Tradition und Brauchtum im Burgenland

Die Blaudruckmeister Joseph und Miriam Koó aus dem Mittelburgenland bedrucken Stoffe in aufwendiger Handarbeit und nach einer alten Tradition.

© Robert Kalb / picturedesk.com

Die Blaudruckmeister Joseph und Miriam Koó aus dem Mittelburgenland bedrucken Stoffe in aufwendiger Handarbeit und nach einer alten Tradition.

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http://www.falstaff.ch/nd/tradition-und-brauchtum-im-burgenland/ Tradition und Brauchtum im Burgenland Wollen Sie Blaumacher, Kikeriki-Schreier, schöne Keramik oder besonderes Brauchtum rund um die Gans entdecken? Gelebtes Brauchtum ist im jüngsten Bundesland Österreichs nicht nur Touristenattraktion, sondern Bestandteil der Lebenskultur. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/e/9/csm_Joseph-und-Miriam-Koo-c-Robert-Kalb-picturedesk.com-2640_ac6085faf6.jpg

Joseph Koó ist einer Letzten seiner Art. Der Blaufärber aus Steinberg ist einer der wenigen Färber in Europa, die nach alter Tradition Stoffe mit Indigo blau färben. ­Seine Spezialität: der Doppeldruck. Seine Werkstatt sieht immer noch so aus wie 1921, als sein Großvater die Werkstätte erbaute. Und Enkel Joseph macht es auch heute noch so wie damals, kein Maschinenlärm, gefärbt wird nur mit Muskelkraft.

Blaumachen

Im Volksmund heißt »blaumachen« ja faulenzen, damit hat Herr Koó nun gar nichts am Hut. Die Blaudrucker mussten einst ­zwischen den verschiedenen Arbeitsschritten immer wieder Pausen einlegen, das war bei anderen Handwerkern nicht gern gesehen, und so gerieten die Färber mit den indigoblauen Händen in Verruf, nicht fleißig zu sein. So viel zur Herkunft des Wortes. Bei den Koós ist das natürlich ganz anders, denn sie haben viel zu tun. Handbedruckte Stoffe sind wieder im Trend. Und gerade ihre Stoffe im Doppeldruck sind ein wahrer »Renner«. In ganz Europa ist der burgenländische Betrieb nämlich der einzige, der dieses traditionelle Verfahren – unterschiedliche Muster auf der Vorder- und Rückseite – noch anwendet. Von den schönen Stoffen aus Steinberg ist es nur ein kleiner Schritt zu den burgenländischen Trachten

Vielfältig, wenig bekannt

Wenn man in Österreich von Tracht spricht, ist es nicht das Burgenland, das einem zuerst einfällt. Dabei gibt es viele burgenländische Trachten, aber bis vor Kurzem wurden sie wenig gepflegt. Denn das Burgenland und die Tracht – das ist eine etwas schwierige Beziehung und Dirndl, Tracht und Leder­hose eher Brauchtumsstiefkinder. Aber das ändert sich gerade, denn auch im Burgenland ist die Tracht auf dem Weg in die Herzen der Menschen. Und man greift zurück auf die alten Traditionen und Besonderheiten, die von der Stiefelhose für Männer bis zum »Brustfleck« bei den Dirndln der Südburgenländerinnen reichen. Man sagt auch, dass die Trachten aus dem Burgenland farbenfroher seien als im Rest von Österreich, jedenfalls gibt es hier wie dort lokale Unterschiede nach Volksgruppen und Alter.

Jagd und Gans

»Des Jagn des is ja mei Leben.« Dieses alte Jagdlied stammt aus Lockenhaus und ist Teil der Sammlung alter burgenländischer Jagdlieder des Jägerchors Oberwart. Viele Traditionen prägen das Kulturgut Jagd im Burgenland, sie ist aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 840.000 Kilogramm Wildfleisch liefern die über 500 burgenländischen Reviere jährlich für Tische der Konsumenten. Zu den traditionellen Gerichten, die das Burgenland prägen, gehören auch alle rund um die Gans. Auf sie macht man natürlich keine Jagd im Burgenland, doch sie ist so etwas wie das heimliche Wappentier des Landes. Und spielt nicht nur kulinarisch eine Hauptrolle

Martinigans und Federnschleissen

Wohin aber mit den Federn? Winterzeit war früher auch die Zeit des »Federnschleißens«. Ein Sack voller Gänsefedern wurde auf den Tisch geleert und viele fleißige Hände ­zupften die Daunen, die anschließend für Pölster und Tuchenten als Füllmaterial verwendet wurden, von den Federkielen. Die Zeit nutzte man für gute Gespräche und eine zünftige Jause. Im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf kann man jetzt zur Ganslzeit in diese alte Erinnerung eintauchen oder sich erstmals im Federnschleißen üben. 

