Tischgespräch mit Bernd Weikl

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FALSTAFF Herr Weikl, bei Ihrem Debüt an der Wiener Staatsoper, Anfang der 1970er, wurden Sie in «Bajazzo» beinahe erstochen. Ihr Bühnenkollege vergass, das Bühnenmesser richtig zu bedienen. Welche Rolle spielt der Bauch für einen «Jahrhundertbariton»?
KS BERND WEIKL: Die Muskulatur rund um das Zwerchfell ist für die Atmung und damit die Stimmführung zuständig. Mario del Monaco haben meine hohen Töne damals etwas irritiert. 

Während Ihrer Weltkarriere reisten Sie beinahe vierzig Jahre lang rund um den Globus. Wie haben Sie die vielen Reisen unbeschadet überstanden? 
Durch Disziplin, Gymnastik, Fleiss – aber keine Lebensweise à la Falstaff. (lächelt)

Wie muss denn ein Hotel ausgestattet sein, in dem Sie sich wohlfühlen?
Ein gutes Hotel sollte tagsüber keine lauten Baumassnahmen im Nachbarzimmer durchführen. Der Sänger braucht am Tag Ruhe, denn die Olympiade findet erst von Abend bis Mitternacht statt.

Verdis Oper «Falstaff» liegt Ihnen im Blut. Sie sangen die Titelpartie an vielen Häusern und beendeten Ihre Karriere damit – als Regisseur und Hauptdarsteller in Kaiserslautern.
Ich habe etwa 120 Opernpartien in fünf Sprachen gesungen. Mit «Falstaff» wollte ich aus dem Hochwasser des Stromes der Zeit heraussteigen.

Welche Dinge können wir von Falstaff lernen?  
«Tutto nel mondo è burla» oder anders: «Es gibt auch ein Leben vor dem Tode.» Man sollte das nicht vergessen.

Mit Leonard Bernstein verband Sie eine besondere Freundschaft. Waren Sie mit ihm essen?
Bernstein ging gern mit mir gar nicht koschere Schweinshaxen essen. 

Sie leben in Hamburg, am Timmendorfer Strand (Ostsee) und in Bodenmais am Arber (Bayerischer Wald). Was kochen Sie gerne? 
Emsländer Wirsing! 

Rezept: Emsländer Wirsing

BERND WEIKL

Ob Hamburg, London oder New York: Der Wiener Kammersänger Bernhard Weikl stand mit seinem grossen Opernrepertoire als Bass-Bariton schon auf vielen Bühnen – es umfasst 120 Partien in fünf Sprachen. Außerdem ist Weikl als Regisseur und Buchautor tätig.

Aus Falstaff 01/2017.

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