Das «neue», 2014 um­gebaute «Steirereck» im Stadtpark: Platz 15 der Weltrangliste. / Foto beigestellt
Das «neue», 2014 um­gebaute «Steirereck» im Stadtpark: Platz 15 der Weltrangliste. / Foto beigestellt

Das «Steirereck» ist ein gas­tronomisches Denkmal, die wohl bekannteste Feinschmecker-Institution des Landes. Zwischen Bregenz und Eisenstadt kennt fast jeder den Namen, er ist zum Synonym für eine gastronomische Glanzleistung geworden. Im Ranking der 50 besten Restaurants der Welt rangiert das Haus heute auf Platz 15.

Dabei hat alles ganz anders angefangen: als einfaches Eckbeisl im dritten Bezirk mit einer Wirtsfamilie, die sich in den Anfangsjahren alles hätte träumen lassen, nur nicht jene Chronologie, die wir hier näher unter die Lupe nehmen.

  • 1. 1. 1968: Der steirische Kegelbahnbesitzer Heinz Reitbauer heiratet die aus Turnau bei Bruck an der Mur stammende Wirtstochter Margarethe. Beide träumen von einem eigenen Gasthaus. Zwei Jahre später wird ihnen ein völlig unbedeutendes Ecklokal im dritten Bezirk angeboten. Die beiden reagieren zu­nächst skeptisch, sagen dann aber schliesslich zu.

  • 1. 1. 1970: Die Reitbauers eröffnen mit einem mulmigen Gefühl im Magen ihr Lokal. Adresse: Ecke Rasumofskygasse/Weissgerberlände. Der Name: «Steirereck». Heinz Reitbauer: «Uns ist damals einfach nichts Besseres eingefallen.» Die jungen Wirtsleute hatten auch gleich eine Idee für ihr erstes gastronomisches Konzept: jeden Freitag nur zwei Gerichte – Gemüsesuppe und Germknödel um 14 und 16 Schilling. Die Folge: Der Laden brummte, die Reitbauers landeten damit ihren ersten Coup. «Wir haben gearbeitet wie die Tiere», erinnert sich der Senior, «aber es hat sich gelohnt. Wir haben die Geldlade nicht zugebracht.»

  • 1974: Der wirtschaftliche Erfolg brachte den Wirtsleuten einen bescheidenen Luxus. Die Reitbauers kauften sich ihren ersten Mercedes.

  • 1975: Heinz und Margarethe Reitbauermachen erstmals Urlaub – allerdings nicht, um irgendwo in der Sonne zu liegen. Drei Wochen klappern sie die besten Restaurants Europas ab. Jeden Tag Gänseleber, Trüffel und Hummer – ein kulinarischer Marathon. Ergebnis: Die beiden sind frustriert. Reitbauer: «Uns ist rasch klar geworden, dass wir zuhause kein echtes Restaurant hatten, sondern bestenfalls eine Würstelbude.» Zurück in Wien bersten die Wirtsleute vor Idealismus und schicken ab jetzt die wichtigsten Mitarbeiter in regelmässigen Abständen nach Frankreich, damit sie dort in den besten Häusern essen und um zu sehen, wie es die Franzosen machen. Und die machten es anders, ganz anders. Die Truppe zeigte sich deshalb anfänglich total begeistert, doch schon bald wurden die Schlemmertouren zur Plage. Reitbauer: «Ich hab ihnen meinen Mercedes und meine Scheckkarte gegeben, dann mussten sie los. Sechs Restaurants in zwei Tagen. Und das zehn Jahre lang.» Nachsatz: «Das war harte Arbeit.» Auf der Speisekarte im eigenen ­Restaurant standen zu dieser Zeit aber noch immer «Schlachtplatte», «Cordon bleu» und «Dürnsteiner Flohhaxn».

  • 1977: Die erste kulinarische Wende. In Österreich wurde gerade die «Neue Wiener Küche» gegründet, eine Vereinigung von sieben österreichischen Restaurants, da­­runter auch das «Steirereck». Gekocht wurde nach der Nouvelle Cuisine, allerdings mit wechselhaftem Erfolg. Reitbauer: «Wir haben damals jeden Blödsinn mitgemacht, plötzlich lagen ein paar Erbsen und ein gefüllter Schnittlauch auf riesigen weissen Tellern.»

