Simon Schwarz: «Social Media ist eine hohle Welt»

Simon Schwarz

© GettyImages | 2018 Tristar Media

Simon Schwarz

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Falstaff: Nächstes Jahr werden Sie 50. Was bedeutet das für Sie?
Simon Schwarz:
Ich habe tatsächlich Probleme damit. Ich wäre gerne mit 50 an einem anderen Punkt, als ich es jetzt bin. Ich hätte mir gedacht, dass ich mit 50 entspannter bin. Dass ich mich auch einmal ein halbes Jahr «zurücklehnen» kann – und nicht immer unter dem Druck stehe, drehen oder mich darauf vorbereiten zu müssen. Mit 30 dachte ich: In 20 Jahren drehe ich drei bis vier Filme pro Jahr, lebe entspannt auf einem alten Bauernhof, habe ein paar Tiere – Schafe oder Alpakas …

Eine romantische Vorstellung …
Die werde ich mit 50 aber nicht erreichen, das geht sich einfach nicht mehr aus.

Vor Kurzem haben Sie sich in einem Interview mit starken Worten als Verweigerer von sozialen Medien geoutet: «Ich halte das für einen wahnsinnigen Scheißdreck.» Hat sich Ihre Meinung dazu in der Corona-Krise verändert?
Nein, ich finde es noch schlimmer. Jetzt versucht jeder, das Fernseh- oder Kulturprogramm auf Social Media mit seinen eigenen Videos und Postings zu ersetzen. Selbst wenn ich eine Platte auflege, hat das mehr Spirit. Ich habe vor allem Angst, dass manche am Ende denken: Ja gut, dann können wir ja auch noch billiger produzieren. Diese Social-Media-Plattformen sind reine Selbstbeweihräucherung, eine hohle Welt, die gar nicht existiert. Ich möchte keine Welt haben, in der sich jeder einen Körperpanzer zulegen muss, um zu zeigen, wie toll und cool er ist. Ich hätte gerne eine Welt, in der man auch zeigen kann, dass man Angst hat. Und ich freue mich, dass ich noch echte Freunde habe.

Können sich Menschen ändern? Wann haben Sie bei sich selbst zuletzt etwas verändert?
Wir versuchen als Familie, mehr darauf zu achten, keine Lebensmittel verkommen zu lassen. Und ich war immer einer, der sehr viel beruflich geflogen ist – ich hatte den Senator-Status. Nun versuche ich, so viel wie möglich auf die Bahn umzusteigen. Und ich esse seit Jahresanfang vegetarisch. Am Set sogar vegan – das bedeutet eine Herausforderung für das Catering, ansonsten bekomme ich nämlich nur Beilagen. Früher habe ich mich von guter Wurst und Käse ernährt, und ich liebe auch hochwertiges Fleisch. Diese Umstellung war also nicht einfach.

Die höchst erfolgreichen Eberhofer-Krimis der Autorin Rita Falk tragen alle Namen handfester Nahrungsmittel, von «Dampfnudelblues» über «Leberkäsjunkie» bis hin zur neuesten, siebten Folge, die heuer im Sommer, am 13. August, ihren Kinostart erlebt: «Kaiserschmarrndrama». Sie spielen in den Filmen die Rolle des Privatdetektivs Rudi Birkenberger, der immer wahnsinnig viel und gerne isst. Mögen Sie auch selbst herzhafte Hausmannskost?
Ich schätze jedes sehr gut zubereitete Essen. Wenn gedreht wird und ich einen freien Tag habe, bin ich schon immer gerne in der Umgebung herumgefahren und habe geschaut, wo gibt es ein erstklassiges, altes Wirtshaus, wo sind kleine Lebensmittelläden, wie schaut die Metzgerei aus – die schaue ich mir allerdings jetzt nicht mehr an! – oder gibt es einen schönen Hofladen. Das ist meine grosse Leidenschaft.

Über Simon Schwarz

Der 1971 in Wien Geborene zählt zu den erfolgreichsten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Einem grösseren Publikum wurde er vor allem durch Fernsehproduktionen wie «Trautmann», «Vorstadtweiber» und «Braunschlag» bekannt. Diesen Sommer ist der 49-jährige Wahl-Berliner in «Kaiserschmarrndrama», der siebten Verfilmung der beliebten Eberhofer-Krimireihe nach Rita Falk, zu sehen.


Mit Simon Scharz auf Tour

Simon Schwarz und Sebastian Bezzel begaben sich mit dem Bayrischen Rundfunk auf Erlebnisreise durch Bayern.


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 04/2020
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