Sauvignon Blanc: Die Boom-Rebsorte

Der Thurgau scheint dem Sauvignon Blanc perfekte Bedingungen zu bieten. Gleich zwei der Top-Weine unserer Sauvignon Blanc Trophy kommen von hier.

© Alexandra Wey / Keystone / picturedesk.com

Der Thurgau scheint dem Sauvignon Blanc perfekte Bedingungen zu bieten. Gleich zwei der Top-Weine unserer Sauvignon Blanc Trophy kommen von hier.

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Der Begriff «populär» scheint im Zusammenhang mit der Rebsorte Sauvignon Blanc nahezu untertrieben. Allein ein Blick auf die Wachstumskurve der Rebfläche ist beeindruckend, denn sie steigt an wie das Matterhorn – und das seit 1960. Im Jahr 2015 lag die weltweite Fläche bei gesamthaft 126.000 Hektaren, Tendenz weiterhin steigend. Würde es sich beim Sauvignon Blanc um ein Wertpapier handeln, würden sich die Winzer vermutlich ärgern, die Zeichen der Zeit ignoriert zu haben. Auch hierzulande wurde die Aromarebsorte in den letzten zehn Jahren immer wichtiger. Während im Jahr 2008 noch 126 Hektaren mit ihr bepflanzt waren, waren es im Jahr 2018 schon 193, was einem Wachstum von 53 Prozent entspricht. Sauvignon Blanc scheint ein sicherer Wert zu sein, denn ohne genügend Nachfrage hierzulande würde die Rebfläche wohl auch nicht grösser werden.

Die Suche nach Aroma

Patrik Nauer von Nauer Weine in Bremgarten spürt diese Nachfrage seit Jahren. Neben dem Handelshaus besitzt Nauer auch eine eigene Weinproduktion im Aargau. «Ich bin der Überzeugung, dass die Fläche hier in der Schweiz in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Der Markt ist bei Weitem noch nicht gesättigt», berichtet Nauer. Er pflanzte bereits vor 18 Jahren die ersten Sauvignon-Stöcke und arbeitet auch im Weinhandelsunternehmen schon lange mit der Sorte. Vor allem die Weine aus der österreichischen Steiermark haben es ihm angetan und seien schon immer ein grosses Vorbild für die eigene Produktion gewesen. «Diese Weine besitzen eine unglaubliche Strahlkraft, gute Säure und präzise Frucht. Das sind auf keinen Fall langweilige Weine», erzählt er. Den allgemeinen Sauvignon-Blanc-Boom erklärt er sich dadurch, dass die Weinliebhaber hierzulande seit den letzten Jahren vermehrt Aromarebsorten suchen.

Seiner Ansicht nach ein allgemeiner Trend in der Schweiz. «Filigrane Rebsorten wie Chasselas haben es mittlerweile schwer, ganz im Gegensatz zu aromatischen Sorten wie Sauvignon Blanc oder Petite Arvine. Diese Entwicklung spüren wir ganz klar im Absatz beim Handelshaus und natürlich auch im eigenen Weingut», sagt Nauer. Seiner Erfahrung nach sind es vor allem unbedarfte, jüngere Weinkonsumenten, die Sorten wie Sauvignon bevorzugen, eben weil sie ausdrucksstark sind und leicht verständlich. Seiner Ansicht nach eine Modeerscheinung – wenn man jedoch die Flächenentwicklung betrachtet, eine durchaus lang-fristige.

Frische-Kick

Auch Ines Rebentrost vom Weingut Bachtobel im Thurgau schätzt die Sorte Sauvignon Blanc wegen ihrer Unkompliziertheit im Glas. «Beim Anbau ist es ganz anders», berichtet sie. Die Sorte ist berüchtigt für ihr starkes Wachstum im Rebberg, die Triebe wachsen teils bis zu 120 Zentimeter in die Höhe, weshalb nicht alle Mitarbeiter in der Lage sind, sie wieder in das Drahtgerüst einzuschlaufen. «Da muss man schon gross genug sein», erzählt Rebentrost mit einem Schmunzeln. Zudem sei die Sorte in der Laubarbeit aufwendig, darf während der Wachstumsphase nicht zu stark entblättert werden, da sonst die Aromatik zu exotisch werde.

