Weinwandern: Wallis per pedes

Die Rebberge von Salgesch bieten einen perfekten Ausblick auf die umliegenden Gipfel.

© Valais Wallis Promotion Pascal Gertschen

Die Rebberge von Salgesch bieten einen perfekten Ausblick auf die umliegenden Gipfel.

© Valais Wallis Promotion Pascal Gertschen

Es geht bergauf, und rechts von uns erscheint die Eingangspforte zum Blausee, jenem wunderschönen Bergsee, den man zumindest einmal in seinem Leben besucht haben sollte. In Serpentinen schlängeln wir uns in Richtung Lötschberg-Basistunnel, kaufen uns an der Kasse das Fahrticket für den Autozug, inklusive der obligatorischen Ovi-Schoggi. Nachdem die Handbremse angezogen ist, ruckelt es leicht, der Zug setzt sich in Bewegung und wir fahren hinein in den stockfinsteren Tunnel, der getrost als Eintrittspforte in die Unterwelt durchgehen könnte. Umso erleichternder das Licht, das uns am Ende erwartet, wir müssen unsere Augen kurz bemühen, aber dann sind wir endlich da, im Wallis, auf dem Weg zu unserer nächsten genüsslichen Weinwandertour. Unsere erste Station ist Visp, das kleine Städtchen an der Mündung von Vispa und Rhone. Dort am Bahnhof beginnt unsere Wanderung mit Ziel Visperterminen, auch Heidadorf genannt. Auf 1150 Metern über Meer befindet sich hier der höchste Weinberg Europas.

Alpines Weinbaudorf

Zunächst geht es durch die malerische Altstadt Visps mit ihren engen Gassen, bevor wir die ersten Rebstöcke am Ufer der Vispa erreichen. Im Zickzack wandern wir entlang des Berghangs und der von kilometerlangen Trockensteinmauern getragenen Rebterrassen, immer den gelben Infotafeln nach, die die Geschichte des Weinbaus erklären, wir lernen, dass die Weinberge hier schon zu Zeiten der Kelten angelegt wurden und dass aus dieser Zeit auch der Name der Rebsorte Heida stammt, der sich von heidnisch ableitet.

Nachdem wir die etwa 500 Höhenmeter bezwungen haben, erreichen wir weiter südlich das Dorf Visperterminen mit seinen romantischen Bergchalets. Hier angekommen, geniessen wir zunächst die wunderschöne Aussicht auf das Vispertal und die umliegenden schneebedeckten Berggipfel. Die Rebberge von Visperterminen werden heute von Hunderten Teilzeitwinzern bewirtschaftet, die kleine Parzellen pflegen, die über Generationen weitervererbt wurden. Der grösste und wichtigste Produzent hier oben ist die St. Jodern Kellerei, die sich in Unterstalden, knapp einen halben Kilometer südlich der Rebterrassen, befindet. Neben der Rebsorte Heida sind vor allem die Weine der Rebsorte Johannisberg von gutem Ruf. Eine gute, schöne und eindrucksvolle Einstiegstour, die sich dank des Lötschberg-Tunnels innert eines Tages bewältigen lässt.

Von Sierre nach Salgesch

Als Nächstes ruft uns Sierre, das von den Wallisern gerne als Hauptstadt des Schweizer Weins bezeichnet wird. Unser Ziel: Salgesch. Der Ausgangspunkt unserer Weinwanderung liegt beim Château de Villa, wo sich zu diesem Zeitpunkt auch die temporäre Ausstellung des hiesigen Weinbaumuseums befindet. Wer sich eine Stärkung zum Start gönnen möchte, sollte auf keinen Fall das Restaurant im Schlösschen verpassen, denn kaum irgendwo sonst im Wallis wird das Nationalgericht der Region – das Raclette –auf derartige Weise zelebriert.

Wir gönnen uns das Degustationsmenü mit fünf verschiedenen Raclettekäsen, eine Reise, die zeigt, dass eben auch ein Käse von seinem Terroir geprägt ist. Im Keller des Gebäudes befindet sich zudem die Oenothèque du Villa, die grösste Walliser Vinothek. Der Ort schlechthin, wenn man sich in die Region eintrinken und ihre Diversität kennenlernen möchte. Zur Degustation stehen mehr als 650 Walliser Weine aller Couleur bereit. Nach der Stärkung geht es los, entlang der 80 Hinweistafeln, die uns dezidierte Informationen über Rebsorten, Geschichte und Weinbau liefern. Der Wein prägt das Wallis als Kulturlandschaft seit langer Zeit.

