Winzer-Jungstars wollen weg vom «Chnuschti-Image»

Isabella und Stéphane Kellenberger besitzen seit vier Jahren das wohl jüngste Weingut des Wallis.

© Siffert/Weinweltfoto.ch

Isabella und Stéphane Kellenberger besitzen seit vier Jahren das wohl jüngste Weingut des Wallis.

© Siffert/Weinweltfoto.ch

Das erste, was einem bei Isabella Kellenberger auffällt, ist ihr Äusseres. Ihre Mutter ist Singapur-Chinesin. Das zweite ist ihr häufiges Lachen – glockenklar und ansteckend. Bei ihrem Mann Stéphane ziehen einen die Augen in Bann. Sie blicken warm und vertrauenerweckend. Beide strahlen einen frischen Enthusiasmus aus, untypisch für das Wallis, dessen Bewohner doch eher bedächtig und grüblerisch veranlagt sind.

Beide Stadtberner und allmählich gegen die Vierzig zugehend, lernten sie sich an der Önologenschule in Changins kennen. Als Wochenendwinzer starteten sie im Wallis mit Gamaret und Gamay. 2012 fanden sie in Leuk Stadt über ein Chiffreinserat ein zum Verkauf stehendes Weingut. Seit dem 1. Januar 2013 bewohnen sie nun mit zwei kleinen Kindern das Haus samt geräumigem, praktischem Weinkeller und modernem Carnotzet und bewirtschaften zwischen Fully im Unterwallis und Visperterminen im Oberwallis drei Hektaren Reben.

Mein Besuch fällt auf die Zeit vor der Weinlese. Die bevorstehende Ernte ist für beide «die spannendste Zeit des Jahres». Stéphane erklärt: «Wir arbeiten wie Architekten, aber im Gegensatz zu ihnen können wir nur einmal im Jahr ein Haus bauen.» Tagsüber wird geerntet. Nachts gekeltert. Dazu haben sie vorgängig für jede Sorte, jeden Wein ein Kelterprotokoll angefertigt. 15 Protokolle kommen so zusammen. Die vorgängige Absprache ist angesichts der unterschiedlichen Temperamente wohl nötig. Isabella liebt «Power-Weine», bezeichnet ihren Geschmack selbstkritisch als «Mainstream».

Sind denn die Weine einmal in der Flasche, überzeugen sie mit einer reintönigen, modernen Stilistik. Der Pinot Noir etwa besitzt ein kalkiges Bukett, Frische und eine straffe Struktur. Die zwei Humagnes, Blanc und Rouge, weisen schönste Typizität auf. Der dezent fruchtige Weisse macht auf nobles Understatement, der Rote ist beerig, dicht und charaktervoll, ohne die der Sorte nachgesagte Wildheit zu kaschieren.

Die Kellenbergers können nicht nur Wein machen, sie beherrschen auch das Marketing. Die Etiketts zeigen die Hände der beiden: liegen sie aufeinander, war der Wein im Stahltank; nebeinander in zwei Richtungen weisend, künden sie vom Barriqueausbau. Originell sind die englischen Weinnamen wie etwa «a sigh in the sky» für den Chasselas oder «flames of desire» für den Gamaret. Sie erzählen eine Geschichte, führen weg vom «Chnuschti-Image» und holen erfolgreich die Jungen ins Weinboot. Isabella und Stéphane Kellenberger verstehen sich «als Botschafter des jungen Schweizer Weins» und werden diesem Anspruch dank ihrer aufgestellten Art gerecht.

www.vindoeuvre.ch

Mehr Informationen finden Sie in der aktuellen Falstaff-Ausgabe.

Zum Falstaff-Tasting «Best of Jungwinzer – Jungstars».

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 07/2016.

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