Roe & Co: Irish Whiskey Destillerie eröffnet in Dublin

Der Verkostungsraum in der Roe & Co Distillery

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Der Verkostungsraum in der Roe & Co Distillery

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Roe & Co heisst der jüngste Zuwachs in der Riege der Irish Premium Whiskeys. Der Wiederaufstieg des irischen Whiskeys – von nur noch drei Destillerien Mitte des 20. Jahrhunderts zu fast 30 aktiven Brennern heute – beschert den Whiskeyliebhabern ein Premiumsegment, in dem sich viele spannende Produkte finden und die Konkurrenz untereinander nur stetig die Qualität steigert. Mit Roe & Co hat Diageo nach Verkauf von Bushmills nun wieder einen Irish Whiskey im Portfolio.

Produziert wird Roe & Co schon seit 2017, doch erst dieses Jahr wurde die Roe & Co St. James Gate Destillerie im ehemaligen Kraftwerk der Guinness Brauerei an der Thomas Street eröffnet. Der Standort will als Besucherattraktion und Top- Bar gleichermassen in Dublin Fuss fassen und ist dabei nicht zufällig gewählt: An derselben Stelle stand früher die Thomas Street Distillery von George Roe, eine der grössten Whiskeybrennereien der Welt. 1926 musste sie aufgrund der Krise des irischen Whiskeys die Tore schliessen. Nahezu alle Gebäude wurden abgerissen, einzig der St. Patrick’s Tower – früher eine Windmühle zur Energiegewinnung – zeugt heute noch von der ehemaligen Distillery.

Für das gestalterische Gesamtkonzept zeigt sich Drinksology (unter anderem «The Dead Rabbit New York») verantwortlich. Mit grosser Sorgfalt wurden ursprüngliche Elemente des Industriedenkmals behalten – teilweise sogar als Ganzes ­wie im Maschinenraum neben der Bar, der durch grosse Glasscheiben getrennt in seinem ursprünglichen Zustand gelassen wurde. Schauräume und Bar fügen sich ebenso gelungen in den industriellen Look des Kraftwerks ein.

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Noch vor Beginn der Tour treffen wir im Eingangsbereich auf Catherine Martin, Mastermind hinter dem Blending von Roe & Co. Für Martin, seit 30 Jahren Diageos Master Blender, war Roe & Co schon allein deshalb spannend, da das Ausgangsprodukt so gänzlich andere Anforderungen hatte als ihre letzten, schottischen Blends (etwa Johnny Walker, J&B, und Bells), mit denen sie bisher vertraut war. Roe & Co soll «neat» oder mit Eis und Fillern wie Tonic genauso zu geniessen sein wie in Cocktails – «also eine ganz einfache Aufgabe», so Martin schmunzelnd. Darum war die Balance wichtig: der Whiskey durfte nicht zu eindimensional, aber auch nicht zu intensiv im Geschmack sein.

Ihre Idee war es, einen Blend aus Malt und Grain Whiskey zu schaffen, um das richtige Verhältnis aus Fruchtigkeit (Malt) und Süsse (Grain) zu schaffen. Um das Holz geschmacklich einzubringen wurde der Blend in amerikanische Eichenfässer (First- und Second Fill) gelagert.

Statt der geplanten 40 Volumensprozent wurden aufgrund des Einflusses der Barcommunity in der Entwicklung des Whiskeys dann 45 Prozent. Dadurch behält der Whiskey seine Durchsetzungskraft in Cocktails. Auf diese Mixability-Ansprüche bei Whiskey einzugehen war auch für Caroline Martin auch nach Dekaden der Berufserfahrung ein Novum. Letztendlich sichtete Martin das Material – das bedeutet im Falle des Master Blenders aus zahlreichen Casks die passenden Whiskeys herauszufinden. Auf ein Age Statement beim Whiskey legte Martin dabei keinen Wert, da sie sich nur auf den Geschmack konzentrieren möchte, und ein Blend mit Altersangabe als zu restriktiv für das Endprodukt gestalten würde. Der Blending Prozess selbst bis zum gewünschten Endergebnis war aufwendig: Martin verweist hierzu auf den Room 106 – ihren Lieblingsraum der Destillerie – um sich vom Entstehungsprozess ein Bild zu machen.

