In der angesehensten Weinbauregion unseres Planeten, im Burgund, in dessen ruhmreichstem Ort, Vosne-Romanée, und dort an der nobelsten Stelle des besten Hangstücks – da liegt der Grand Cru Romanée-Conti. / Foto: Morandell
In der angesehensten Weinbauregion unseres Planeten, im Burgund, in dessen ruhmreichstem Ort, Vosne-Romanée, und dort an der nobelsten Stelle des besten Hangstücks – da liegt der Grand Cru Romanée-Conti. / Foto: Morandell

Fährt man in den Ort Vosne-Romanée, die Nationalstrasse und die Reben der kommunalen AOC im Rücken, so ist man im Nu durch die wenigen von Häusern gesäumten Straßen hindurch – und findet sich im Handumdrehen inmitten von Reben wieder. Diesmal sind es keine Lagen für Ortswein, sondern vor einem breitet sich der Grand-Cru-Hang aus, ein Band von Spitzenlagen: ein grosser Name neben dem anderen. An der ersten Weggabelung, in einem sanften Anstieg, zieht ein umfriedeter Weinberg rechterhand den Blick auf sich. Ein kleines Schild ist an der verwitterten Weinbergmauer angebracht – eines, das sich auf Französisch und Englisch direkt an Passanten wendet: »Sie sind einer von zahlreichen Besuchern dieses Orts, und das verstehen wir gut. Wir bitten Sie nichtsdestoweniger, auf der Strasse zu bleiben und auf keinen Fall in den Weinberg hineinzugehen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.« Hier wachsen die Reben des gesuchtesten, des rarsten, des teuersten Burgunders – des legendären Romanée-Conti.

Hinter diesem Mäuerchen wachsen die wohl teuersten Trauben der Welt / Foto: Morandell
Hinter diesem Mäuerchen wachsen die wohl teuersten Trauben der Welt / Foto: Morandell
Freundliche Verbindlichkeit im Ton, aber Striktheit in der Sache: Aubert de Villaine, der das Schild an der Weinbergmauer anbringen liess, verkörpert diese sehr burgundische Kombination von Eigenschaften wie kaum ein zweiter. Conti – das gilt für die Lage wie für die gleichnamige Domaine – gehört je zur Hälfte seiner Familie und der Familie Leroy. Normalerweise ist es im Burgund nicht zulässig, dass ein Weingut denselben Namen trägt wie eine Grand-Cru-Lage.

Staat machte eine Ausnahme
Für Romanée-Conti machte der französische Staat jedoch eine Ausnahme. Ein Ausnahme-Weingut ist DRC, wie man die Domaine gerne abkürzt, auch in vielerlei anderer Hinsicht: Das beginnt damit, dass ihr gesamter Lagenbesitz – nach der jüngsten Erweiterung um drei Parzellen Corton, immerhin fast 28 Hektar – ausschliesslich als Grand Cru klassifiziert ist. Eine Besonderheit ist auch die Widerstandskraft des Weinguts gegen Neuerungen. So behielt DRC bis zum Beginn der 1980er-Jahre die Gewohnheit bei, seine Weine Pièce um Pièce abzufüllen, also jedes 228-Liter-Fässchen einzeln. Die Folge waren deutliche Qualitätsschwankungen innerhalb desselben Jahrgangs. Erst 1982 begann Aubert de Villaine damit, den Inhalt mehrerer Piècen vor der Abfüllung in einem Stahltank zusammenzuführen und dann von dort aus abzufüllen. Die Aversion gegen Neuerungen bewegte die früheren Wächter über den Weinberg Romanée-Conti auch dazu, noch fast die ganze erste Hälfte des 20. Jahrhunderts an den alten wurzelechten Reben festzuhalten – der Reblaus zum Trotz. Ringsum waren schon alle Reben auf reblausresistente amerikanische Unterlagen gepfropft, übrigens auch in den anderen DRC-Weinbergen – ausser Romanée-Conti. Doch in ihrem Vorzeigestück versuchte die Do­maine Jahr für Jahr mit Schwefelinjektionen in den Boden und anderen mehr oder weniger hilfreichen Techniken, einen Minimalertrag zu retten. 1945 war der letzte Jahrgang, der aus wurzelechten Reben gekeltert wurde. Die Ernte ergab gerade einmal 600 Flaschen – danach gaben Henri Leroy und Edmond Gaudin de Villaine auf und rodeten den Weinberg. Sechs Jahrgänge lang gab es keinen Romanée-Conti, erst 1952 wurde wieder ein Wein aus gepfropften, noch vergleichsweise jungen Reben abgefüllt und in Verkehr gebracht. Immerhin wurden von den alten Reben vor ihrer Rodung Reiser geschnitten und veredelt – mit dieser »sélection très fin« wurden später auch andere DRC-Weinberge aufgestockt, beispielsweise La Tâche.