Ines Rebentrost

Foto beigestellt

Schuld daran sind die Methoxypyrazine, Aromastoffe, die an Passionsfrucht erinnern und deren Management bei Weinbauforschungsanstalten weltweit immer wieder im Fokus steht. «Wir suchen beim Sauvignon, wie bei allen unseren Weinen, vor allem die Frische. Deshalb teilen wir die Lese in zwei Teile auf. Zuerst gibt es eine Vorlese, um genügend Säure im Wein zu haben, die reiferen Trauben lesen wir zu einem späteren Zeitpunkt, um das Aroma zu perfektionieren», sagt Rebentrost.

Die Sorte sieht sie als guten Gegenpol zu einheimischen Aromasorten wie dem Müller-Thurgau, der bei manchem Weinliebhaber leider immer noch auf Abneigung stösst. Sauvignon Blanc habe es da einfacher, schon allein, weil er international bekannt ist und eben auch aromatisch heraussticht. Ein guter, plakativer Einstiegswein, um Weinliebhaber abzuholen.

Eine Sorte für die Zukunft?

«Wir pflanzten unsere ersten Sauvignon-Blanc-Stöcke im Jahr 2007, und seitdem ist die Nachfrage stetig. Wir könnten noch viel mehr verkaufen», berichtet Martin Wolfer vom Weingut Wolfer in Weinfelden, als wir ihn zum Thema befragen. Seiner Ansicht nach ist die Sorte vor allem wegen ihrer geschmacklichen Diversität so stark gefragt. Egal ob frisch und fruchtig oder aromatisch reif und im Holz ausgebaut, Sauvignon Blanc beherrscht so gut wie alle Spielarten.

Martin Wolfer

© Weingut Wolfer/Foto Hans-Peter Siffert/weinweltfoto.ch

Auch Wolfer orientiert sich, wie Nauer, beim Ausbau an den Weinen der Steiermark. Er sucht Frische und Eleganz und zieht sogar Parallelen zum Terroir. «Ich habe schon das Gefühl, dass es gewisse Parallelen gibt. Vielleicht haben wir etwas niedrigere Temperaturen, aber genauso wie in der Steiermark ist das Klima mild», erzählt er. Obwohl er sonst, wie Rebentrost, auf zwei Lesedurchgänge setzt, schaffte er es im Ausnahmejahrgang 2018 in einem. «Es brauchte etwas Mut, aber wir hatten wirklich Glück mit dem Lesezeitpunkt und erwischten genau den Moment, in dem genügend Aroma, aber auch genügend Frische da war», erzählt Wolfer. Frische, genau die ist für ihn ein entscheidender Punkt, wenn es um die starke Nachfrage geht, denn seiner Erfahrung nach liegen derartige Weissweine gerade im Trend. «Interessant ist die Sorte auch, weil sie in schwächeren Jahren gute Weine hervorbringt, das könnte bei den starken klimatischen Schwankungen in den letzten Jahren für die Zukunft von Interesse sein», sagt er.

Wie seine Kollegen denkt er, dass die einzigartige Aromatik hinsichtlich der starken Nachfrage entscheidend ist. «Unseren Sauvignon mögen die Kunden vor allem, weil er dezent ist. Wenn er zu extrem wäre, würde er anecken, aber genau das dürfte man heute ja auch zeigen, die gesamte Vielfalt einer Sorte», berichtet Wolfer. Er selbst habe letztes Jahr noch einmal aufgestockt, was die Fläche angeht, nicht viel, die Reben sind in zwei Jahren erntebereit, erzählt er uns. Die Nachfrage jedenfalls spricht für seine Entscheidung.


 

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Falstaff Nr. 05/2019
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