Ufenau Zürich: Ab auf die Insel

Die Insel Ufenau im Zürichsee ist die grösste Insel der Schweiz. Hier findet man Landwirtschaft, einen Gastrobetrieb und sogar ein eigenes Kunstfestival.

© Ufnau

Die Insel Ufenau im Zürichsee ist die grösste Insel der Schweiz. Hier findet man Landwirtschaft, einen Gastrobetrieb und sogar ein eigenes Kunstfestival.

Die Insel Ufenau im Zürichsee ist die grösste Insel der Schweiz. Hier findet man Landwirtschaft, einen Gastrobetrieb und sogar ein eigenes Kunstfestival.

© Ufnau

http://www.falstaff.ch/nd/ufenau-zuerich-ab-auf-die-insel/ Ufenau Zürich: Ab auf die Insel Von Mai bis Oktober kommen nicht nur Ausflügler, sondern auch Kunstliebhaber auf dem Kleinod im Zürichsee auf ihre Kosten. Im Rahmen der Art Ufnau stellt dieses Jahr der legendäre «Sprayer von Zürich», Harald Naegeli, hier Werke aus. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/e/7/csm_PT_26709_PR_c_Ufnau_0997ec7456.jpg

Auf die Insel Ufenau, immerhin die grösste Insel auf Schweizer Boden, kommt man nur übers Wasser, ob schwimmend oder per Kursboot oder mit dem eigenen Wassergefährt. Ufenau oder Ufnau? Beides ist richtig und auch gebräuchlich, wobei das Kloster Einsiedeln als Besitzerin Ufnau bevorzugt. Und hier herrscht wirklich noch idyllisches Inselleben, was sicher mit der Geschichte dieses Eilandes zusammenhängt. So quasi als kleine Dependance des Klosters Einsiedeln und somit auch unter dem Schutze der geistlichen Herrschaft blieb die Insel von Spekulantensünden und unkoordinierter Vermarktung verschont und ist ein Ort der Stille und der Einkehr geblieben.

Dazu bietet sie all das, was naturnahe Ufergebiete zu schaffen vermögen: Wunderschöne Ausblicke zum sich immer leicht wellenden See, Spiegelungen und Lichteffekte, allerlei Getier, das sich am Ufer schnatternd und pfeifend herumtreibt, überraschende botanische Erscheinungen, dazu den typischen, leicht modrigen, aber angenehmen Seegeruch, eine Idylle im wahrsten Sinne. Früh schon wurde auch gesetzlich dafür gesorgt, dass dieses Kleinod nachhaltig erhalten bleibt. Erste Schutzbestimmungen aus dem Jahre 1927, die kantonale Verordnung zum Schutze des Naturschutzgebietes Frauenwinkel, der grössten zusammenhängenden Moorlandschaft im Kanton Zürich von 1980 sowie die klaren Weisungen der Klostergemeinschaft haben mögliche negative Auswirkungen der touristischen Erschliessung erfolgreich verhindert.

Seit 2006 trägt auch die Ausdehnung der bootsfreien Wasserzone südlich von Ufenau zu einer wohltuenden Ruhe und stillen Beschaulichkeit bei. Trotzdem ist ein Kommen und Gehen gerade an sonnigen Tagen vorprogrammiert und efreulich. In einer halben Stunde lässt sich die Insel bequem sogar rollstuhl- und kinderwagentauglich umwandern. Erfrischend spärlich bebaut bleibt hier die Natur Hauptdarstellerin.

© Kloster Einsiedel

Hauswein mit Kunstetikett

Mit dem «Gasthaus zu den zwei Raben» befindet sich auf der Insel auch ein bemerkenswert schön renoviertes Restaurant, das zur Einkehr einlädt. 1681 als Pächterhaus für den Landwirtschaftsbetrieb samt Rebberg erbaut, erscheint es heute als schmuckes Barockhaus. Schon seit 1831 gestattete das Kloster Einsiedeln der Pächterfamilie, Gäste zu bewirten und seit April dieses Jahres wird diese lange Tradition vom umtriebigen Zürcher Gastronomen Michel Peclard weitergeführt. Die Pumpstation Gastro GmbH mit Daniel Berchtold und Lisa Schefer als Gastgeber setzt ihr Schwergewicht auf Produkte aus der Klosterkellerei und der Zürichseeregion. Besonders zu erwähnen: Die eigenwilligen Wein-etiketten der Inselweine stammen von Künstler Harald Naegeli, der derzeit unweit des Gasthauses ausstellt. Die Gage dafür spendete er einer Tierschutzorganisation.

Sowohl die Kirche Sankt Peter und Paul als auch die Martinskapelle stammen in der heutigen Erscheinungsform aus dem 12. Jahrhundert und begeistern mit sorgfältig restaurierten Fresken und einem schlichten Inneren. Seit der letzten Renovation im Jahre 2007 steht die Inselkirche für kirchliche und auch kulturelle Anlässe zur Verfügung.  Die Kapelle ist ein Ort der Stille und der Einkehr und wird aktuell mit der Ausstellung von Harald Naegeli bereichert.

