World-Champions: Alvaro Palacios

In den Weingärten des Familienweinguts Palacios Remondo in Rioja setzt Palacios verstärkt auf Garnacha statt auf den ortsüblichenTempranillo.

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In den Weingärten des Familienweinguts Palacios Remondo in Rioja setzt Palacios verstärkt auf Garnacha statt auf den ortsüblichenTempranillo.

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Alvaro Palacios, Vintage 1964, stammt aus der Rioja Baja, wo seine Familie das bekannte Weingut Palacios Remondo besitzt. Er strahlt jene Entschlossenheit und Dynamik aus, die Menschen mit echter Passion auszeichnen. Alvaro Palacios ist dazu ein richtiger Spanier. Und daraus macht er keinen Hehl. Seine Prioritäten sind klar gesetzt: «Familie und Wein stehen an erster Stelle.» Er liebt die Flamenco-Musik, gilt dabei selbst als talentierter Sänger und stellte sich in seiner Jugend auch schon mal als Amateur-Torero zum Kampf mit dem Stier in die Arena.

Nach einem Studium der Önologie in Bordeaux sammelte der junge Winzer Erfahrungen auf höchstem Niveau bei einem Praktikum auf Château Pétrus in Pomerol unter der Ägide des legendären Christian Moueix.

Dort reifte der Plan, einen spanischen Rotwein zu kreieren, der sich mit den besten der Welt messen sollte. Der begabte junge Winemaker kehrte nach einem weiteren Auslandsjahr – diesmal im Napa Valley bei Stags’ Leap Winery – 1989 jedoch nicht auf den Familienbetrieb in Rioja zurück, sondern verfolgte eigene Ideen. Ein französischer Winzerkollege namens René Barbier hatte gemeinsam mit einigen Mitstreitern in einer abgelegenen Bergregion namens Priorat das sogenannte «Gratallops Project» gestartet, und Palacios hatte sich dieser Gruppe begeistert angeschlossen.

Alavaro Palacios

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Man erwarb gemeinsam Weingärten, teilte sich die Kellerei und das Equipment bis 1991, dann entstanden daraus fünf eigenständige Spin-offs, darunter die Weingüter und Weine wie Clos Erasmus von Daphne Glorian, Clos Mogador von René Barbier, Mas Martinet von José Luis Perez, Clos de l’Obac und schliesslich der Clos Dofí von Alvaro Palacios, jener Wein, der für ihn den Einstieg in die Oberliga bedeutete und der heute Finca Dofí heisst.

1990 konnte Palacios einen Weingarten mit uralten Reben erwerben, aus dem der Finca Dofí gemacht wird. Einige Jahre später entdeckte er einen Rebberg, den er bis heute für das beste Terroir im Priorat hält: den L’Ermita-Weingarten.

Bereits in den 1990er-Jahren erreichte das Mini-Anbaugebiet Priorat in Katalonien ein tolles Image, und die grosse Nachfrage liess die Preise immer weiter in die Höhe schnellen. L’Ermita von Alvaro Palacios, eine perfekte Cuvée aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Cariñena, ist bereits seit zwei Dekaden mit einem Preis von rund 800 Euro unter den teuersten Kreszenzen der Iberischen Halbinsel zu finden.

Wenn sich allerdings wie 2013 aufgrund der schwierigen Bedingungen gerade einmal 640 Flaschen abfüllen lassen und der Wein 100 Parker-Punkte bekommt, schiesst der Preis sofort in die Höhe. Doch auch die weniger betuchten Weinenthusiasten kommen auf ihre Rechnung, denn auch alle anderen Weine wie Camíns del Priorat, Les Terrasses Velles Vinyes, Gratallops Ví de Vila und Finca Dofí werden mit dem gleichen Qualitätsanspruch gekeltert wie der grosse L’Ermita.

Je steiler die Berge, je älter die Reben, desto besser. Es steckt enorm viel Arbeit hinter den Weinen des Alvaro Palacios.

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Palacios entstammt einer weitverzweigten Winzerfamilie und ist eines von insgesamt neun Geschwistern. Sein Vater hatte im Jahr 1948 die Bodega Palacios Remondo in Rioja gegründet. Auch dort bringt sich der Starönologe inzwischen entsprechend ein und hat um 2000 damit begonnen, die Weingärten auf biodynamische Bewirtschaftung umzustellen. Auch bei den Rebsorten setzt Palacios verstärkt auf Garnacha und weniger auf die in Rioja weit verbreitete Tempranillo-Rebe, denn diese benötigt ein Bewässerungssystem.

