Weinlese: Grosse Zuversicht in Italien

Das Weingut Ornellaia berichtet von einem hervorragenden Potenzial der Trauben.

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Das Weingut Ornellaia berichtet von einem hervorragenden Potenzial der Trauben.

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Sangiovese – Hohes Aromenpotenzial

Sangiovese gilt als die Königsrebe der Toskana. Das Weingut Castello di Brolio startete mit der Lese in diesem Jahr etwas verfrüht Mitte September: «Bis heute haben wir die Trauben der am ehesten reifenden Parzellen und auch die für einige edle Crus wie den Roncicone in den Keller gebracht. Die Lage Colledilà ist fast reif für die Lese, während die Parzellen, aus deren Trauben der Cru CeniPrimo vinifiziert wird, erst Anfang Oktober gelesen werden.» Mit dem Ergebnis ist Francesco Ricasoli allerdings bereits jetzt zufrieden: «Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir sehr gesunde Trauben ernten konnten, die von der schönen Wärme in der ersten Septemberhälfte profitiert haben».

Das Spitzenweingut Tenuta Luce aus Montalcino, hat die Ernte des Sangiovese ebenfalls Mitte September begonnen. «Mit der Lese der für unseren Cru Luce Brunello bestimmten Trauben werden wir aber noch einige Tage warten», erklärt Marchese Lamberto Frescobaldi, der bereits positiv gestimmt ist: «Die Trauben sind schön und präsentieren ein hohes Aromenpotenzial. Wir vertrauen somit auf einen weiteren schönen Brunello-Jahrgang für Tenuta Luce».

Die Fattoria Le Pupille in der Maremma hat seine Lese hingegen bereits abgeschlossen: «Die Lese begann verfrüht mit einer intensiveren Selektion im Weinberg, und wir freuen uns über schöne, kräftige Trauben mit optimaler Polyphenolreife, also sehr vielversprechend. Das gilt sowohl für den Sangiovese für den Morellino di Scansano als auch die Trauben für unseren renommierten Cru Poggio Valente», sagt Ettore Rizzi, Inhaber des Weinguts.

Die Tenuta Luce aus Montalcino

Die Tenuta Luce aus Montalcino

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Weissburgunder – Idealer Reifegrad

Andreas Moser von der Kellerei Kaltern, die mit 650 Mitgliedern die grösste Winzergenossenschaft Südtirols ist, befindet sich bereits in der Schlussphase der Lese, die herausfordernd startete: «Der Beginn der Lese hat uns hart auf die Probe gestellt, aber ich bin sehr zufrieden mit dem bisher geernteten Pinot Bianco und vor allem mit den Trauben für unseren Cru Vial. Erste Analysen ergaben eine sehr positive Perspektive: Guter Säuregehalt und niedrige pH-Werte. Ich kann mir vorstellen, dass der Weissburgunder dieses Jahres eine wirklich interessante Würze haben wird und vor allem die Partien, bei denen wir mit der Ernte abgewartet haben, haben uns Trauben mit idealem Reifegrad beschert, die – da bin ich sicher – grosse, lagerfähige Pinot Bianco-Weine ergeben werden.»

Nebbiolo – Kurz vor der Vollreife

Das Weingut Pio Cesare steht kurz vor der Ernte der Nebbiolo-Trauben, aus denen in den Langhe im Piemont die Spitzenweine Barolo und Barbaresco erzeugt werden. «Unsere Nebbiolo-Trauben stehen kurz vor der Vollreife, die wir in circa zehn Tagen erwarten. Der volle Zuckergehalt ist schon erreicht, die Phenolreife aber noch nicht ganz. Wir werden in den ersten Oktobertagen mit der Lese beginnen und damit früher als in den letzten Jahren», sagt Federica Boffa aus der fünften Eigentümer-Generation. 

