Weinroute Alavesa: Rioja Deluxe

Das Hotel «Marques de Riscal» in Elciego wurde vom Star-Architekten Frank Gehry konzipiert.

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Das Hotel «Marques de Riscal» in Elciego wurde vom Star-Architekten Frank Gehry konzipiert.

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Beschreiben lässt sich das Hotel «Marques de Riscal» nur schwer. Man muss den schwebenden Bau mit eigenen Augen sehen. Da winden sich metallene, bunte Bänder wie vom Wind getragen in der Landschaft, schimmern unwirklich im Sonnenlicht, alles ähnelt einer riesigen Skulptur. Es ist das Erkennungszeichen des Hotels und auch des Stils des Architekten, der für das Haus verantwortlich ist: Frank Gehry.

Wir befinden uns im kleinen Dörfchen Elciego im nördlichen, baskischen Teil der Region Rioja mit dem Namen Alavesa. Hier steht der futuristische Bau des amerikanischen Stararchitekten Gehry, der unter anderem auch das Wahrzeichen Bilbaos, das dortige Guggenheim-Museum, entwarf. Ein Coup für den Tourismus der Hauptstadt des Baskenlandes, denn bis heute ­strömen Besucher genau wegen dieses Gebäudes nach Bilbao. Alleine in den ersten zwölf Monaten nach der Eröffnung vor knapp zwanzig Jahren zog der Museums­tempel 1,3 Millionen Touristen an.

Gehrys Hotel in Elciego ist sicherlich weit entfernt von derartigen Besucherzahlen, schliesslich ist das Haus luxuriös, die Zimmerpreise nicht für jedermann erschwinglich, ein Wahrzeichen ist es dennoch. Nicht zuletzt auch, weil es zum weltbekannten, Rioja-Weingut Marques de Riscal gehört. Die Keller des Traditionshauses befinden sich in direkter Umgebung. Und Riscal, das unmittelbar mit der Geschichte der gesamten Region verknüpft ist, ist eines der ältesten Weingüter am Platz. Hier begann man unter anderem, den Geschmack des Rioja mit seiner vom Barriquefass geprägten Reifung zu formen. Die Weine des Guts sind weltbekannt und stehen fast exemplarisch für einen Stil, eine Region.

Alavesa = Tempranillo

Sprechen wir von der Unterregion Alavesa, geht es bei den Weinen um die Rebsorte Tempranillo. Speziell im kühlen Klima von Alavesa, gepaart mit den vielfältigen Böden von Kalk bis Sandstein, gedeiht die Rebsorte besonders gut. Müsste man die Lagen der Unterregion einstufen, lägen sie auf einer Skala von null bis zehn sicherlich bei einer sieben oder acht. In Jahrgängen mit besonders guter Weinqualität verwenden viele Rioja-Winzer einen Teil der Trauben, um einen limitierten Wein neben ihrer herkömmlichen Produktion zu ­keltern – die sogenannten Vinos de Autor, Autorenweine. In Alavesa stammen diese häufig von einer oder mehreren Kleinst­parzellen.

Wie bei der Architektur in der Gegend macht man hier keine Kompromisse, nur das Beste ist gut genug. Besonders interessant wird die Entwicklung in den nächsten Jahren zu beobachten sein, denn der Kon­trollrat des Rioja hat im letzten Jahr eine Einzellagenklassifikation verabschiedet. Seither dürfen Weingüter in der ganzen Region Weine mit der Lage ausweisen, solange bestimmte Bedingungen hinsichtlich Erntemenge, Alter der Reben und anderem erfüllt sind. Damit folgt der Kon­trollrat einem Bedürfnis, das man seit ge­­raumer Zeit unter den Weinliebhabern nach eigener Aussage spürt. «Es wird spannend zu sehen, wie die Produzenten hier in Alavesa mit diesen neuen Bedingungen um­­gehen, schliesslich ist die Region geprägt von Kleinstparzellen. In welche Weine das Lesegut, also die besten Trauben, der Vinos de Autor künftig fliessen wird, ist jetzt noch nicht abzuschätzen», berichtet der deutsche Rioja-Experte David Schwarzwälder. Seiner Einschätzung nach liegt der Anteil der Einzellagen in Alavesa bei knapp 60 Prozent, demnach dürften von hier in Zu­­kunft auch die meisten Einzellagenweine der gesamten Region Rioja kommen.

