Studie: Catena Zapata beweist Terroir-Effekt

Dr. Laura Catena & Fernando Buscema sind Teil des Teams, das die Studie durchgeführt hat.

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Studie aus Catena Zapeta beweist Terroir-Effekt.

Dr. Laura Catena & Fernando Buscema sind Teil des Teams, das die Studie durchgeführt hat.

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Die Versuchsanordnung versprach Spannung: Über einen Zeitraum von drei Jahrgängen (2016, 2017, 2018) unterzog das Team des argentinischen Weinguts Catena Zapata die Trauben 23 verschiedener Parzellen aus zwölf definierten geographischen Herkünften in drei verschiedenen Anbaugebieten einer standardisierten Weinbereitung. Das Ziel: herauszufinden, ob sich in den so entstandenen Weinen mithilfe laborchemischer Methoden so etwas wie ein über die Jahre gleichbleibender Terroir-Effekt nachweisen lässt.

Bei ihrer Studie nahmen die Wissenschaftler vor allem die Gruppe der Phenole (also im weitesten Sinn der Gerbstoffe) in den Blick. Phenole sind die wichtigsten Inhaltsstoffe eines jeden Rotweins. Dass sich mithillfe ihrer Analyse die Weine verschiedener Rebsorten unterscheiden lassen, ist seit längerem bekannt. Das entspricht auch der Alltagserfahrung eines Weintrinkers, der weiss, dass das Tannin eines Pinot noir anders schmeckt als etwa dasjenige eines Merlot oder gar Tannat.

Die Abbildung zeigt die Phenolzusammensetzung der verschiedenen geographischen Herkünfte.

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Ob nun gewissermassen ein Fingerabdruck der unterschiedlichen vorhandenen Phenole auch Herkünfte zu unterscheiden gestattet, dies war eine wirklich aufregende Fragestellung am Puls der Zeit. Denn gerade vonseiten der akademischen Önologie wird in den vergangenen Jahren der Terroir-Effekt immer wieder infrage gestellt, im Widerspruch zur Erfahrungserkenntnis vieler Winzergenerationen.

Die Ergebnisse

Hier nun, was das Team des firmeneigenen Forschungszentrums Catena Institute of Wine herausfand:

Den grössten Einfluss auf die Phenolzusammensetzung eines Weins nimmt der Jahrgang mit seinem individuellen Witterungsverlauf. Dieses Ergebnis stimmt weitgehend mit den Befunden überein, die vergleichbare frühere Studien in Burgund und im Valpolicella erbracht hatten.

Betrachtet man die Phenolzusammensetzung über die drei Jahrgänge, dann ergab sich als erste Erkenntnis, dass die Weine deutlich besser nach Anbaugebieten zu unterscheiden waren, als wenn man die versuchsweise nach ihrer Herkunft aus politischen Einheiten (Departements) zu unterscheiden versuchte. Dies ist schon als ein erster Fingerzeig auf einen Terroir-Effekt anzusehen, denn Weinbaugebiete wurden natürlich anders als politische Einheiten nach weinbaulichen Kriterien definiert.

Bei der statistischen Analyse der zwölf definierten geographischen Herkünfte liess sich eine Herkunft (Gualtallary – siehe Abbildung) sehr eindeutig von allen anderen unterscheiden. Drei weitere Herkünfte (Rivadavia, El Mirador und La Libertad), alle aus demselben Department und demselben Anbaugebiet (Rivadavia Department, East Zone), bilden ein zweites Cluster mit sehr ähnlicher Phenolzusammensetzung.

Die Weine der Herkunft Gualtallary demarkierten sich auch auf der Ebene der Parzellen sehr deutlich von allen anderen Herkünften. Die Weine aller sechs Gualtallary-Parzellen ähneln sich in der Phenolzusammensetzung sehr stark. Da die Parzellen eine grosse geographische Nähe auszeichnet, aber auch eine grosse Unterschiedlichkeit der Böden, schlussfolgern die Autoren des Catena-papers, dass in diesem Fall wohl die klimatischen Gegebenheiten ausschlaggebend seien.

Fazit

Es sei demzufolge absolut möglich, so die Autoren der Studie, die Behauptung Terroir-spezifischer Charakteristika im Wein auch mit wissenschaftlichen Methoden zu bestätigen.

Quelle: Roy Urvieta, Gregory Jones, Fernando Buscema, Rubén Bottini, Ariel Fontana: «Terroir and vintage discrimination of Malbec wines based on phenolic composition across multiple sites in Mendoza, Argentina», Scientific Reports 03 February 2021

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