Die Hitze macht nicht nur den Menschen zu schaffen / © Shutterstock
Die Hitze macht nicht nur den Menschen zu schaffen / © Shutterstock

Die aussergewöhnliche Hitze dieses Sommers ist Dauerthema in den Medien. In der Schweiz und weiten Teilen Mitteleuropas sorgt ein Hochdruckgebiet für brütende Hitze und Niederschlagsmangel. Viele Winzer, Weinhändler und Weinliebhaber machen sich Sorgen darüber, wie sich der Jahrgang 2015 in Sachen Qualität und Quantität entwickeln wird.

Die Agroscope, das Schweizerische Kompetenzzentrum für Landwirtschaftsforschung hat sich eingehend mit dem aktuellen Wetter und seinen Auswirkungen auf den Wein beschäftigt und ihre Einschätzung veröffentlicht. Falstaff Online hat sich dort informiert und hat auch mit Vivian Zufferey von der Forschungsgruppe Weinbau gesprochen.

Welche Massnahmen können Winzer treffen, um ihre Trauben vor grosser Hitze zu wappnen?
Temperaturen unter 35 Grad machen der Rebe fast keine Probleme und verursachen normalerweise auch keine Schäden, also müssen Winzer keine besonderen Massnahmen ergreifen. Lufttemperaturen von über 35 Grad können allerdings eine Erhöhung der Blatttemperaturen verursachen, eine starke Abnahme der Photosynthese der Blättern nach sich ziehen und damit eine schlechte Reifung der Trauben bewirken.

Ist die andauernde Hitze noch gut für die Qualität des Weines?
Die Weintraube, die ja aus den Mittelmeergefilden stammt, kann mit der Hitze an sich gut umgehen. Als Tiefwurzler ist auch Wassermangel eher ein kleineres Problem, da sich der Wein Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann. Wassermangel wirkt sich in verschiedenen Stadien des Wachstums unterschiedlich auf die Traube und den Wein aus. Die Hitze kann, zum Beispiel, zu einer starken Abnahme des Säuregehaltes der Beeren führen. Dies geschieht besonders bei lichtexponierten Trauben, was bei weissen oder besonders aromatischen Rebsorten meistens nicht erwünscht ist. Ständige, intensive Trockenheit hebt also nicht die Qualität des Weins, allerdings kann ein moderater Wassermangel zu einer Weintraube führen, die reich an Zucker, Anthocyanen und Phenolverbindungen ist und daher Wein mit hoher Qualität produziert. Allgemein sind warme und sonnige Bedingungen sogar eher günstig für die Qualität des Weins.

Welche Hitzeschäden kann es konkret geben?
Die Rebe verlangsamt bei Trockenheit allgemein ihr Wachstum. Auch wird generell die Zuckerproduktion in den Blättern zurückgefahren. Bei extrem heissen Temperaturen wurden auf den Blättern von Versuchsreben über 40 Grad Blatttemperatur gemessen. Um sich zu schützen, schränkt die Weinrebe die Verdunstung über die Weinblätter ein um eine Austrocknung des Blattgewebes zu vermeiden. Damit vermeidet die Pflanze eine Bildung von Blasen in ihren wichtigsten Leitungssystemen, die zu einer Gefässverstopfung und schliesslich zum Absterben des betroffenen Gewebes führt.

Welche Auswirkungen haben die hohen Temperaturen auf die Erntemenge?
Wie bereits oben angeführt, ist die Weintraube an sich sehr beständig was Hitze und Trockenheit angeht, allerdings stösst auch diese Pflanze früher oder später an ihre Grenzen. Ein Wassermangel zu Zeiten der Blüte verringert die Anzahl der Beeren pro Traube, während Trockenheit im späteren Verlauf zur einer leichteren Beere und damit geringeren Erträgen führt. Beim Farbumschlag sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanze Wasser bekommt, aber nicht zu viel, da sie sonst noch weiter wachsen kann. Generell gilt, dass Hitze und Trockenheit als Dauerzustand geringere Erträge als Konequenz nach sich ziehen.

Wie ist der Reifezustand der Trauben? Ist mit einer frühen Ernte zu rechnen?
Agroscope betreibt seit über 90 Jahren Versuchs-Weingärten in Pully und beobachtet alljährlich Austrieb, Blühbeginn, Ende der Blüte, Beginn der Traubenreife, beziehungsweise der Farbumschlages, der Beginn der Lese und den Zuckergehalt der Trauben am 20. September. Laut diesen Daten hat die Traubenreife 2015 rund zwei Woche früher begonnen, als der Durschnitt erwarten liesse. Im Durchschnitt beginnt das Reifen der Trauben der Chasselas in Pully am 13. August, heuer begannen die Trauben bereits am 28. Juli zu reifen. Damit liegt das Jahr 2015 auf Platz fünf der 91-jährigen Beobachtungen. Nur 2011, 2003, 1952 und 1945 liessen die Trauben schneller reifen. 1976 und 2009 liegen mit dem Jahr 2015 gleich auf. Üblicherweise beginnt die Weinlese im Schnitt 61 Tage nach der Reife also geht Agroscope von einer Lese Ende September aus.

www.agroscope.ch

(Thomas Edlinger)

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