Barriquelager im Gewölbekeller unter der Domaine. Das Holz für die Piècen soll vor allem aus dem Tronçais kommen / Foto: Morandell

Holz-Cuve aus dem Jahr 1862
Und noch ein Faktum illustriert die ungewöhnliche Traditionsverhaftung der Domaine: Die Trauben für den Romanée-Conti werden seit langer Zeit immer in derselben Holz-Cuve mit der Nummer 17 vergoren. Der offene Bottich stammt aus dem Jahr 1862 – er fasst 30 Piècen (etwas über 6800 Liter) und bietet damit reichlich Platz, um selbst in einem Jahr mit gutem Ertrag die gesamte Erntemenge des Weinbergs aufnehmen zu können. Die grösste Konstante des Romanée-Conti ist aber der Untergrund der Lage. Die geologische Karte verzeichnet Kalke aus zwei Epochen des mittleren Jura: feinporigen Kalk aus dem Bathonium (168–166 Millionen Jahre alt) im westlichen Teil und hangabwärts Bänke von Mergelkalken aus dem Bajocium (170–168 Millionen Jahre alt), die mit fossilen Austern der Spezies Ostrea acuminata durchsetzt sind. Das rötliche Lehm-Ton-Gemisch, das als Auflage auf dem Kalk liegt, ist stark mit Eisenmineralien angereichert. Zudem weist es ein Bodenskelett aus Kalkgeröll auf. Die Position von Romanée-Conti an exakt jener Stelle des Hangs, an der die Steigung gerade erst beginnt, scheint für die Terroir-Qualität der Lage nicht unbedeutend zu sein: Denn der Boden ist nicht ganz so mager und trocken wie weiter hangaufwärts in »La Romanée« – jener Parzelle, die dem Prinzen Conti offenbar nicht gut genug war. Aber der Boden ist auch nicht so tiefgründig wie in der Lage Romanée-Saint-­Vivant hangabwärts im Flachen. Die Teilung, die Louis François de Bourbon, Prinz von Conti, durch seinen Kauf hervorbrachte – sie war und ist vor allem sachlich begründet. Nicht von ungefähr bezahlte der Prinz im Jahr 1760 den zehnfachen Landpreis, der damals für einen anderen hervorragenden Grand Cru galt, den Chambertin-Clos de Bèze. Ob es stimmt, dass der Verwalter des Prinzen Conti im Winter 1786/87, wie manche Quellen berichten, 800 Wagenladungen »terre de montagne« aus den Hautes-Côtes herbeischaffen ließ, mag dahingestellt bleiben. Falls die Erde tatsächlich dazu gedient hat, Mulden auszugleichen, hat sie jedenfalls dem ausgeglichenen Wasserhaushalt der Lage keinen Schaden zugefügt.


Boden, Geologie, perfekte Bewirtschaftung und Traditionalismus im Keller: Hier kommen alle Faktoren für Wein der Spitzenklasse zusammen / Foto: Morandell

Böden mit viel Kalk
Der Perfektionismus bei der Bewirtschaftung und der Traditionalismus im Keller machen einen wichtigen, aber wohl den kleineren Teil der Einzigartigkeit des Weins von Romanée-Conti aus. Den größeren Beitrag leisten Boden und Geologie: In nur 60 Zentimetern Tiefe treffen Rebwurzeln auf Kalk. Viele Spalten und Fissuren gestatten ihnen, ins Gestein einzudringen. Die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen im Oberboden sorgt dafür, dass die Reben alles aufnehmen können, was den Trauben Extrakt und Aroma gibt. Die Würze des Conti, seine mit Feinheit gepaarte Kraft, seine Dichte, mineralische Festigkeit und Langlebigkeit – all dies wird nur möglich, indem natürliche Gegebenheiten von menschlicher Intelligenz verstanden und mit Kontinuität und Geschick umgesetzt werden. Vor allem dies ist die Geschichte, die ein Glas Romanée-Conti erzählt.

Parker-Punkte für Romanée-Conti

JahrgangPunkte
201298-100
201196
201097-99
200996+
200897
200796
200698
200599-100
200395
200290
200191-93
199995-99
199795
199696-98
199595
199391
199191
199098
198898
198795
198694
1985100

 

Mehr Info:
www.romanee-conti.fr
www.morandell.com

Text von Ulrich Sautter aus Falstaff Deutschland 08/14 bzw. Falstaff Österreich 07/14

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