  • 1978: Helmut Österreicher wird Küchenchef.

  • 1981: Das Jahr der ersten Kritik durch den damals in Österreich erst jungen Restaurantführer Gault Millau. Ergebnis: ein Verriss. Magere zehn von 20 Punkten und ein wenig freundlicher Text: «Zu solch noblem Gehabe passt es nicht, dass der offene Wein in Plastikkrügen serviert wird.»

  • 1983: Das «Steirereck» erhält die erste Haube, die zweite folgt 1986. Zu diesem Zeitpunkt galt das Haus bereits als gefragte Gourmetadresse. Und auch die Kritiker waren angetan. Auszug aus dem Gault Millau 1986: «Kaum ein Restaurant in Wien hat in den letzten Jahren eine derart konsequente Aufwärtsentwicklung gemacht.»

  • 1988: Helmut Österreicher wird «Koch des Jahres».

  • 1992: Die Sternstunde der Reitbauers. Das «Steirereck» bekommt erstmals vier Hauben im Gault Millau und gilt damit als bestes ­Restaurant Österreichs.

  • 1996: Eröffnung des zweiten «Steirer­ecks» am Pogusch bei Turnau, dort, wo alles begonnen hat. Auch das «Steirereck am Pogusch» wurde vom Fleck weg ein Erfolg und gilt noch heute als gastronomisches Wunder. Feinschmecker aus aller Welt pilgerten in den entlegenen Ort. HeinzReitbauer junior leis­tete als Küchenchef Herausragendes.

  • 2002: Die Reitbauers beschliessen innerhalb der Familie den Umzug in die «Meierei im Stadtpark». Der Grund: Ihr altes Restaurant erscheint ihnen nicht mehr zeitgemäss, sie wollen, vor allem für die junge Generation, ein gänzlich neues und modernes Lokal. Doch das Projekt zieht sich. Immer wieder wird ein neuer Termin genannt, Behördenkram und der Umbau der ehemaligen «Meierei» erweisen sich als wesentlich komplizierter als angenommen.

  • 1. Jänner 2005: Das neue «Steirereck» wird eröffnet. Ein Restaurant von kühner Ästhetik und mit einem neuen kulinarischen Konzept. Es sollte alles Bisherige in den Schatten stellen. Immerhin wurden dafür fünf Millionen Euro investiert. Als Küchenchefs stehen Helmut Österreicher und Heinz Reitbauer junior am Herd. Den Service leitet Juniorchefin Birgit Reitbauer, die alten Profis Adi und Herbert Schmid agieren wie gewohnt als Wein- bzw. Käse-Sommelier. Doch es kommt zum Generationenkonflikt. Helmut Österreicher scheidet schon nach kürzester Zeit aus, Reitbauer junior wirkt als Küchenchef überfordert. Und auch der Service wird von den Gästen immer wieder kritisiert. Die Folge: Abwertungen in fast allen Gourmetführern. Die Hauptkritik der Gäste und Tester: Die richtige Küchenlinie scheint noch nicht gefunden und auch der Service wirkt alles andere als eingespielt.

  • 2007: Im Falstaff-Restaurantguide gewinnt das «Steirereck» vor allen anderen Restaurants. Das Comeback ist perfekt.

  • 2014: Das Restaurant im Stadtpark wird umgebaut. 600 Quadratmeter mehr stehen nun zur Verfügung. Die Architektur ist kühn, die Küche auf international höchstem Niveau.

  • 2015: In der «San-Pellegrino-Liste» der 50 besten Restaurants der Welt landet das Haus auf Platz 15. Einige Jahre davor schaffte es das «Steirereck» sogar auf Platz neun.

BILDERSTRECKE: Die «Steirereck»-Erfolgsgeschichte


Text von Herbert Hacker
Aus dem Falstaff Jubiläums-Special, erschienen im Dezember 2015

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