Das Weingut Burg Taggenbrunn thront über St. Veit an der Glan / Foto beigestellt

Im Hause Riedl sind alle Uhren auf Erfolg gestellt. Das ist beim Kärntner Paradeunternehmen Jacques Lemans so und auch beim neuen Weingutprojekt Burg Taggenbrunn soll es nicht anders sein. An das neue Venture der Riedls wurde von der Planung bis zur Umsetzung mit der sprichwörtlichen Präzision eines Schweizer, nein, Kärntner Uhrmachers herangegangen und nichts dem Zufall überlassen.

Angetrieben von der Liebe zum Wein, aber auch von der Vision, hier einen Ort der Begegnung zu schaffen, wurde ein Projekt in Angriff genommen, das, wenn schon nicht eines Pharaos, so doch zumindest eines Fitzcarraldos würdig erscheint. Ein ganzer bewaldeter Berg von 89 Hektar wurde grossteils gerodet und in einen Rebberg verwandelt. Die hier gelegene Burg Taggenbrunn ist nun wieder weithin sichtbar und wurde zum Markenzeichen des Weingutes. Auf den Ruinen der einstigen Wirtschaftsgebäude entstand unter sensibler Einbeziehung der alten Sub​stanz ein State of the Art ausgestattetes Weingut. Das Gesamtprojekt verfügt über enormes touristisches Potenzial und wird dem aufstrebenden Kärntner Weinbau künftig mit Gewissheit als qualitativer Taktgeber dienen.

In unmittelbarer Nähe von St. Georgen, am Längsee bei St. Veit an der Glan, thront die Burg Taggenbrunn auf den Überresten einer keltisch-römischen Ringwallsiedlung aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Lange im Besitz des Erzbischofs von Salzburg, wurde Taggenbrunn im Jahr 1796 erstmals als Ruine genannt. 2001 erwarb der Industrielle Alfred Riedl das Anwesen, seither wurden die Ruine und die umliegenden Gebäude mit grossem Aufwand und viel Liebe zum Detail restauriert. Historisch besonders wertvoll sind der Getreidespeicher und das Marhaus, die Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurden und heute noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind. Die gesamte Anlage mit einer Fläche von zirka 120 Hektar wurde in den letzten Jahren unter strengsten Auflagen kultiviert, heute wird auf einer Fläche von siebzig Hektar exzellenter Wein angebaut. Das vollständig restaurierte Stallgebäude aus dem Jahr 1803 kann bereits für Veranstaltungen mit bis zu eintausend Gästen für Hochzeiten oder Kongresse gebucht werden. Die Burg selbst ist zurzeit aufgrund der Renovierungsarbeiten noch geschlossen, wird aber voraussichtlich ab 2017 wieder öffentlich zugänglich sein.

Einst wurde von hier ganz Kärnten regiert, die strategisch bedeutende Lage wird bei einem Rundblick klar. Der Sichtkontakt zu den nächsten Festen war von eminenter militärischer Bedeutung – wie etwa auf Burg Hochosterwitz im Osten, ins Glantal mit Liebenfels und Glanegg oder auf Schloss Frauenstein im Westen, auf Freiberg und die Kraiger Schlösser im Nordwesten sowie der freie Blick in den Süden Richtung Zollfeld. Heute liegen die Zentren des Kärntner Weinbaus im Bezirk St. Veit an der Glan, mit dem Längsee und rund um die Burgen Taggenbrunn und Hochosterwitz.

Das Unternehmerpaar Alfred und Andrea Riedl zählt seit Jahren zu den Vorreitern des neuen Kärntner Weinbaus. Bereits in den 1990er-Jahren haben sie auf ihrem bei St. Veit an der Glan gelegenen Gut, dem Pirkerhof, erste Reben ausgesetzt. Rund 15 Hektar stehen heute bereits im Vollertrag, die Trauben von hier sind die Basis für die aktuell produzierte Weinpalette. Mit dem Erwerb des Geländes rund um die Ruine Taggenbrunn ergab sich die Möglichkeit, weitere Weingärten anzulegen. Dazu wurden die Wälder und Böschungen mit Südexposition zunächst gerodet und schliesslich mit grossem Aufwand in wertvolle Weingärten verwandelt. Der Unterboden in Taggenbrunn besteht aus Schiefer und verspricht zukünftig noch wertigere Trauben wie jene vom reichen Konglomeratboden am Pirkerhof. Geologen haben nachgewiesen, dass der Burgberg aus Auswurfmaterial von Vulkanen gebildet ist, die nicht weit von hier in grauer Vorzeit brodelten. In den Junganlagen wurde Chardonnay, Gelber Muskateller, Sauvignon Blanc sowie Blauer Zweigelt und Pinot Noir ausgepflanzt, bis zur Jungfernlese wird es hier noch ein, zwei Jahre dauern. Neu mit dabei ist Kellermeister Hubert Vittori, der sich mit seinem eigenen Weingut «Vinum Virunum» bereits als Winzer einen guten Namen gemacht hat.

BILDERSTRECKE: Impressionen vom Weingut Burg Taggenbrunn

Text von Peter Moser
Aus Falstaff-Österreich Nr. 08/2015

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