Weine aus Luxemburg

Weinbau in Luxemburg: Auch die Obermosel zieht Schleifen wie hier an der Grenze zu Deutschland.

© Shutterstock

Weinbau in Luxemburg: Auch die Obermosel zieht Schleifen wie hier an der Grenze zu Deutschland.

© Shutterstock

D’Musel ass een vun denen Flöss, bei dem man direkt un Wäin denkt. Mä kaum een dënkt dodrun, dat d’Quell vun der Musel an de Vogesen ass an dat déi éicht Wëngerten vun der Musel sech am Frankreich befannen.» Das war Lëtzebuergesch – und bedeutet: «Die Mosel ist einer derjenigen Flüsse, bei denen man sofort an Wein denkt. Doch kaum jemand denkt daran, dass die Mosel in den Vogesen entspringt und dass die ersten Mosel-Weinberge in Frankreich liegen.»

Ein paar deutsche Elemente, ein paar moselfränkische, ein paar französische: Das ist der ganz spezielle Luxemburger Mix, und das nicht nur in der Sprache, sondern auch beim Wein. Auf den Etiketten liest man Ausdrücke wie «Grand Premier Cru», «Côteaux de …» oder «lieu-dit». Französisch ist die Sprache fürs Offizielle und fürs Prestige. Selbst das Dekret, das Lëtzebuergesch zur Amtssprache erhebt, ist auf Französisch verfasst.In Luxemburger Flaschen findet man hingegen meist Weissweine, die – wie es flussabwärts am berühmteren Flussabschnitt üblich ist – von mehr oder weniger Restsüsse in der Balance gehalten werden. Doch dann enden die deutschen Anleihen auch schon wieder: Die irgendwie preussisch anmutende «trocken-halbtrocken-fruchtig»-Skala ist den Luxemburgern fremd. Der Wein ist halt so süss, wie Gott und der Winzer ihn gemacht haben. Das wiederum ist dann vielleicht etwas französischer, als es die Franzosen sind.

Luxemburgs emblematischer Riesling-Weinberg: Wormeldange Koeppchen mit Kapelle.

Foto beigestellt

Bei den Rebsorten bedienen sich die Luxemburger auf beiden Seiten: Die flächenmässig wichtigste Sorte ist der Rivaner, also Deutschlands Müller-Thurgau. Mehr Prestige haben die Burgunder-Sorten – allen voran der Auxerrois, der als Luxemburger Spezialität gilt. Und natürlich gibt es, nur dreissig, vierzig Kilometer Luftlinie vom Scharzhofberg entfernt, auch Riesling. «Ich wollte eigentlich nie Riesling machen, sondern viel lieber Sorten, die sich für den Barriqueausbau eignen», sagt der Winzer Abi Duhr aus Grevenmacher, einem Städtchen, das man fast als Vorort von Trier bezeichnen könnte. Dann stellt er Chardonnay und Auxerrois zurück und giesst seine Rieslinge ein: erst die alten Reben aus der Lage Paradaïs, dann «Sous la Roche-Rue» und zuletzt «Vieilles ­Vignes».

«Paradaïs» zeigt die würzige Frische der kühlen Obermosel und verbindet sie mit einer fast burgunderhaften Textur. «Sous la Roche-Rue» elektrisiert mit einer Hallo-Wach-Säure, und die «Vieilles ­Vignes» entfalten auf seidigem Hintergrund einen grossen Spannungsbogen. In allen drei Weinen wetteifert die Saftigkeit des deutschen Riesling-Stils mit der terroirgeprägten Verdichtung Frankreichs. Noch stärker auf den Riesling fokussiert die Domaine Alice Hartmann in Wormeldange. Das Weingut ist Hoflieferant – mit gutem Grund, denn zum Weingut gehören die Filetstücke in der besten Riesling-Lage Luxemburgs: Wormeldange Koeppchen. Noch aussagekräftiger als die Tatsache, dass der Wein am Tisch des Monarchen gereicht wird, ist die Tatsache, dass die Weine per Allokation zugeteilt werden wie grosse Bordeaux – und dabei langfristig ausverkauft sind: «Unseren Prestige-Crémant haben wir bereits bis zum Jahr 2020 komplett zugeteilt», freut sich André Klein, der für die Verkäufe des Zwölf-Hektaren-Weinguts zuständig ist. Kaum anders sieht es bei den Lagen-Rieslingen aus, oder bei Chardonnay und Pinot Noir. Mit Hans-Jörg Befort steht bei Alice Hartmann ein Deutscher im Keller, der einen kurzen Weg zur Arbeit hat: Von Nittel, wo Befort gemeinsam mit seinem Bruder das Weingut seiner Familie leitet, fährt er gerade einmal acht Kilometer zur Arbeit.

