Serbien - Ein Weinland im Aufwind

Valjevo, Serbien

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http://www.falstaff.ch/nd/serbien-ein-weinland-im-aufwind-1/ Serbien - Ein Weinland im Aufwind Mit der Messe Wine Vision Open Balkan in Belgrad bekommt der Wein aus Serbien eine vielversprechende Bühne, um das Beste aus den Kellern des Landes in professioneller Weise präsentieren zu können. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/b/a/csm_serbien_shutterstock_2640_8f22e7b1ed.png

Die Weinkultur Serbiens wurzelt tief in der Geschichte zurück, neben Einflüssen der Thraker und Griechen waren es die Römer, die das gute Klima und Böden für den Weinbau nutzten. Nach einer längeren Periode, während der es ausserhalb des römischen Kernlandes verboten war, Wein zu erzeugen, wurde damit im dritten nachchristlichen Jahrhundert auf serbischen Boden zunächst in der Region Fruška Gora in der heutigen Vojvodina, die damals noch Syrmien hiess, aufs Neue begonnen. Es war der römische Kaiser Probus, geboren in Sirmium, das heute Sremska Mitrovica heisst, der in vielen Teilen Europas dafür von Weinfreunden und Winzer verehrt wird, weil er das römische Weinmonopol abgeschafft hat. Kaiser Konstantin der Grosse schätzte neben der landschaftlichen Schönheit sicher auch den Rebensaft aus Naissus, dem jetztigen Niš, wohin er seine Sommerresidenz verlegen liess. Über die Spätantike bis und Mittelalter breitete sich der Weinbau am Gebiet des heutigen Serbiens stetig aus. Der Adel und die allen voran die zahlreichen Klöster waren mit Weinbergen begütert, die Klostergüter der orthodoxen Kirche, Metochi genannt, bestanden oft aus Weinbaubetrieben. Rund um die wichtigen Klöster Manasija, Ravanica oder Gračanica befanden sich grosse Güter, die mit der Weinherstellung befasst waren. Bereits die Residenzen der frühen serbischen Herrscher verfügten über weitläufige Weinkeller, rund um die Zarenstadt Prizren, Zar Stefan Dušan förderte den Weinbau im 14. Jahrhundert nach Kräften, bis zur Eroberung durch die Osmanen erlebte die Weinkultur eine erste Blüte. Und auch wenn unter den Osmanen die Produktion offiziell verboten war, so haben die Serben auch in der Folgezeit nicht auf ein gutes Glas Wein verzichtet, sondern ihre Weingärten weiter gepflegt.

Als Jugoslawien noch Bestand hatte, verfügte Serbien über die grösste Rebfläche innerhalb der Ländergemeinschaft, die Zeit des Sozialismus hatte natürlich ihre eigenen Regeln. Ohne private Weinwirtschaft war eine qualitätsorientierte Produktion in diesem Sektor nur sehr schwer möglich, Quantität stand klar vor Qualität, trotz bester natürlicher Bedingungen konnte der serbische Wein kein internationales Renomée erlangen. In den letzten drei Jahrzehnten hat die uralte Weinkultur Serbiens wieder ordentlich Fahrt aufgenommen. Das Land verfügt über sehr unterschiedliche Terroirs und Klimazonen, dadurch kann hier eine grosse Vielfalt an Sorten und Stilen zu Weinen von erstaunlicher Qualität geführt werden. Es gibt hier elegante trockene Weisswein von Riesling – wie in der Fruška Gora, gelegen zwischen Donau und Save - bis Chardonnay, allen voran die duftige Tamjanika, oder die Weissweine aus Smederevka oder Krstač, dazu kommen lagerfähige, würzige Rotweine aus unverwechselbaren autochthonen Rebsorten wie dem Vranac und originellen Kreuzungen. Die rote Flaggschiffsorte aber ist Prokupac, die in ihrer Würze zwischen Blaufränkisch und Shiraz angesiedelt ist und sich immer mehr zum wahren Aushängeschild der Renaissance des serbischen Weines entwickelt. Komplexe Cuvées internationalen Zuschnitts wie aus Cabernet und Merlot kommen aus der Region Šumadija, die auf der geografischen Breite von Bordeaux liegt.

Die aktuelle Rebfläche Serbiens beträgt 20'113 Hektar, die sich auf 77 Weinbaugebiete und Unterzonen verteilen. Im Jahr 2021 waren 430 Erzeuger für die Herstellung von Weinen registriert, die auf den Markt gebracht werden. Insgesamt produzierten sie im Jahresmittel 30 Millionen Liter Wein. Die für die Zukunft mögliche Kapazität der Weinproduktion in Serbien wird auf potenzielle 70 Millionen Wein geschätzt. Im Export wurden zuletzt Weine im Wert von 16,8 Millionen Euro abgesetzt, denen allerdings 34 Millionen für importierte Weinen gegenüberstehen. Mengenmässig wurde mehr als die Hälfte der Gesamtweinproduktion exportiert. 5,5 Millionen Liter wurden nach Russland geliefert, was eine Drittel aller Exporte entspricht, 17% der Weinausfuhren waren für den EU-Raum bestimmt. Weitere grössere Anteile wurden nach Montenegro und Bosnien-Herzegowina ausgeführt. Die Grössenordnung der Weinerzeuger gliedert sich aktuell etwa so: zwei Unternehmen verfügen über mehr als 1000 Hektar, 6 bewirtschaften Weingüter über mehr als 100 ha, etwa 60 Weingüter stehen zwischen 10 und 100 ha zur Verfügung.

Heute verfügt Serbien in allen Anbaugebieten über modern ausgestattete Weingüter, die eine breite Paletten an Qualitätsweinen herstellen, neben den einheimischen Rebsorten wird auch die Nachfrage nach internationalen Spitzenrebsorten immer stärker Rechnung getragen. Die Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot sind mit jeweils 9% in den serbischen Weinbergen verwurzelt, damit liegen sie an erster Stelle unter den roten Sorten, Chardonnay (8%) und Sauvignon Blanc (5%) sind ebenfalls im Vormarsch. Die weisse Nummer Eins ist im Moment noch der feinwürzig frische Grasac mit 14%. Wie innovativ und lebendig die serbische Weinszene heute ist, davon zeugt die wachsende Zahl von Garagen-Winzern und die Natural-Wine-Hersteller, die von der jüngeren Generation unter den Weinfreunden gesucht und geschätzt werden. Oft sind deren Weine bereits leichter in den Exportmärkten zu finden als auf den Weinkarten in Belgrad. Auf neuen Weinmessen wie der Open Balkan Wine Fair können sich nun Gäste und Weinfreunde aus dem In- und Ausland einen guten Überblick über den Stand der Entwicklung beim serbischen Wein holen und von den Winzern persönlichen Informationen aus erster Hand bekommen. Klar ist: es gibt viel zu entdecken in den Kellern Serbiens.

Zitat: «Vino je kao tečan poljubac. Vino je tečna ljubav». - «Wein ist wie ein flüssiger Kuss. Wein ist flüssige Liebe.»

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