Von Kylie bis Sting: Promi-Weine im Falstaff-Check

Gemeinsam mit dem Weinmacher Marc Perrin (r.) schuf Brad Pitt eines der erfolgreichsten auf Rosé spezialisierten Weingüter der Welt.

© chapuis-photo.com pour Miraval

Von Kylie bis Sting: Promi-Weine im Falstaff-Check

Gemeinsam mit dem Weinmacher Marc Perrin (r.) schuf Brad Pitt eines der erfolgreichsten auf Rosé spezialisierten Weingüter der Welt.

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Was haben Kylie Minogue, Gordon Ramsay, Sting und John Malkovich gemeinsam? Natürlich, sie alle sind berühmt – und sie alle sind in den letzten Jahren ins Weinbusiness eingestiegen. Die Meldungen über Promis, die ein Weingut besitzen oder zumindest Wein unter ihrem Namen vermarkten, werden nicht weniger. Im Gegenteil! Nahezu im Wochenrhythmus vermelden die Klatschspalten entsprechende Investitionen von Prominenten. Viele Weinkenner nehmen das zwar zur Kenntnis – doch die Weine probiert haben nur die wenigsten. Warum sollte man auch einen Wein trinken von einer Person, die gut Fussball spielt, singt oder Rennwagen fährt? Zahlt man da nicht einfach für den Namen? Nun, nicht zwangsläufig. Nach einer ausgedehnten Verkostung kann Falstaff vermelden: Promi-Weine zu trinken kann sich durchaus auszahlen, weil einige echt gut schmecken – und in den meisten Fällen auch nicht teurer als andere Weine sind. 

Spitzenreiter bei der Falstaff-Verkostung mit insgesamt knapp 90 Weinen waren einerseits der legendäre «Inglenook Rubicon 2011» vom kalifornischen Weingut des Filmemachers Francis Ford Coppola («Der Pate») und andererseits der «O.T. Toscana Rosso 2015» vom Weingut des Starfotografen Oliviero Toscani, der durch seine provokanten Sujets für die italienische Modemarke Benetton ab den 1980er-Jahren Legendenstatus erreichte. Beide Weine erzielten je 95 Punkte! Coppola und Toscani sind alte Hasen im Weinbusiness. Beide machten die ersten Schritte in diesem Bereich bereits bevor sie auf ihren Gebieten zu Legenden wurden – also bereits in den 1970er-Jahren. Coppola gehört heute nicht nur im Filmbusiness zu den lebenden Legenden, sondern auch im kalifornischen Weinbau, seine Weinlinie ist breit und divers. Toscani hingegen setzt auf Handwerk – mitterweile ist sein Sohn Rocco um die Geschicke des Weinguts bemüht, bewirtschaftet die zwölf Hektar Reben biologisch und übt Zurückhaltung im Keller.

Regielegende Francis Ford Coppola war schon im Weinbusiness aktiv, bevor er als Filmemacher durchstartete: 1970 erwarb er das Weingut «Inglenook» im Napa Valley.

© ONLINE_YES/Polaris/laif

Spitzenweine von Stars

Auch taufrische Weinprojekte von Prominenten beeindruckten die Falstaff-Verkoster. Der britische Koch Gordon Ramsay etwa lancierte seine eigene Weinlinie erst vor wenigen Wochen und stellte gleich die beste Kollektion der gesamten Verkostung. Ramsay, der für seine direkte Kritik und seinen unfehlbaren Geschmack berühmt-­berüchtigt ist, bleibt auch hier seiner Linie treu. Die Falstaff-Kritiker mussten bei der Weinbeschreibung keine Kraftausdrücke bemühen, sondern waren begeistert von den Gewächsen aus Kalifornien. Ramsays Weine werden von Seabold Cellars in Monterey hergestellt. Er kollaboriert hierfür mit renommierten Experten. Verkauft werden die Weine insbesondere über einen eigenen Weinclub in den USA. In Europa befindet sich die Distribution noch im Aufbau. Schwer wird es nicht werden, die Flaschen unter die Leute zu bringen. Denn mit 35 Restaurants – davon 15 alleine in London – verfügt Ramsay schon selbst über zahlreiche direkte Absatzmöglichkeiten.

Das Engagement in der Weinbranche ist für die meisten Stars nicht etwa bloss ein Goodie für ihre Fans oder eine Nebenbeschäftigung, sondern ein ernstzunehmender Business-Case. Das provenzalische Rosé-Weingut Château Miraval beispielsweise ist trotz Trennung immer noch im Besitz des einstigen Hollywood-Traumpaars Angelina Jolie und Brad Pitt – Liebe vergeht, Hektar besteht. Als 2012 der erste Château Miraval lanciert wurde, erwartete die Weinszene nicht unbedingt, dass der Wein bald zu einer Benchmark für Rosé de Provence werden würde. Doch heute darf man Miraval durchaus als solche bezeichnen. Verantwortlich für die Weinqualität zeichnet die legendäre Weinmacher-Familie Perrin, die mitunter das ikonenhafte Rhône-Weingut Château de Beaucastel ihr eigen nennt. Mutmasslich verkaufen sich heute nicht wenige Flaschen des Miraval-Rosés ganz einfach deshalb, weil das Weingut für gleichbleibend hohe Qualität bekannt ist und nicht wegen der berühmten Besitzer. Auch in der Falstaff-Verkostung überzeugte der aktuelle Jahrgang 2020 mit 93 Punkten.