Auch in Luxemburg – hier bei den Caves Gales – findet der Weinbau meist in Steillagen statt.

Foto beistellen

Besondere Böden

Auch Arno Bauer ist ein deutscher Gastarbeiter in luxemburgischem Dienste. Sein Arbeitsweg führt ihn täglich von der Ruwer nach Remich, wo er drei unter dem Dach der Familie Gales vereinte Betriebe leitet: die Domaine St Martin sowie die Caves Gales und Krier Frères. Bauer geht auf die steil hinter dem Büro­gebäude aufragende Felswand zu und schliesst dort eine Tür auf. Ein Schalterknipsen wirft Licht in einen Stollen, der Dutzende Meter in den Fels reicht. Edelstahltanks säumen den Weg hinein in den Berg, es riecht frisch und kühl und ein klein wenig nach Wein. «Wenn es kräftig geregnet hat, muss man hier unten nach ein paar Tagen den Regenschirm aufspannen, weil das Wasser durch den Muschelkalk sickert», berichtet Bauer amüsiert. 25 Meter hoch liegt der Stein über dem Keller.

Das Sickern des Regenwassers durch den Muschelkalk illustriert, dass Luxemburgs Weinbau ganz andere Bedingungen hat als etwa die Mittelmosel: Es gibt in Luxemburg keinen Schiefer. Die Obermosel gleicht eher der Trias-Landschaft Frankens: Die meisten Reben wachsen auf Muschelkalk, und in den höheren Lagen tritt der Keuper zutage. In einem solchen Abschnitt flussaufwärts haben Luxemburgs Bio-Pioniere ihr Domizil. Corinne Kox-Sunnen und ihr Bruder Yves Sunnen waren die Erben eines alteingesessenen Weinguts mit Kellerei. Im Jahr 2001 beschlossen sie, den Zukauf von Trauben zu stoppen und die eigenen Weinberge auf Bio-Bewirtschaftung umzustellen. Ihre Weine gehören heute zu den besten des Landes und spielen auch im namhaften Win­zerzusammenschluss «Domaine & Tradition» eine führende Rolle, doch an die Anfänge denkt Kox-Sunnen mit gemischten Gefühlen: «Manche Nachbarn dachten, wir würden Krankheiten in die Weinberge einschleppen. Es war nicht einfach damals.»

Corinne Kox-Sunnen und Yves Sunnen stellten das Familienweingut 2001 auf Bio-Bewirtschaftung um.​

© Raphael Maass

Zurück zu Abi Duhr nach Grevenmacher. Nach all den Rieslingen steht nun ein 2009er Auxerrois im Glas. «Die alten Winzer sagten, dass der Luxemburger Auxerrois nach ein paar Jahren Flaschenreife wie ein Chablis schmeckt. Da dachte ich mir, dann kann ich ihn auch gleich ins Barrique legen.» Wie recht sie doch hatten, beide: die alten Winzer und Duhr. Dann kommt die nächste Flasche. «Die Alten sagten aber auch, dass wir in Luxemburg nicht die richtigen Böden für fruchtsüssen Riesling haben.» Und doch hat Duhrs Botrytis-Auslese 2015 grosses Spiel. Keine Frage: Es lohnt sich, ein Auge auf das Weinland Luxemburg zu haben.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 06/2017
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

Serie an Frostnächten lässt Winzer verzweifeln

Winzer aus ganz Mitteleuropa melden Schäden – in den Schweizer Weinbergen kämpfen Winzer mit Frostkerzen gegen die Kälte.

