Streifzug durch die Nacht in Zürich

Die «Barfussbar» ist im Sommer einer der Hotspots im Zürcher Nachtleben. 

© Barfussbar

Die «Barfussbar» ist im Sommer einer der Hotspots im Zürcher Nachtleben. 

© Barfussbar

Die Zeiten uninspirierter Wodka-Lemon- und Rum-Cola-Drinks sind lange vorbei – die Qualität der Schweizer Bars hat in den letzten Jahren auffallend zugenommen. So wird in den Zürcher Bars nach Lust und Laune gemixt und kreiert.

Wobei: Die Stadt hatte immer schon hervorragende Bars wie die «Kronenhalle» oder die «Widder Bar». Doch gerade in den vergangenen Jahren ist in der Schweiz eine neue Generation von Barkeepern herangewachsen, die dabei ist, eine ganz neue Kultur zu etablieren.

Der renommierte Bartender Alexandros Nicolaides (2014 Sieger der Schweizer Ausscheidung des renommierten Bartending-Wettbewerbs Diageo World Class) ist einer von ihnen. Für ihn ist die Qualität der Bars in Zürich heute so gut wie nie zuvor. Dank einer neuen Generation von jungen Wilden, die sich traut zu experimentieren und ihren Job mit Offenheit, Leidenschaft und Hingabe betreibt. Zu seinen Empfehlungen gehören unter anderem die «Onyx Bar« im Hyatt, die «Bar 63», die «Dante Bar», die «Raygrodski» und die «Neo Bar» an der Europaallee. Für Nicolaides steht nicht die Einrichtung einer Bar im Vordergrund, sondern das Personal, das mit Kompetenz und viel Liebe seine Arbeit verrichtet. 

Widder Garage
Bis im Herbst die «Widder Bar» neu eröffnet, ist die«Widder Garage» das kultige und hippe Ausweichquartier. 

© Dennis Savini

Barkeeper David Bandak
Star und neuer Chef in der «Widder Bar» ist Barkeeper David Bandak.  

© Dannis Savini

Die Bond-Verzückung

Ähnlich sieht es der Ex-Chef der «Widder Bar» und Falstaff-Barkeeper des Jahres 2016, Dirk Hany, zu dessen Lieblingsbars die «Kronenhalle» gehört. «Dort ist es schön ruhig, die Bartender leben ihren Beruf, es erwartet einen ein sehr professioneller Service. Zudem liebe ich geschichtsträch­tige Bars und da gibt es in Zürich keinen besseren Ort als die Bar der ‹Kronenhalle›.» Seit knapp vierzig Jahren ist Peter Roth hier Chef de Bar und hat dieser seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Die Rezeptur des Dry Martini mit Olive soll Weltklasse sein – selbst die kürzlich verstorbene Bond-Legende Roger Moore soll darüber regelmässig in Verzückung geraten sein.

Die «Widder Bar», eine der besten Whiskybars Europas, wird momentan übrigens einer gründlichen Renovierung unterzogen und bleibt bis Ende September geschlossen. Die Zeit bis dahin überbrückt das Luxushotel «Widder» mit der «Widder Garage» – einer hippen Pop-up-Bar im Industrielook. In kürzester Zeit avancierte die eigentliche Notlösung zum Place-to-be in Zürich. Die Lieblingsbar des «Park Hyatt»-Concierges Alexander Haag hingegen ist die «Tales Bar» in der Selnaustrasse. Sie wird von Wolfgang Bogner, dem ehemaligen Bar-Chef des «Park Hyatt», betrieben. Eine Bar mit Wohnzimmer-Feeling, hervorragenden Cocktails und einer tollen Crew. Aussergewöhnlich sind vor allem die Öffnungszeiten: von Montag bis Sonntag jeweils bis drei Uhr nachts. Gemeinsam mit der «Bar 63» avancierte sie zu einem der Lieblingsorte der Zürcher Barprofis. Das Gesicht der «Bar 63» ist Pascal Kälin. Er versteht sich aufs Brennen ebenso wie aufs Mixen und hat mehrere Eigenabfüllungen von Rum im Sortiment – u. a. die zuerst in einem Whiskey- und anschliessend in einem Tokajfass gelagerten Cask Adventures.

Haags Kollege Marko Nikolic bevorzugt das «Old Crow» (s. S. 47). Mit Markus Blatter und Ivan Paszti stehen hier zwei der Besten des Landes hinter dem Tresen. Mehr als 1400 Spirituosen stehen zur Auswahl, davon einige wahre Raritäten.

«George Bar & Grill»
«George Bar & Grill» ist eine imposante Bar und im fünften Stock im Haus Ober untergebracht. 

