Tischgespräch mit Franz Welser-Möst über…

Der ehemalige Musikdirektor der Wiener Staatsoper ist einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. 

© Michael Poehn

Der ehemalige Musikdirektor der Wiener Staatsoper ist einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. 

© Michael Poehn

Falstaff: Maestro, muss man mit Ihnen über Musik reden?
Franz Welser-Möst: Nein (lacht). Ich finde es spannend, Menschen zu treffen, die sagen, sie verstehen nichts davon. Da entstehen die interessantesten Gespräche. Wenn Leute glauben, sie verstehen etwas von Musik, wird es mühsam. Ich sag’ dann immer ein bisschen ironisch: Ich weiss viel über Musik, aber ich verstehe Musik überhaupt nicht. 
Das schockiert die Leute, und das Thema ist erledigt.

Ihnen sind Zusammenhänge – nicht nur in der Musik – wichtig. Wie haben Sie im Leben gelernt, auf sich zu schauen und zu geniessen?
Mein bis dahin unbeschwertes 18-jähriges Leben erfuhr einen gravierenden Einschnitt aufgrund eines schweren Autounfalls. Danach hatte ich 14 Jahre lang keinen einzigen schmerzfreien Tag erlebt. Yoga hat mein Leben verändert. In der Musik ist es Ziel, die Balance zwischen Kopf und Bauch zu finden. Das gilt auch für das Leben.

Beim Bergsteigen tanken Sie Kraft. Was kommt als Jause mit?
Ja, man darf auch mal über die Stränge schlagen (lacht). Da kommt auf alle Fälle eine Kaminwurzen in den Rucksack. Man geniesst das umso mehr. Das Bergsteigen hat etwas Meditatives für mich. 

Sie reisen viel – was vermissen Sie unterwegs an der österreichischen Küche?
Wenn ich unterwegs bin, habe ich das unpersönliche Restaurantessen satt. In der Gegend rund um den Attersee gibt es wunderbare Mostheurige, wo ich dann  einen Schweinsbraten oder ein gutes Landhendl esse. Auch das Gasthaus im «Hotel Aichinger» in Nussdorf (Attersee) haben wir sehr gern – das ist unser verlängertes Wohnzimmer. Wiener Schnitzel, Tafelspitz oder Grammelknödel – das schätze ich sehr. 

Was zeichnet die Restaurantszene in Cleveland aus?
Seit fünf, sechs Jahren findet eine Renaissance statt, das merkt man auch an der Restaurantszene. Es gibt z. B. ein gutes französisches Restaurant in unserer Nachbarschaft. Der Besitzer arbeitet dort ausschliesslich mit ehemaligen Gefängnisinsassen – vom Servicepersonal bis hin zu den Köchen. Am Nachmittag werden sie geschult und am Abend arbeiten sie im Restaurant. Alle haben danach einen guten Job bekommen.

Wie und wo feiern Sie Ihren Geburtstag am 16. August?
Wir laden Freunde und Freundinnen zu uns nach Hause ein. Wir engagieren eine gute Köchin, und ich darf mir ein Menü wünschen, das aus Lebensmitteln, die aus der unmittel­baren Umgebung stammen, zubereitet wird.

Franz Welser-Möst

Der Österreicher ist einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. Seit 2002 ist er Musikdirektor des Cleveland Orchestra. Von 2010 bis 2014 war Franz Welser-Möst Generalmusikdirektor der Wiener Staats­oper; bei den Salzburger Festspielen 2017 dirigiert er die Oper «Lear».

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