Südtiroler Apfelkraft

Höhenluft, über 300 Sonnenstunden und hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen dafür, dass Südtiroler Äpfel besonders saftig werden.

© Frieder Blickle

Höhenluft, über 300 Sonnenstunden und hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen dafür, dass Südtiroler Äpfel besonders saftig werden.

© Frieder Blickle

Der Apfel und Südtirol: Schon die nackten Zahlen zeigen, dass dieses Paar zusammengehört. Auf über 18.000 Hektar werden in Südtirol Äpfel angebaut. Das ergibt rund eine Million Tonnen Ernte­ertrag jährlich und entspricht zehn Prozent der gesamteuropäischen Ernte. Das Anbaugebiet erstreckt sich vom oberen Vinschgau über gut 100 Kilometer entlang der Etsch in Richtung Süden. Aber nicht nur dort, auch im Eisacktal ist der Südtiroler Apfel zu Hause. Zur Obstblüte Ende April ist dann die ganze Talsohle in zartes Weiß gekleidet.

Dass Südtirol zur Apfelhochburg reifen konnte, verdankt es seiner Landschaft. Aufgrund der verschiedenen Höhenlagen, die von 200 bis 1000 Meter reichen, findet jede Apfelsorte ihren idealen Standort. Golden Delicious, Gala und Red Delicious, auch Stark genannt, machen dabei den Löwenanteil aus. Sorten wie Pinova, Topaz oder der berühmte, knallrote Morgenduft füllen die Nischen. Die ausgeprägten Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht fördern die Bildung von Fruchtzucker und lassen den Südtiroler Apfel besonders aromatisch werden.

In der Kulturregion Vinschgau steht  nicht nur Schloss Kastelbell. Auch auf Obst- und Apfelkultur wird Wert gelegt.
In der Kulturregion Vinschgau steht nicht nur Schloss Kastelbell. Auch auf Obst- und Apfelkultur wird Wert gelegt.

© Frieder Blickle

Die Obstwirtschaft des Landes ist übrigens sehr klein strukturiert. Gut 7000 Familienbetriebe bewirtschaften meist kleinere Höfe mit zwei bis drei Hektar Anbaufläche. Der Großteil davon wird integriert bewirtschaftet. Der Apfelbauer setzt sich dabei zum Ziel, das natürliche Gleichgewicht der Obstanlage zu erhalten und gezielt Nützlinge gegen Schädlinge einzusetzen. Pflanzenschutzmittel werden nur dann verwendet, wenn andere ökologische Mittel nicht mehr weiterhelfen. Mittlerweile ist Südtirol auch führend im Bio-Bereich. Mehr als jeder dritte in der EU produzierte Bio-Apfel stammt aus Südtirol.

Verwendung findet der Südtiroler Apfel in erster Linie als Tafelobst. In den vergangenen Jahren sind aber auch einige andere interessante Produkte auf Apfelbasis entstanden. ­Thomas Kohl am Ritten erzeugt etwa aus Bergäpfeln überaus schmackhafte, sortenreine Apfelsäfte. Und zahlreiche kleine Obstbauern produzieren den angesagten Cidre oder sogar Apfelsherry. Zudem gibt es auch vielversprechende Versuche, aus Äpfeln Papier- und Lederersatz herzustellen. Man sieht – Südtiroler Äpfel sind vielseitig

Rund 7000 Apfelbauern gibt es in Südtirol. Sie produzieren u. a. köstlichen Saft.
Rund 7000 Apfelbauern gibt es in Südtirol. Sie produzieren u. a. köstlichen Saft.

© Max Lautenschläger

Die Vielseitigkeit von Äpfeln wird in der Südtiroler  Küche zelebriert. Apfel-Focaccia ist nur eines der köstlichen Resultate.

© Frieder Blickle

Obgleich der Apfel im Obstanbau die Hauptrolle spielt, gibt das Land noch einiges mehr an Früchten her. Im Martelltal liegt beispielsweise das höchste Erdbeeranbaugebiet Europas. Auf über 1000 Meter Höhe werden die Früchte überaus aromatisch. Und im oberen Vinschgau hat sich der Marillenanbau (Aprikosenanbau) verbreitet. Die »Vinschger Marille« zeichnet sich durch Säure und hohe Aromatik aus und ist bei Schnapsbrennern aus ganz Italien hochbegehrt. Kaum verwunderlich, dass es im oberen Vinschgau um Mals und Laas eine ganze Reihe von hervorragenden Schnapsbrennern gibt, die sich einen eifrigen Wettkampf um den besten »Marilleler« liefern.

Aus dem Falstaff Südtirol Spezial 01/2017.

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