die über Dekaden mit Bordeaux verbunden war. Doch heute macht Lichine nur noch Wein in der Provence – und...

News

World Champions: Peter Sisseck

Pingus ist Kult – 1995 wurde der erste Jahrgang dieser Rotwein-Ikone abgefüllt. Peter Sisseck, gebürtiger Däne, ist heute einer der renommiertesten...

News

World Champions: Tement – Weine ohne Grenzen

Das Weingut Tement in der Südsteiermark zählt international zu den besten Erzeugern der Rebsorte Sauvignon Blanc. Besonders herausragend sind die...

News

World Champions: Maison E. Guigal

In nur drei Generationen schuf die Familie Guigal ein wahres Wein-Imperium. Das Besondere daran: Der Betrieb gehört zu den wenigen, bei dem jeder Wein...

News

World Champions: Bolgheri Sassicaia

Der Wein mit dem markanten goldenen Stern auf kobaltblauem Grund am Etikett ist heute weltweit gefragt. Schliesslich ist er das Symbol für die...

News

World Champions: Der Wein des Prinzen

Seit 2008 ist Prinz Robert von Luxemburg der Herrscher über die Familienweingüter in Bordeaux. Er sieht seine Rolle als Botschafter, der Weinfreunden...

News

World Champions: Bodega Catena Zapata

Aus Malbec einen grossen Rotwein zu machen – das hielten selbst Argentinier für unmöglich. Die Familie Catena Zapata aus Mendoza beweisst das...

News

World Champions: F.X. Pichler

Franz Xaver Pichler hat Österreich in der internationalen Weinszene bekannt gemacht. Sein Sohn Lucas tut das heute mit der gleichen familientypischen...

News

World Champions: Luciano Sandrone

Vor vierzig Jahren startete Luciano Sandrone als Nobody mit 1'500 Flaschen Barolo Cannubi Boschis. Heute ist er ein Star, erzeugt ein Vielfaches und...

News

World Champions: Lafite

Sehnsuchtsname für Bordeaux-Freaks und ein absolutes Ausnahme-Château: Seit 150 Jahren ist der französische Zweig der Rothschild-Familie im Besitz des...

News

World Champions: J. J. Prüm

Das emblematische Weingut aus Wehlen an der Mittelmosel ist berühmt für die Delikatesse seiner Rieslinge – für Weine von subtiler Würze und...

News

World Champions: Château de Beaucastel

Die Familie Perrin erzeugt feinwürzige Weine in denen die Sonne des französischen Südens eingefangen wird und hat es damit längst auf die besten...

News

World-Champions: Alvaro Palacios

Alvaro Palacios erzeugt mit den Kultweinen L’Ermita und La Faraona Rotwein-Ikonen aus weniger bekannten Gebieten.

News

World-Champions: Coche-Dury

Wenige Weingüter werden von Kennern in so hohen Ehren gehalten wie die Burgunder-Domäne Coche-Dury. Doch der Familie ist der ganze Rummel unangenehm.

News

World Champions: Louis Roederer

Das Champagnerhaus Louis Roederer ist heute der grösste unabhängige Betrieb, der sich über Generationen hinweg in Familienbesitz befindet.

News

World Champions: Gonzáles Byass

Im Jahr 1835 begann im andalusischen Jerez ein junger Mann mit dem Sherrygeschäft. Heute ist der Familienbetrieb González Byass ein Big Player im...

News

World Champions: Frescobaldi

Weinbau seit 700 Jahren. Eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Mit über 1000 Hektar Weinbergen kann Frescobaldi aus dem Vollen schöpfen. Sechs...

News

World Champions: Lafleur

Vor fast 150 Jahren bepflanzte Herr Greloud seinen Hausgarten mit Weinreben und nannte ihn Jardin Vignoble. Dessen schönstes Gewächs trägt den Namen...

News

World Champions: Egon Müller

Der Scharzhof an der Saar erzeugt den Inbegriff deutschen Rieslings: federleicht, komplex, feinnervig, kristallin – und langlebig bis zur...