Natürlich bevorzugt Caroline Martin ihren Whiskey – ganz die Schottin – «neat, with an icecube or a splash of water», generell aber sieht sie kein Problem, Roe & Co mit Fillern oder im Cocktail zu trinken. In ihrer Generation war es ein Frevel, und sie selbst hat einige Zeit und Erfahrung gebraucht um Whisky als Basis von Cocktails und Highballs zu verstehen. Das wichtigste sei, dass man Whisky so trinkt wie er einem schmeckt. Ein schönes Statement vom «Keeper of the Quaich» und ein guter Start für eine Destillerieführung mit anschließenden Whiskey-Drinks.

Über einen Durchgang überquert man die eigentliche Produktionsstätte, in Szene gesetzt die drei Kupferbrennblasen «Vision, Virtue and Valour», mit denen zwei- bis dreifaches Destillieren möglich ist und die im Jahr etwa 500.000 Liter Alkohol erzeugen können. Gebrannt wird unter der Woche, somit ist es bei unserem samstäglichen Durchgang menschenleer und ruhig.

Der Verkostungsteil findet gleich im Anschluss im Room 106 statt (siehe Bild oben). Beim Blick auf die Wand versteht man nun Caroline Martins Worte: 106 Blends waren bis zum finalen Ergebnis nötig, und der Entstehungsprozess ist als Netzwerk vom Whiskey und Kupferdraht eindrucksvoll als Schauwand dargestellt. Hier hat man auch erstmals die Gelegenheit zu verkosten. Roe & Co ist ein wirklich guter Whiskey: Die Fruchtigkeit von Kernobst, ein cremiges Mundgefühl, eine kleine Anmutung an Bourbon durch die frischen Fassnoten, ausgeprägte Süsse und eine beständige Vanillenote bis in den Abgang. Nicht zu intensiv, aber doch charaktervoll und kräftig – sicher auch dank der 45 Volumenprozent.

Der Flavour-Workshop im anschliessenden Raum ist kurzweilig: man wird angehalten, sich einen Drink nach den fünf Geschmacksrichtungen zu mixen, um ein Händchen für die Mixability zu bekommen.

Schlusspunkt der Tour ist die Power House Bar. Hier wird ausgestempelt. Wortwörtlich! Es offenbart sich einem die Idee hinter dem Barkonzept von Alan Mulvihill, Brand Ambassador und kreativer Kopf hinter der Barkarte: Die Eintrittskarte wird – wie nach getaner Arbeit – in der Stechuhr gestanzt und gegen einen Drink an der Bar eingelöst.

Die Cocktails sind nach den ehemaligen Berufsbezeichnungen der Arbeiter im Kraftwerk benannt und charakterisiert – im Aroma ebenfalls nach den fünf Geschmacksrichtungen untergliedert. Der »Switchboard Operator» trifft hier auf den «G. M.» (general manager). Dazu finden sich Twists von Klassikern wie Irish Coffee oder Espresso Martini («Roe & Espresso») wieder. Die Drinks sind erstklassig, hier zeigt Diageo die unbestrittene Kompetenz im Barbereich.

Mike Tobin, Brand Ambassador in Deutschland bringt die Ambitionen auf den Punkt: Die Power House Bar soll unter die «The Worlds Best 50 Bars», das Publikum soll nicht nur wegen einer Führung, sondern wegen der Drinks zur Destillerie kommen. Bei der Güte der Drinks, dem Ausnahme-Ambiente und dem Service ist das mit Sicherheit möglich. Als Bargast mögen dann nur die Öffnungszeiten überraschen: Von 11 bis 19 Uhr ist die Bar geöffnet. Daytime Cocktails, wer mag sie nicht?

www.roeandcowhiskey.com

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