FALSTAFF: Herr Buchbinder, Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten Sie bereits mit neun Jahren. Gab es damals – in dieser schwierigen Nachkriegszeit – erste kulinarische Erfahrungen, an die Sie sich noch erinnern?
RUDOLF BUCHBINDER: Als Nachkriegskind kann es nur schlechte Erinnerungen geben: immer wieder zerkochtes Gemüse mit Einbrenn.

Kaum jemand hat sich mit der Musik und dem Menschen Beethoven so intensiv auseinandergesetzt wie Sie. Was hat das Genie gerne gegessen?
Zu seinen Lieblingsspeisen gehörten unter anderem Makkaroni mit Parmesankäse; ein von ihm bevorzugtes Mittagsmenü beinhaltete Saftsuppe, Fleisch mit Sauce, Blaukohl mit Kastanien und Wildente. Bei der Kaffeezubereitung mussten es exakt sechzig Bohnen sein – darauf bestand er.

Welche Essensrituale gibt es im Hause Buchbinder? Ihre Frau Agi, eine ausgebildete Pianistin, kocht ja bekanntlich grandios.
Es beginnt beim Mittagessen mit der Wahl von zumindest drei verschiedenen Suppen, danach eine immer davor besprochene Hauptspeise.

Sie reisen um den ganzen Erdball – immer wieder mit neuen Programmen. Welche Essgewohnheiten haben Sie angenommen – und haben sich diese verändert?
Nach fast fünfzig Jahren Ehe haben sich meine Frau und ich derart angepasst, dass wir mittlerweile auch beim Essen denselben Geschmack haben und wir testen dabei immer Neues. Wir versuchen beim Essen so vielfältig wie nur möglich zu sein.

Essen Sie etwas vor einem Konzert?
Manchmal ja, manchmal nein. Die einzige Regel, die es für mich gibt, ist der Nachmittagsschlaf vor dem Konzert.

Haben Sie noch Lampenfieber?
Je älter ich werde, desto grösser wird das Lampenfieber. Als Jugendlicher geht man unbekümmert auf die Bühne, jetzt setzt man sich die Latte immer höher. Die eigenen Erwartungen zu erfüllen, ist am allerschwersten.

Sie und Ihre Frau sind oft bei offiziellen Dinners zu Gast. Meist werden bei solchen Essen «Edelteile» wie Kalbsrückensteak oder Rindsfilet serviert. Hängt Ihnen diese Monotonie nicht schon beim Hals heraus?
Als Fleisch-, Fisch- und Krustentierliebhaber habe ich relativ wenige Probleme damit. Allerdings versuche ich, Gemüse zu meiden. Zum Verständnis, warum, siehe meine erste Antwort ...

Können Sie mit leerem Magen üben?
Da ich zum Frühstück nur einen Tee oder Kaffee mit Zucker trinke, bin ich frisch und sofort bereit zum Üben.

Interview  geführt von Alex. Hesse
Aus dem Falstaff Magazin 09/15, erschienen im Dezember 2015

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