Vermentino – Gesunde Trauben mit schöner Säure

Das heisse und trockene Klima auf der Insel Sardinien eignet sich optimal für den Anbau von Vermentino. Massimo Ruggero vom Weingut Siddùra ist froh, dass es trotz der Hitze im vergangenen Sommer immer ausreichend Wasser gab, «bis auf die wärmsten Wochen zwischen Juli und August, in denen wir gezielt eingreifen mussten, um die richtige Feuchtigkeit im Boden zu garantieren». Mit dem Ergebnis seiner Ernte, die er abgeschlossen hat, ist der Gutsdirektor überaus zufrieden: «Auf Siddùra haben wir perfekt gesunde Trauben mit schöner Säure geerntet, eine Grundvoraussetzung, um dem Vermentino auch Langlebigkeit auf der Flasche zu schenken. Die Mengen entsprechen genau denen der Vorjahre.»

Das Weingut Siddùra auf Sardinien

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Cabernet Sauvignon & Co. ­– Beachtliches Potenzial

Die Tenuta Ornellaia ist mit den ersten Ergebnissen der diesjährigen Weinlese sehr zufrieden: «2020 ist ein gutes Beispiel für den mittlerweile unvorhersehbaren Charakter des Klimas: Wir hatten mit verschiedenen Szenarien zu kämpfen, Hitzeperioden neben kühleren und regnerischen Phasen. Die Ernte der Merlot-Trauben war am 15. September beendet und alles ist im Keller. Aktuell lesen wir auf Ornellaia die ersten Trauben von Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot. Die Trauben sind schön, reif und zeigen ein beachtliches Potenzial», sagt Axel Heinz, Gutsdirektor beider Betriebe.

Merlot – Frische und Eleganz

Die Tenuta di Trinoro in der Toskana wartet noch auf die Ernte des Merlots: «Der zunehmende Mond im September wird den Merlot-Trauben zu ihrer endgültigen Reife verhelfen. Jetzt gehe ich jeden Morgen in die Weinberge, um die Beeren zu verkosten, weil man den Geschmack spüren kann, der sich über Nacht weiterentwickelt hat», sagt Besitzer Andrea Franchetti.

Auch Marchese Anselmo Guerrieri Gonzaga vom Weingut San Leonardo im Trentino ist bereits zuversichtlich: «Die Analysedaten zeigen eine optimale Säure und einen guten pH-Wert, der Zuckergehalt ist nicht so hoch und das wird zur Frische und Eleganz des Weines beitragen, charakteristische Merkmale unseres San Leonardo».

Pinot Nero – Gute Ausgewogenheit zwischen Frucht und Vegetation

Das Weingut Conte Vistarino in der Lombardei baut seit Mitte des 19. Jahrhunderts Pinot Nero an, sein Sortiment umfasst dabei fast ausschliesslich Interpretationen der Rebsorte. «Schon seit zwei Wochen sind alle Trauben unseres Pinot Nero im Keller und werden gerade vergoren», sagt Ottavia Vistarino. «Wir haben mit den Trauben für die Schaumweine am 19. August angefangen, es folgten die für unsere Rotweine, darunter die Crus Pernice, Bertone und Tavernetto. Besonders froh sind wir in diesem Jahr über die gute Ausgewogenheit zwischen Frucht und Vegetation. Das ergibt einen nicht so hohen Alkoholgehalt und wir rechnen mit besonders raffinierten Pinot Nero-Weinen

Nerello Mascalese – Optimale Aussichten

Die Rebsorte Nerello Mascalese gehört zu den spätest reifenden Siziliens. «Wenn das Klima sich weiter so verhält, werden wir in den ersten Contraden gegen Ende Oktober mit der Lese beginnen», sagt Vincenzo Lo Mauro vom Weingut Passpisciaro. Er berichtet aber bereits jetzt von einem perfekten Zustand der Trauben. Dank der spätsommerlichen Hitze und der Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht schreitet die Reifung, dem Weingutsdirektor zufolge, optimal voran. «Aber jeder Jahrgang ist anders in der Weinwelt, vielleicht mehr als in anderen Bereichen, und man lernt wirklich nie aus.»

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