News

Out of Africa: Constantia Hill

Leo Hillinger gilt unter Österreichs Winzern als Marketing-Genie mit hohem Bekanntheitsgrad. Alexander Waibel stammt aus einer Vorarlberger...

News

Graubünden: Erlesene Handarbeit

Generationenwechsel, alternative Rebenpflege, Beschränkung aufs Wesentliche und ein abgeklärter Altmeister. Ein Sommerbesuch in der Bündner...

News

Götterdämmerung im Beaujolais

Das Beaujolais steht vor einer Zeitenwende: Einst eine Quelle für harmlos fruchtigen Tischwein, besinnen sich die Winzer inzwischen auf die...

News

Solidaritätsbewegung zugunsten der Walliser Weine

Der Branchenverband Walliser Weine startet eine Aktion zur Unterstützung der Weinbauern nach der Frostwelle im Frühling.

News

Ein Wochenende bei Monteverro

Zur Lese September 2017 verbrachten die Falstaff-Gewinner ein Wochenende in dem Weingut, das in einem der mineralhaltigsten Anbaugebiete der Welt...

Advertorial
News

Eventtipp: Salon du Champagne in Genf

Die einzigartige Champagnermesse findet am ersten Novemberwochenende bereits zum vierten Mal statt.

News

Vergani: Auguri für 125 Jahre

Grande Festa beim Zürcher Traditionshaus: Vergani feierte am 20. September das 125-jährige Jubiläum und lud zum rauschenden Fest mit Freunden, la...

Advertorial
News

Pop-up Bar von Alois Lageder in Bozen

Die temporäre «Hel Yes! Paradeis» Weinbar im Parkhotel Laurin lädt noch bis 28. Oktober zum Degustieren und Staunen ein.

News

Gewinnspiel: Rare Weine aus der AOC Minervois-La Livinière entdecken!

Exklusiv: Perlen der Domäne Château Sainte-Eulalie beim Wein-Club DIVO. Gewinnen Sie einen Entdeckungs-Kartons!

Advertorial
News

Australien: Mythos Barossa

Die Australische Weinbauregion Barossa besteht aus zwei Teilen: Im extrem heissen Barossa Valley wachsen Power-Rotweine aus der würzig-­fruchtigen...

News

Dream Team – Die Top Weine von Toni Ottiger und Co.

Der Luzerner Winzer Toni Ottiger erzeugt mit seiner patenten Crew in Kastanienbaum von Jahr zu Jahr bemerkenswertere Weine.

News

Eventtipp: Schweizer Weine auf dem Wyschiff

Im November laden jeweils 20 heimische Winzer ins «Wyschiff» nach Solothurn und Zug.

News

World Champions: Louis Roederer

Das Champagnerhaus Louis Roederer ist heute der grösste unabhängige Betrieb, der sich über Generationen hinweg in Familienbesitz befindet.

News

Wein aus Apulien: Weit mehr als Primitivo

Lange Zeit war Apulien für Tafeltrauben und Fassweine bekannt. Damit wurden meist Weine aus dem Norden aufgepeppt. Das hat sich geändert.

News

Rebenverwandtschaft: Grauburgunder & Pinot Gris

Grauburgunder ist ein Wein mit vielen Gesichtern und ebenso vielen Namen: Pinot Gris, Ruländer, Pinot Grigio, Sivi Pinot sind alles Bezeichnungen für...

News

Italien: Weinjahr 2017 letztlich positiv

Nach einer wettertechnisch extremen Wachstumsphase, können Italiens Winzer jetzt doch noch eine weitgehend positive Bilanz ziehen – was die Qualität...

News

Es grünt so grün: Verdejo aus der Rueda

In der Weißwein-Oase Spaniens wird trinkfreudiger Verdejo gekeltert. Einige Weingärten haben die Reblaus überdauert und sind über 150 Jahre alt.

News

Verlosung von 2 x 2 Tickets für die Schaumwein Degustation der Paul Ullrich AG

Frei nach Madame Pompadour: «Champagner ist das einzige Getränk, das Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken.» Wir öffnen für Sie, was das...

Advertorial
News

Tischgespräch mit Christopher Ventris über...

… Shiraz-Abende in mehreren Gängen.