Unmittelbar neben dem Gasthaus steht die veritable Scheune, die zum Landwirtschaftsbetrieb gehört. Zur Zeit der Reformation zählte man auf der Ufenau vier kleine Gutsbetriebe. Die damaligen Bewohner lebten wohl als Selbstversorger. In bescheidenem Ausmass wurde etwas Ackerbau betrieben. Das stattliche Ökonomiegebäude wurde um 1900 erstellt und ermöglicht seither eine produktive Rinderwirtschaft.

Für die Pflege des Rieds und das Mähen und Beweiden der Wiesen ist der Pächter des Gutsbetriebes in Pfäffikon zuständig. Die Riedflächen gehören zu den ökologisch wertvollen Landstrichen. Im Frühjahr und Herbst weiden rund dreissig junge Rinder hier auf der Insel. Wie die Menschen gelangen sie per Schiff hierher. Das 1560 erbaute Haus auf dem Arnstein, dem höchsten Punkt des Nagelfluhrückens im Süden, diente den Mönchen einst als Verpflegungsort.

Mit der Kapelle St. Martin auf der Insel Ufenau bietet sich dem Bilderzyklus von Harald Nägeli ein spektakulärer Ausstellungsraum. Noch bis 16. Oktober 2022 ist die Ausstellung geöffnet.

© Kloster Einsiedeln

Bravo Harald Naegeli

Bemerkenswert die Idee und gewagt ihre Umsetzung: Gerade der oft nicht leicht zugänglichen Gegenwartskunst dient die Ufenau als Bühne. 2020 initiierte das Kloster Einsiedeln als Eigentümerin die Kunstausstellung Art Ufnau. Aktuell ist es der besagte Harald Naegeli, der seinen Ufnauer Totentanz unter dem Titel Dämonie aus dem Unbewussten – ein Bilderzyklus der Vergänglichkeit in der Martinskapelle dem Publikum offenbart. Der nicht unumstrittene Kunstschaffende – besser bekannt als der Sprayer von Zürich – sprayte in den 70er-Jahren zielsicher gesetzte Strichfiguren an Hauswände an ungewohnten und unerwartetsten Orten.

Seine guerillahaften Einsätze bei Nacht und Nebel fachten grosse Diskussionen an. War es legal, aus Protest gegen das Establishment ihre Besitztümer oder ihre Wertanlagen mit Naturgeistern, Flamingos und einäugigen Totenköpfen zu besprayen? Kopfgeld wurde ausgesetzt, eine Gefängnisstrafe angeordnet und durchgesetzt. Nach sechs Monaten wurde Naegeli entlassen und zog nach Düsseldorf, wo er weiter sprayte. Anfang Dezember 2019 kündigte Naegeli an, Düsseldorf verlassen und wieder in Zürich leben zu wollen: «Meine Lebenszeit und meine Zeit hier ist abgelaufen … Ich will wieder zurück an meinen Ursprung», so der Künstler selber. Naegeli kehrte im März 2020 nach Zürich zurück und setzte den in den Grossmünster-Türmen begonnenen Totentanz in der ganzen Stadt fort; dabei entstanden von April bis Juni gegen 50 Zeichnungen.

Während das Kunsthaus Zürich und der Kanton eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erhoben, zeichnete die Stadt Zürich den 80-jährigen Naegeli mit dem Zürcher Kunstpreis 2020 aus. Auch dieses Geld investierte Naegeli in Natur- und Tierschutzorganisationen.Mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit setze er seine Zeichen gezielt und revolutionär genau dort ein, wo sie Bedeutsames bewirken, sei es in ökologischer oder in gesellschaftskritischer Hinsicht. Der Pionier der Graffitikunst ist überzeugt davon, dass Kunst gesellschaftlich gesetzte Grenzen
überschreiten muss.

Keine gefällige und leichte Kost wird hier in 37 Zeichnungen, für einmal ganz geordnet als Fries gehängt, gezeigt. Es sind verstörende und durchwegs düstere Dystopien, die hier den Tanz des Todes inszenieren. Riesige Wanzen, ungelenk tanzende Skelette, mit den Symbolen des Todes ausstaffiert, immer wieder starre Totenschädel, die ein Déjà-vu der anderen Art erzeugen. Mit der Bezeichnung «Ufnauer Totentanz» reiht sich die Ausstellung samt den vielseitigen Rahmenveranstaltungen in die historische Totentanztradition ein, die sich auch durch Naegelis grosses Schaffen zieht. Es ist nicht sein erster Versuch, das Ende des Lebens als Metapher für eine Katastrophe zu nutzen. Der «Totentanz der Fische» 1986 war seine unbequeme und erschütternde Antwort auf den Chemieunfall von Sandoz in Schweizerhalle.

Das Allerbeste zum Schluss. Wer schon bedauert, dass der vom Alter gezeichnete Harald Naegeli jetzt altersbrav zum kooperativen Seniorenkünstler geworden sei, darf aufatmen: Bei der Präsentation seiner Ausstellung hat sich der Sprayer noch einmal von seiner wahren Seite gezeigt. Noch während die illustre, kunstaffine Gesellschaft sich auf der Ufnau über die gelungene  Eröffnung freute, sprayte der 82 Jahre alte Naegeli flink und unauffällig zwei seiner Strichfiguren aufs Beinhaus der Martinskapelle, bevor er per Schiff zum Land übersetzte. Legal oder illegal? Kunstgewinn oder Sachbeschädigung? Die Köpfe röten sich, es wird diskutiert und spekuliert. Bravo Harald Naegeli!


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