Rosé – Gekommen um zu bleiben

Schon seine hellrosa Farbe vermittelt ein Gefühl der Lebensfreude. Rosé aus Österreich ist auch sehr vielseitig im Stil.

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Rosé

Schon seine hellrosa Farbe vermittelt ein Gefühl der Lebensfreude. Rosé aus Österreich ist auch sehr vielseitig im Stil.

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http://www.falstaff.ch/nd/rose-gekommen-um-zu-bleiben-1/ Rosé – Gekommen um zu bleiben Während in Sachen Rosé international schon lange die Post abging, lag das Thema in Österreich noch im Dornröschenschlaf. Aber inzwischen ist qualitätsvoller Rosé aus heimischen Rieden zum echten Renner geworden und hat sich auch als Speisenbegleiter längst etabliert. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/d/9/csm_2640x1200-shutterstock_1967792458_c93a415f2e.jpg

Österreichs berühmtester Roséwein ist der Schilcher aus der Weststeiermark, ein seit langer Zeit integrierter Bestandteil der heimischen Weinkultur. Mit der raren Sorte Blauer Wildbacher sind heute etwa 400 Hektar Rebfläche bepflanzt, Tendenz leicht steigend. Mit dem steirischen DAC-System ist es gelungen, die Herkunft des Weststeirischen Schilchers ganz genau zu transportieren. Daher findet auch nur der West­steirische Schilcher als Weststeiermark DAC in der Pyramide Platz, alle anderen Schilcher werden nur mit Steiermark bezeichnet, und das ist für die weststeirischen Betriebe sehr wertvoll.

So einen guten Herkunftsschutz hatten diese bisher noch nicht. Winzer Christian Friedrich meint dazu: «In Österreich steht der Rosé-Trend erst am Anfang, es sollte uns gelingen, den Rosé-Hype für den Schilcher zu nutzen und auf die Besonderheiten dieser speziellen, autochthonen Rebsorte hinzuweisen.» So könnte der Schilcher schon bald wieder knapp werden, den auch der Export regt sich.
In den skandinavischen Ländern ist der Schilcher vereinzelt schon positioniert, in Deutschland selbstverständlich auch, andere Länder werden folgen.

Bernadette und Markus Altenburger sorgen mit der «RoSée Connection» für frischen Wind
am Rosé-Markt.

© Dieter Steinbach

Die Rosé-Revolution

Bernadette und Markus Altenburger aus Jois waren unter den Pionieren, was die Produktion qualitativ hochwertiger Rosés aus Österreich betrifft. Als sie ihr Projekt «RoSée Connection» 2012 gründeten und eine Serie von Rosé-Weine mit Namen wie «Witzbold» oder «En Garde!» zu kreieren begannen, war das Thema in Österreich noch lange nicht so präsent und Rosé wurde zwar jedes Jahr aufs Neue zum Sommertrend erklärt, allerdings noch mit wenig Erfolg. Bernadette Altenburger blickt zurück: «Nach einer sehr inspirierenden Frankreich-Reise hat uns das Interesse für diese Weinfarbe gepackt und wir stürzten uns ins Rosé-Geschehen. Rosé kann viel mehr als nur Sommerwein sein, wenn man einige Sachen richtig macht und ihn nicht als Nebenprodukt der Rotweinbereitung betrachtet. Wir haben dafür am Leithaberg in prädestinierten Weingärten – kühle kalkreiche Böden – zu einem für Rosé- und nicht für Rotwein idealen Reifezeitpunkt gelesen.» Ausgebaut wurde im Edelstahl, im grossen Holz, im kleinen neuen Fass. «Wir haben uns für den Rosé richtig ins Zeug gelegt und konnten auch Rosé-Skeptiker, die mit den häufig kredenzten zuckerlfruchtigen Weinen nichts anfangen konnten, überzeugen. Inzwischen befassen sich einige Weingüter intensiver damit, und wir freuen uns über jeden guten Rosé-Wein unserer Kollegen.» Schliesslich wurde RoSée Connection mit dem zehntem Jahrgang grossteils in die Markus-Altenburger-Linie übernommen. Denn inzwischen ist das Verständnis für diesen spannenden Weinstil so gewachsen, dass es keiner eigenen Marke mehr bedarf.

Auch Johannes Kattus aus der bekannten österreichischen Sekt-Dynastie erzeugt seit 2022 einen feinen, stillen Rosé-Wein, der bereits die Weinkarten von Wien bis Kitzbühel erobert: «Mit ‹Hanni’s Rosé› haben wir die biologische österreichische Antwort auf die leichten französischen Weine aus der Provence. Der Wein verbindet den Wunsch der Menschen nach Regionalität, ressourcenschonendem Anbau und progressiver Ästhetik mit leichtem, sommerlichem Genuss. Gemeinsam mit Albert Gesellmann betreten wir ein Marktsegment, in dem Österreich bisher unterrepräsentiert war.»

Pia Strehn erzeugt eine breite Palette von Top-Rosé-Weinen.

© Felix Werinos

Die wohl bekannteste und zurzeit erfolgreichste heimische Erzeugerin von Rosé-Weinen ist allerdings Pia Strehn aus Deutschkreutz im Mittelburgenland. Kennengelernt hat sie die Weinkategorie bei einem Sprachurlaub in Nizza. Als sie dann auf der Prowein-Messe den im Barrrique vergorenen Clos Cibonne und später den Rock Angel von Sascha Lichine aus der Provence verkostete, war klar, wohin die Reise gehen soll. «Nachdem ich ja Rotweingärten schon immer vor der Haustür habe, bin ich es 2017 angegangen. Meine Brüder waren anfangs sehr irritiert, haben aber mitgemacht. 2017 war der erste Jahrgang meines Projekts mit dem Arbeitstitel ‹Der Elefant im Porzellanladen›. Von da an waren der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Wir wollten mehr wissen, haben alles ausprobiert an Rebsorten, Böden, Pressstufen und Lagermaterialien.» Ihre Vision war es, einen eigenständigen Rosé-Stil zu kreieren, der komplex und cremig ist und bei dem auch die Frucht nicht zu kurz kommt. Sie liebt es, Rosé aus grossen Gläsern zu trinken und findet, dass man ihn auch bei Rotweintemperaturen super geniessen kann. Je nach Ausbaustufe natürlich. Pia Strehn schätzt Chardonnay, nun war sie auf der Suche nach einer Rotweinsorte, die als Rosé einen ähnlichen Charakter am Gaumen entwickelt. Da «sind wir bei Blaufränkisch fündig geworden. Und bei der Ausbauweise haben wir uns an Burgunderweinen orientiert.»

Der Erfolgsweg für Rosé aus Österreich ist aus Sicht seiner Proponenten vorgezeichnet. Denn mit Rosé spricht man je nach Ausbaustufe nicht nur weininteressierte Menschen an, sondern auch jene, die den Weinstil vor allem optisch attraktiv finden – und eröffnet so eine völlig neue Zielgruppe, die sich dem heimischen Weinschaffen sonst wahrscheinlich nicht zugewandt hätten. Fazit: Der Rosé-Trend ist nun auch bei uns (an-)gekommen, um zu bleiben.

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Falstaff Nr. 05/2022
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