© GEORGE Bar & Grill / Eduard Meltzer

Von der Badi zur Bar

Nun stehen jedoch die heissen Tage und lauen Sommernächte vor der Tür. Glücklich schätzen darf sich, wer die Sommerzeit in Zürich verbringt, denn die Stadt ist bekannt für ihre so- genannten «Badi-Bars». Wird es langsam dunkel, so verwandeln sich die See- und Flussbadeanstalten zu urbanen Bars und Lounges entlang des Wassers und auch auf demWasser. Denn mit den ersten Sonnenstrahlen der Saison öffnen die Freiluft-Bars ihre Tore und erfreuen den Besucher mit purem Ferienflair.

In den «Badi-Bars» geniesst man bei einer leichten Seebrise Konzerte, Lesungen oder einfach nur das gesellige Miteinander. Die schönste Badi liegt mitten in der Stadt und ist bereits fast 130 Jahre alt: die Frauenbadi am Stadthauskai. Sie mutiert gegen Abend zur «Barfussbar» und gewährt dann – anders als tagsüber – auch Männern Einlass. Rund um den Pool hat «Barfussbar»-Erfinder Jonas Thiel Stühle und Tische aufgestellt. Im Hintergrund läuft Lounge-Musik, es gibt kleine Gerichte, Bier und Wein. Auch wenn das nicht jedermanns Sache ist – aber die Schuhe müssen die Gäste am Eingang ausziehen. Die «Barfussbar» ist jedenfalls trotzdem längst zum Kultlokal avanciert. Umgeben von den Lichtern der Altstadt, schaut man auf die Türme der Kirche des Grossmünsters.

Das Pendant zur «Barfussbar» bildet das «Rimini», das tagsüber die Männerbadi der Stadt ist. Ab 19:15 Uhr öffnet die «Rimini Bar» hier ihre Pforten. Das grün-rote Lichtermeer verzaubert nicht nur Banker und Unternehmensberater, sondern auch den Hipster von nebenan. 

Seeband Enge
In Zürich lässt man nach der Arbeit beim Apéro Seele und Füsse baumeln. Wie hier etwa im Seeband Enge. 

© Zürich Tourismus / Martin Rütschi

Dachterrassen-Drink

An den Ufern der Limmat und des Zürisees treffen sich die Zürcher. Zum Zeitunglesen, Sonnenbaden, Schwimmen und für ein paar Drinks am Abend. Ob im «Primitivo» am Oberen Letten, im Seebad Enge, im «El Lokal» – der allerletzten Insel an der Sihl – oder im «Fischer’s Fritz». Mit einem guten Cocktail in der Hand fragt man sich, warum es andere in die Karibik zieht. Wenn der Asphalt heiss ist und sich die Hitze in den Strassen staut, ist es die beste Lösung, sich in luftiger Höhe auf den Dachterrassen-Bars in Zürich einen Drink zu gönnen. 270 Grad Aussicht und einen Blick auf den Fluss Sihl bietet die «George Bar & Grill». Im fünften Stock des Haus Ober hat die Swiss-Casinos-Gruppe ein Restaurant mit Bar, Grill und Livingroom eröffnet. Via Lift gelangen die Gäste direkt in das 500 Quadratmeter grosse Lokal mit imposanter Bar in der Mitte des Raumes. Einzigartig ist vor allem die drei Seiten des Lokals umlaufende Terrasse. Eine grossartige Aussicht hat auch das «Clouds» im nach wie vor angesagten Kreis 5, allerdings ohne Terrasse. Die «Clouds Bar» zählt zu den absoluten Top-Locations der Stadt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sollte man dort keinen Platz mehr finden, bietet sich die nahe gelegene «Nietturmbar» an. Wie ein Ausguck sitzt sie auf der pompösen Schiffbauhalle und eröffnet durch ihre meterhohen Panoramafenster einen tollen Blick auf die Dächer und das Treiben des einstigen Industriequartiers.

«Nietturmbar»
Top-Ausblick auf das umtriebige Industrieviertel liefert die «Nietturmbar» zu den Drinks frei Haus dazu. 

© Nietturm AG

Rund um den Bahnhof

Ein Viertel, das sich erst in den letzten Jahren so richtig gemausert hat, ist die Europaallee. Während in anderen Städten Bahnhofsviertel eher schmuddelig sind, zeigt sich Züri hier seit einiger Zeit mit geputztem Gefieder. Jede Menge Gastronomie und kleine Shops haben sich in dem Viertel angesiedelt. Das «Loft Five» und das «Neo» überzeugen besonders mit ihrem Design und Gastronomiekonzept. Genussvoll, stylisch, trendig und zentral – so lassen sich die beiden Bars in wenigen Worten zusammenfassen. Das «Casual Dining & Bar»-Konzept des «Loft Five» passt bestens in die weltstädtische Europaallee. So wundert es nicht, dass die Bar eine Afterwork-Location für hippe Zürcher ist.

Man sieht: Ob Drinks mit Vogelperspektive, an frischer Seeluft oder am geschichtsträchtigen Tresen eingenommen – beim Apérölen wird man rundum serviciert.

«Loft Five»
Stylish mit guter Gastro. So präsentiert sich das «Loft Five» im Bahnhofsviertel. 

© Die Carlton Zürich AG

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