Keramikkunst

Damit Wild, Gans und mehr der burgenländischen Köstlichkeiten auch stilgerecht serviert werden können, hat sich das Burgenland zu einem Eldorado für Keramikkunst entwickelt. Aber das Töpfern hat im Burgenland natürlich schon eine lange Tradition und spielte vor allem im mittelburgenlän­dischen Stoob eine wichtige Rolle. Der »­Stoober Plutzer«, eine einhenkelige, bauchige Flasche mit engem Ausguss, diente einst der bäuerlichen Bevölkerung als Trinkgefäß, weil er Getränke länger kühl hielt. In der Keramikfachschule Stoob wird dieses Handwerk nach wie vor gelehrt, im Museum kann man auch auf eine Zeitreise gehen. Aus dieser Tradition kommen viele Keramikkünstlerinnen und -künstler, die das alte Handwerk und die traditionellen Formen mit neuen ­Ideen bereichern. Zum Beispiel die Familie Friedl-Graf, die in Stoob Gebrauchskeramik aus dem Stoober Tonvorkommen produziert. Oder auch Mia Kostyan, die Keramik ­sozusagen in ihrer DNA hat. Ihre Mutter Anica ist seit Jahrzehnten ein Fixpunkt in der ­burgenländischen Keramikwelt. Mia ­Kostyan hat sich in ihrer Töpferwerkstatt in ­Nikitsch aber eine neue Ton-Welt aufgebaut. Und nicht nur Spitzenköche schätzen ihre ­Kunstwerke für ihre Speisenkunst

Aber vor allem auch diese. Die Liste der Kunden von MA-Keramik liest sich wie ein Führer der angesagten Spitzenrestaurants. Konstantin Filippou, Max Stiegl, Fabian Günzel oder auch Brotmagier Öfferl setzten auf ihre Keramik. Für jedes Gericht der ­passende Teller? Einige Köche kommen mit Skizzen in Mias Atelier, andere lassen sich von ihr inspirieren. Klare Formen, Erdfarben, eine Philosophie der Nachhaltigkeit, Neugierde auf das Material sind nur einige Mosaiksteine auf dem Erfolgsweg. ­Marianne Seiz ist zwar in Wien daheim, gibt aber jedes Jahr ihr Wissen beim Sommer­atelier im Südburgenland weiter. Ihre Keramik verbindet Tradition mit zeitgemäßer Tischkultur, höchste Qualität mit edlem Design und macht jede Mahlzeit zu einem Genuss auf allen Ebenen. Ein glücklicher Zufall brachte Petra Lindenbauer in das Burgenland, von dem sie sagt, es sei das Töpfereizentrum Österreichs.

Im mittelalterlichen Ortskern von Stadtschlaining hat sie ihre Werkstatt. Und hier entstehen Keramiken, die so erdig sind wie die Gegend. Wenn sie an eine Geschirrserie herangehe, sagt sie, wiege sie zwar den Ton bei jedem Stück ­vorher ab, aber dann lasse sie dem Material seine Freiheit. So werde zwar jeder Teller anders, am Ende passen aber einfach alle zusammen. Einfach schön. Schön ist auch die alte Handwerkskunst des Korbflechtens, die im Burgenland lebendig gehalten und auch weitergegeben wird. Früher gehörten die Kopfweiden zum Landschaftsbild des Burgenlands und aus ihren Ruten wurden schöne Körbe. Die Renaissance der Korbflechter läutete auch Franz Lex, der Korbflechter aus Neuhaus im Südburgenland, ein. Oder die Weidekorbflechter in Mörbisch am Neusiedler See.

Brauchtum im Jahreskreis

Und dann kann man noch von zwei Einzigartigkeiten berichten, die es so nur im Burgenland gibt. Manches Brauchtum findet man ja in ähnlichen Formen überall auf der Welt, zwei Dinge gibt es nur im Burgenland. Da ist einmal das »Kikeriki-Schreien« in Neustift bei Schlaining. Am 5. Jänner gehen hier die Kinder durch den Ort, treten in die Höfe und rufen »Kikeriki«, dafür bekommen sie Naschwerk und als Dank schreien sie: »Eure Hühner und Hähne ­sollen gut leben.« Bekommen sie nichts, ist der Spruch martialischer – denn dann wünschen sie dem Federvieh den Tod. Auch den Brauch der »Stinatzer Ostereier « gibt es nur einmal auf der Welt. Diese alte Handwerkskunst kommt von der Volksgruppe der Kroaten und man braucht eine ruhige Hand und viel Geschick. Geritzt werden schöne Muster in bunte, ausgeblasene Eier mit scharfem Messer. Diese feine Kratz­technik gibt es schon seit über 100 Jahren. Ursprünglich wurden die Ostereier mit traditionellen Blumenornamenten oder religiösen Motiven verziert, meist auf rotem, violettem oder schwarzem Hintergrund. Heute darf es aber schon ein bisschen bunter und fantasievoller sein. Vielfalt und Buntheit sind angesagt. Überall im Burgenland.

Nur mehr vier Frauen aus dem Ort Stinatz beherrschen das kroatische Kulturgut des Eierkratzens, das sich zu Ostern höchster Beliebtheit erfreut. Die fragilen Kunstwerke sind alle Unikate.

© Verlagsgruppe News / ROBERT JAEGER - APA picturedesk.com


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