Gemeinsam mit einer straffen Ertragsbeschränkung gelingt Palacios ein neuartiger, burgundisch anmutender Rioja-Stil. Im Jahr 2015 produzierte er seinen Einstiegs-Rioja Vendima, eine Cuvée aus Tempranillo und Garnacha, zum ersten Mal zur Gänze aus biozertifizierten Trauben. Bei der ein Jahr lang in Barricas ausgebauten Crianza La Montesa dominiert der Garnacha mit rund 90 Prozent die Cuvée, die Menge liegt bei diesem grossartigen Preis-Leistungs-Wein jenseits von einer halben Million Flaschen.

Der bisherige Top-Wein namens Propiedad, der 2013 und 2014 nicht erzeugt wurde, ist mit dem Jahrgang 2015 erfolgreich zurückgekehrt. Für die Zukunft hat Alvaro Palacios ein neues Ass im Ärmel. «Wir haben am Monte Yerga auf drei tollen Hektar alte Tempranillo-Stöcke auf 100 Prozent Garnacha umveredelt, der neue Spitzenwein wird Quiñón de Valmira heissen. 2014 waren es erst 1.000 Flaschen, letzten Endes werden es wohl um die 6.000 Flaschen werden», erzählt Palacios. 

Uralte Rebstöcke in steilen Terrassenlagen, bepflanzt mit würzigen Rebsorten wie Garnacha oder Mencía, bilden die Basis für die unverwechselbaren Weine von Alvaro Palacios.

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Der Quiñón de Valmira Rioja DOC aus der Sierra de Yerga ist mittlerweile mit einem Preis von über 400 Euro auf den Markt gekommen, 2016 wird er in Subskription angeboten.

Das Weingut erzeugt seit 1997 auch einen tollen Weisswein namens Plácet Valtomelloso, einen reinsortigen Viura aus dem grossen Holz mit biologischem Säureabbau, der stilistisch an grosse weisse Burgunder erinnert. Gemeinsam mit seinem Neffen Ricardo Pérez startete Palacios um 1998 ein weiteres, höchst erfolgreiches Projekt, diesmal im Nordwesten Spaniens, in der kleinen Anbauregion Bierzo.

Unter dem Namen «Descendientes de J. Palacios» nahm man sich dort der vielversprechenden Rebsorte Mencía an. Was das verschlafene Dörfchen Gratallops für Priorat ist, sollte nun Corullón für El Bierzo werden. Der önologische Dreh- und Angelpunkt für eine Renaissance eines gesamten Gebietes.

Auch hier führte der Weg zum Ziel, die feinsten und ausdrucksstärksten Weine zu keltern – über perfektes Terroir mit möglichst alten Reben. Und so entstehen heute neben den eleganten Einstiegsweinen wie dem Pétalos de Corullón oder Villa de Corullón gleich fünf Single Vineyards mit den Namen Las Lamas, Fontelas, Moncerbal, San Martin und La Faraona, wobei Letzterer als ein ganz besonderes Highlight der internationalen Rotweinszene gilt.

Alvaro Palacios hat im spanischen Weinland wichtige Akzente gesetzt. Zuerst in Priorato, dann in Bierzo und heute in seiner Heimat Rioja Baja.

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Pérez und Palacios haben sich für das Anbaugebiet eine Klassifikation nach burgundischem Vorbild ausgedacht. «Wesentlich ist mir, dass die Qualität der preiswertesten Weine in meinen Sortimenten herausragend ist, hier muss man zeigen, was man kann», erklärt Palacios, «natürlich freut es mich, wenn unsere Kunden bereit sind, für die absoluten Spitzenweine wie L’Ermita oder La Faraona Rekordpreise zu zahlen. Weil es mein Ehrgeiz ist, in allen Weinkategorien zu den Weltbesten zu gehören.»

Eigentlich könnte man an dieser Stelle sagen: «O. k., mission completed.» Doch wer Alvaro Palacios persönlich kennenlernen durfte, weiss es besser. Er hält es mit einem geflügelten Wort aus dem Mund des grossen kalifornischen Pioniers Robert Mondavi, der mit 92 Jahren noch betonte: «It’s just the beginning.»

Für Palacios hat nun die Zeit begonnen, in der er sich weniger auf neue Projektideen konzentriert, jetzt will er sich noch mehr dem Feinschliff seiner Top-Terroir-Weine widmen. Seinen Platz im Pantheon der Erneuerergeneration der spanischen Weinwelt, zu denen auch Peter Sisseck von Pingus und Telmo Rodriguez in Toro zählen, hat sich Palacios allerdings schon längst gesichert.

TASTING: Best of Alvaro Palacios

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    Alvaro Palacios
    43737 Gratallops/Tarragona
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