Fast wie ein japanischer Tempel schmiegt sich das Kellereigebäude der Bodegas Baigorri in die Landschaft.

Fast wie ein japanischer Tempel schmiegt sich das Kellereigebäude der Bodegas Baigorri in die Landschaft.

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Kathedralen des Weins

Einer der sogenannten Autorenweine, ­produziert von mehreren Kleinstparzellen, ist der B70 von Baigorri, ein reinsortiger Tempranillo, der zur absoluten Spitze des Alavesa gehört und von dem nur knapp 1200 Flaschen produziert werden. Die Bodegas Baigorri selbst, nördlich von ­Elciego in Samaniego gelegen, sind ein ­weiteres architektonisches Highlight der Region Alavesa – ein imposanter Glaskasten, entworfen vom bekannten Architekten Iñaki Aspiazu, der sich fast wie ein japanischer Tempel in die Landschaft schmiegt. Aspiazus Ziel bei der Konzipierung des ­Kellergebäudes war es, Funktionalität – schliesslich handelt es sich um ein Weingut – und perfektes Design zu verbinden. Durch die spezielle Architektur des Gebäudes ­können alle Produktionsschritte mittels Schwerkraft vorgenommen werden, so werden die Trauben besonders schonend verarbeitet, und das ist eine Grundvoraussetzung, wenn es um höchste Qualität geht.

Eine weitere architektonische Ikone der Region Alavesa sind die Bodegas Ysios. Das imposante Kellereigebäude in Laguardia wurde vom berühmten spanisch-schweize­rischen Architekten Santiago Calatrava konzipiert, der unter anderem für die Path-Station am New Yorker Ground Zero und den Zürcher Bahnhof Stadelhofen verantwortlich ist. Für die Bodegas Ysios wählte Calatrava einen Entwurf, der das Gebäude nahezu perfekt in das dahinter liegende Kantabrische Gebirge einbettet. Es wirkt wie ein modernes Gotteshaus, eine Kathe­drale, deren zentrales Element mit einer ­Prise Fantasie einer Reihe überdimensionierter Orgelpfeifen gleicht. Die wellige Komposition aus Holz und Metall wirkt äusserst futuristisch und gehört sicherlich ­zu den beeindruckendsten Kellereigebäuden auf unserem Planeten. Natürlich machen die Bodegas Ysios nicht nur visuell einen hervorragenden Eindruck, sondern glänzen auch mit modernen, fruchtgetriebenen Weinen aus der Rebsorte Tempranillo.

Terroir-Tempranillo

Einer der leuchtenden Sterne der Rioja ­Alavesa sind sicherlich die Bodegas Pujanza. Weinmacher Carlos San Pedro gehört zu den führenden Köpfen des modernen Rioja und begeistert Kritiker und Weinliebhaber mit seinen Gewächsen weltweit. Das angesprochene Einzellagenprinzip gehört bei ihm zum Konzept. Seine Aushängeschilder, Pujanza Norte, gekeltert aus Trauben von den höchsten Weinbergen in Laguardia, wo das Weingut ansässig ist, und Cisma, ein Tempranillo aus wurzelechten Reben, also aus der Zeit der Reblauskatastrophe, sollen das einzigartige Terroir der Alavesa auf die Flasche transportieren – und das schaffen sie auch.

Auch visuell unterstützt San Pedro den Einzellagencharakter seiner Weine und verwendet anstelle der Bordeaux-Flasche die Burgunderform, schliesslich stammt dieses Konzept des Weinmachens aus jener Weinregion in Frankreich. Für Tempranillo-Liebhaber und Weingeniesser mit architektonischem Interesse ist Rioja Alavesa «the place to be» und immer eine Reise wert.

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