Tischgespräch mit José Carreras

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FALSTAFF: Herr Carreras, bon dia! Sie sind gebürtiger Katalane – in Ihrer Landessprache heissen Sie Josep. Welche kulinarischen Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?
Carreras: Meine Familie und Freunde nennen mich nach wie vor Josep. Aber während der Franco-Diktatur durften wir unseren Namen nicht verwenden, also hiess ich José. Später blieb ich als Künstlername dabei. Meine Kindheit war sehr schön. Kulinarisch gab es eine einfache, aber sehr gute Küche. Etwa Sopa de albahaca y piñones, unsere köstlichen Tapas oder auch nur Pa amb tomàquet – Weissbrot mit Tomaten und Olivenöl –, Crema catalana und natürlich Jamón und Käse.

Wie werden Sie empfangen, wenn Sie «nach Hause» zu Ihrer Familie kommen?  
Besonders freue ich mich auf meine fünf Enkelkinder! Und meine Tochter Julia bereitet mir eine köstliche Süssigkeit zu. Sie ist eine grandiose Kuchenbäckerin!

Was machen Sie, um das viele Reisen unbeschadet zu überstehen?  
Meine grosse «Final World Tour» hat in der Royal Albert Hall in London begonnen und wird zwei bis drei Jahre dauern. Es geht ja auch nach Australien, Südamerika und Asien. Wichtig ist gute Ernährung, viel Schlaf, und da wir unser Instrument, die Stimme, 24 Stunden mit uns mittragen, muss ein Luftbefeuchter im Zimmer sein. Und ein Schal ist auch immer dabei.

Gibt es kulinarische Besonderheiten Ihrer Heimat, die Sie im Ausland vermissen?
In den Ferien gönne ich mir auch einmal eine deftige Paella – ansonsten vermisse ich höchstens unseren Jamón. Aber im Grunde liebe ich internationales Essen.

Wie bereiten Sie sich am Tag einer Aufführung vor?  
Vor Konzerten gibt es quasi eine Diät. Morgens ein Croissant mit Honig, Früchte, Orangensaft und Wasser. Mittags entweder Poulet mit Reis und Olivenöl oder Pasta in bianco, Spaghetti mit Olivenöl und Parmesan, dazu Wasser. Abends vor dem Konzert einen Mocca und viel Wasser sowie eine Banane – ja, so einfach ist das Tenorleben. (lacht)

Was vermag Sie kulinarisch zu trösten, wenn das Leben mal nicht gut zu Ihnen ist?
Zum Glück ist es meistens gut zu mir! Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich zum Beruf habe, was ich am meisten liebe: singen. Und wenn ich mich einmal kulinarisch trösten wollte, dann mit einem Wiener Topfenstrudel!

JOSÈ CARRERAS

Eigentlich hatte sich der weltberühmte Tenor 2009 von der Opernbühne verabschiedet. Doch im Juli 2016 meldete er sich mit einem fulminanten Auftritt zurück – mit der Titelrolle in der Oper «El Juez». Am 14. Dezember 2016 findet die 22. Benefizgala für José Carreras’ Leukämie-Stiftung in Berlin statt. Seit seiner Erkrankung wurden über 100 Millionen Franken gespendet.

Aus dem Falstaff Magazin 08/2016.

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