Viele der Bauern kamen früher aus dem höhergelegenen Seitental Val d’Anniviers und führten einen Lebensstil, den man durchaus als nomadisch bezeichnen kann, im Winter lebten sie im Rhonetal, den Sommer verbrachten sie im Val d’Anniviers. Die zahlreichen Holzchalets, die uns unterwegs begegnen, zeugen von dieser Zeit. Gegen Ende der Wanderung machen wir noch einen Abstecher in die wildromantische Schlucht der Raspille. Hier befindet sich die Sprachgrenze zwischen dem Französisch sprechenden und Deutsch sprechenden Teil des Wallis. Unsere Wanderung endet beim historischen Zumofenhaus in Salgesch. Auch dort befindet sich ein Weinbaumuseum – und wer Winzer besuchen möchte, wird in dem renommierten Weinbaudorf auf jeden Fall fündig. Hier sitzen einige prestigeträchtige Häuser, darunter beispielsweise Adrian & Diego Mathier.

Der wunderschöne Blausee liegt direkt vor dem Lötschbergtunnel von Bern kommend. Er entstand nach einem Felssturz vor über 15'000 Jahren.

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Hoch über Martigny

Hoch über Martigny werden seit Generationen Reben kultiviert. Die Terrassen sind so steil, dass sie nur von Hand bearbeitet werden können, eine Herausforderung für die Winzer und unser Glück, denn unsere Rundwanderung hier ist einfach traumhaft. Wir überqueren den Nebenfluss Dranse über eine historische Holzbrücke und folgen der Strasse rechts, um zum mittelalterlichen Schloss Bâtiaz zu gelangen. Damit wir die Gegend aus der Vogelperspektive be­t­rachten können, steigen wir den Schlossturm hinauf.

Hier erwartet uns ein einmaliges Panorama. Anschliessend geht es durch die Rebterrassen, teils auf steinigem Untergrund. An der Strasse zum Col de la Forclaz erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung. Nun geht es hinab in das urchige, mit seinen traditionellen Holzchalets mitten in den Reben gelegene Dörfchen Plan Cerisier. Eines der Chalets wurde zum Museum umgestaltet – zum kleinsten Museum der Schweiz. Hier finden regelmässig Ausstellungen regionaler Künstler statt. Wir gönnen uns eine Verschnaufpause, bevor wir unseren Rückweg entlang der Dranse zurück ins Städtchen Martigny auf uns nehmen. Auch hier lassen sich nach Voranmeldung diverse Winzer besuchen, unter anderem Gérald Besse, der seit Jahren zur Winzerelite des Wallis gehört. Ausserdem bietet Martigny diverse Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, etwa ein beliebtes Kristallmuseum.


Tipps abseits der Wege

  • Weinbaumuseen Salgesch/Sierre
    An gleich zwei Ausstellungsorten können Weinliebhaber in die Weinhistorie des Oberwallis eintauchen. Das Museum in Salgesch bietet eine Dauerausstellung, während jenes in Sierre wechselnde Ausstellungen zeigt.
    museeduvin-valais.ch

  • Walliser Alpentherme
    Nach einer anstrengenden Wanderung der perfekte Ort, um von Bergriesen umgeben auszuspannen. Direkt am historischen Dorfplatz gelegen und von den alpinen Quellen versorgt. Spa, Thermalbad, Entspannung pur.
    alpentherme.ch

  • Fondation Gianadda
    Das Gebäude wurde 1978 durch Léonard Gianadda in Gedenken an seinen verstorbenen Bruder erbaut. In der Fondation finden sich Werke von Picasso bis Matisse.
    gianadda.ch

Top-Events

  • Swiss Food Festival
    16. August 2019
    18 Zermatter Köche mit 255 Punkten versammeln sich an diesem Tag, um ihr Können bei der Kitchen-Party im «Mont Cervin Palace» und im «Grand Hotel Zermatterhof» zu präsentieren. An 19 Stationen finden Feinschmecker saisonale und regionale Köstlichkeiten.
    tasteofzermatt.ch

  • VINEA Le Salon
    6. und 7. September 2019
    Einmal im Jahr bittet der Weinbauverband des Wallis, die VINEA, zum Degustationssalon nach Sierre. Die Veranstaltung bietet die einzigartige Möglichkeit, rund 800 Weine von knapp 130 Ausstellern aus den sechs wichtigsten Weinbauregionen des Landes zu verkosten. Eine einmalige Veranstaltung hierzulande, die man nicht verpassen sollte.
    vinea.ch

  • Wii-Grill Fäscht
    7. September 2019
    Die Wanderung, die erstmals 1993 stattfand, startet jährlich am ersten Samstag im September auf dem Kaufplatz in der Altstadt von Visp und führt teilweise über alte Fuss- und Saumwege im Zickzack durch den Weinberg Riebe bis hinauf zum Weiler Oberstalden.
    heidadorf.ch/wiigrill

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Falstaff Nr. 04/2019
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