Schauspieler John Malkovich hält sich bei seinem Weingut namens Les Quelles de la Coste  dezent im Hintergrund.

© an HANNING/REA/laif

Kommerziell erfolgreiche Star-Winzer

Die grossen Welthits von Kylie Minogue liegen zwar schon eine Weile zurück. Dafür startet die britisch-australische Sängerin nun mit ihrer im letzten Jahr lancierten Weinmarke durch. Mehr als eine Million Flaschen verkaufte Minogue bisher. Dank frischer, unkomplizierter Tropfen, die auch die Falstaff-Jury überzeugten. Zum Portfolio gehören ein französischer Rosé sowie ein vor Kurzem lancierter Rosé-Prosecco. Letzterer in maximal femininer Flasche mit Herzchen-Optik. Minogues Name prangt auf den Etiketten, die Werbefotos könnten auch einem Hochglanz-Modemagazin entstammen.

Minogue inszeniert sich für ihre Weinlinie ganz bewusst, ganz anders als beispielsweise John Malkovich. Der amerikanische Schauspieler, bekannt für seine charakterstarken Darbietungen, spielte bei unserer Verkostung mit seinem Weingut Les Quelles de la Coste ebenfalls eine bedeutende Rolle. Bei der Vermarktung seiner südfranzösischen Weine hält sich der Star aber im Hintergrund. Ganz einfach deshalb, weil es nicht um ihn, sondern um das Weingut geht. Malkovich selbst sei bereits berühmt und man wolle nun Les Quelles de la Coste berühmt machen, so die Erklärung auf die Nachfrage, warum sein Name nur ganz klein auf dem Rückenetikett der Flaschen zu finden ist. Wie unsere Verkostungsergebnisse zeigen, ist das Team um John Malkovich und dessen Frau Nicoletta Peyran auf dem besten Wege, Les Quelles de la Coste auf die Weinlandkarte zu bringen. Nächstes Ziel des Amerikaners ist es, einen wirklich guten Cabernet Sauvignon in die Flasche zu bringen. Sein Team arbeitet daran.

Kylie Minogue

Erfolgreich auch im Weinbusiness: Die australisch-britische Sängerin Kylie Minogue verkaufte in nur einem Jahr mehr als eine Million Flaschen Wein.

© Darenote Ltd

Die schwarzen Schafe

Um im Weinbusiness erfolgreich zu sein, braucht es mehr als nur einen berühmten Namen. Genau das zeigen die Promi-Weine, die bei der Falstaff-Verkostung abräumten. Allesamt Weine, bei denen die jeweiligen Stars massgeblich zum Resultat beitragen und sich mit den Produkten identifizieren. Natürlich gibt es aber auch andere Beispiele. Im Formel-1-Sport etwa war es eine Zeit lang angesagt, Weine mit den Namen berühmter Fahrer auf dem Etikett zu vermarkten. Die Weinqualität stand dabei offensichtlich eher im Hintergrund. Gleiches gilt für viele Weine mit Namen bekannter Musiker. Ein amerikanisches Unternehmen lanciert und vertreibt einfache Massenweine und schmückt sie mit branchenfremden Federn: Etwa mit den Logos der Rockbands Kiss, The Rolling Stones oder The Police. In der Falstaff-Verkostung wurden diese reinen Marketingprodukte deshalb auch bewusst links liegen gelassen.

Das Fazit unserer Verkostung? Wie alle anderen Weine auch, sind Star-Weine nur so gut wie die zugrunde liegenden Trauben und die Qualität der Verarbeitung. Bei der Vermarktung aber geniessen die Promi-Tropfen einen Startvorteil. Denn schliesslich sind erfolgreiche Prominente vor allem was? Gute Vermarkter und Unternehmer! Bester Beweis hierfür ist die amerikanische Rap-Legende Jay Z. Im Jahr 2014 kaufte er die Markenrechte des Champagners Armand de Brignac. Die Produktion beliess er bei der damaligen Besitzerfamilie Cattier. Unter dem Übernamen «Ace of Spades» vermarktete er den Wein mit geschickten Produktplatzierungen in seinen eigenen Songs und Videos und machte den Champagner in der golden glänzenden Flasche in gewissen Kreisen zum Kultobjekt. Aktuell liegt der Flaschenpreis bei knapp 300 Euro. Anfang 2021 verkaufte Jay-Z nun 50 Prozent der Firmenanteile an den Luxuskonzern LVMH. (Falstaff hat berichtet). Die Verkaufssumme wurde öffentlich zwar nie kommuniziert, glaubt man den Lyrics seines Songs «What’s Free» aus dem Jahr 2018 aber, war die Marke schon damals 500 Millionen Dollar wert. Star-Weine sind schon längst weit mehr als Spassprodukte von Show-Sternchen.

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Falstaff Nr. 04/2021
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