Ribera del Duero: Spaniens Rotweinstar

© José I. Berdón

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Spricht man von spanischem Rotwein, kommt man um eine Region nicht herum: Ribera del Duero. Denn kaum eine andere prägte das positive Image der spanischen Gewächse in den letzten Jahren derart stark wie die etwa zwei Autostunden von Madrid entfernte Region im Norden Zentralspaniens, gelegen in Kastilien und León. Die Anbauregion umfasst 108 Gemeinden in den Provinzen Segovia, Soria, Valladolid und Burgos, wobei 73 Prozent der Rebflächen in den letztgenannten Provinzen liegen. Von Osten nach Westen misst Ribera del Duero 115 Kilometer, die maximale Entfernung zwischen der nördlichen und südlichen Grenze beträgt 35 Kilometer. Die Region folgt dem Lauf des Flusses Duero, der bis nach Portugal fliesst und dem sie ihren Namen verdankt.

Cool Climate

Besonders ist die Lage auf einem zwischen 700 und maximal 1050 Meter hohen Plateau. Diese einzigartige Höhenlage, verbunden mit dem vorherrschenden kontinentalen Klima, moderaten Niederschlägen und trockenen Sommern bietet perfekte Bedingungen für den Rebbau und bringt Weine von grosser Strahlkraft hervor. Im Sommer werden Temperaturen bis über 40 °C erreicht, während es im Winter durchaus sehr kalt werden kann. Die Niederschläge sind niedrig und liegen bei rund 400 mm pro Jahr bei über 2400 Sonnenstunden. Dank der Höhenlage der Rebberge sind die Nächte vergleichsweise kühl, weshalb die Traubenreifung relativ lange, in der Regel bis Oktober, in besonders kühlen Jahren auch bis in den November hinein, andauert. Die Vegetationsperiode gehört damit zu den längsten in Europa. Leider wird die Region aufgrund ihrer Höhenlage immer wieder von Frost heimgesucht, die Gefahr hierfür ist bis Mai und ab September gegeben.

Aufgrund der im Vergleich zu anderen spanischen Weinbauregionen längeren Reifedauer können die hiesigen Winzer Trauben mit mehr Aroma und Farbe ernten. Eine Besonderheit, die sich manch andere Winzer in so heissen Regionen wie Spanien oftmals wohl wünschen würden. Dementsprechend hoch ist auch die Anzahl an hochwertigen Weinen, die in Ribera del Duero entstehen.

Handlese: Eine der Voraussetzungen für qualitativ hochstehende Weine.

Handlese: Eine der Voraussetzungen für qualitativ hochstehende Weine.

© José I. Berdón

Land des Tempranillo

Die tonangebende Rebsorte, die etwa 96 Prozent der gesamten Rebfläche ausmacht, ist Tempranillo, hier auch Tinta del País oder Tinto Fino genannt. Dank ihrer Farb­stärke, der ausgeprägten Frucht und der ausgewogenen Struktur ist sie für den Ausbau in Neuholz wie gemacht. «Temprano» bedeutet so viel wie «früh», was sich auf die frühe Blüte und im Vergleich zu anderen Sorten geringere Reifezeit bezieht. Rotwein aus der Region muss mindestens 75 Prozent Tempranillo beinhalten. Darüber hinaus werden Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec, Garnacha und als weisse Rebsorte die Albillo Mayor in geringen Anteilen angebaut. Letztere wird auch gelegentlich als Bestandteil in Ribera-Rotweinen verwendet, liegt dabei aber immer unter fünf Prozent.

Die Zugabe von weissen Trauben hat auch in anderen Gegenden Spaniens Tradition. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist der grosse Anteil an alten Rebstöcken in Ribera del Duero, ein weiterer Garant für Weine von hoher Qualität. Über ein Drittel der Rebfläche ist mit über 50 Jahre alten Reben bestockt, auf drei Prozent der Fläche stehen gar über hundertjährige Rebstöcke. Die knorrigen, alten Reben – im Gobelet-Erziehungssystem kultiviert – sind wie gemacht für die vorherrschenden extremen klimatischen Bedingungen und bringen Trauben von höchster Qualität hervor. Hinsichtlich der Bodenbeschaffenheiten ist die Region in den höheren Lagen von lehm-, sand- und kieshaltigen Böden mit Kalkanteilen geprägt. Im Duerotal herrschen vor allem Formationen auf Kalkbasis vor. 

Cool Climate: Die Rebberge von Ribera del Duero befinden sich auf über 700 Höhenmetern.

© José I. Berdón

Kometenhafter Aufstieg

Seit der Gründung der DO im Jahr 1982 erlebte Ribera del Duero einen kometenhaften Aufstieg und befeuerte den Mythos des spanischen Rotweins. Seit dieser Zeit hat sich die Rebfläche von etwa 7000 Hektaren auf mittlerweile 23.205 Hektaren ausgeweitet. Ein Grossteil der Fläche kam seit 1990 hinzu. Aktuell bewirtschaften diese Fläche etwa 296 Weingüter, die in der Regel Rebflächen besitzen und nicht auf Traubenlieferanten angewiesen sind. Zu Beginn der DO waren es gerade mal neun. Für den Aufstieg der Region waren mitunter die strengen Qualitätsverpflichtungen der Winzer verantwortlich, die sich unter anderem in einem niedrigen, langjährigen Durchschnittsertrag wi­derspiegeln. Zudem liegt der Höchstertrag bei maximal 7000 Kilogramm Trauben pro Hektaren.

Der Boom um die Weine aus der Region sind wohl auch auf den Einfluss des kleinen Holzfasses zurückzuführen. Das Barriquefass spielt bei der Reifung der Ribera-Rotweine bis heute eine entscheidende Rolle, denn die Winzer wissen, wie man mit dem kleinen Holzfass umgehen muss. Feinste Röstnoten und perfekt eingebundene Holzwürze gepaart mit klarer Frucht sind heute das Markenzeichen der Region. Besonders die Crianzas und Reservas begeistern mit Komplexität.

INFO
23.205 Hektaren, 8148 Winzer, 296 Weingüter
(Stand vom 31. Dezember 2018)
Weitere Informationen unter:
www.riberadelduero.es

ZUM TASTING


Falstaff-Leserdegustation
Die Ribera-Lieblinge der Falstaff-Redaktion selbst verkosten:

In einem intensiven Tasting hat die Falstaff-Redaktion aus über 80 Weinen ihre  «Rotweinstars» der Ribera del Duero erkoren. Diese werden nun in einer exklusiven Leserdegustation präsentiert. An zwei Terminen lassen sich die komplexen Weine dieses besonderen Anbaugebiets probieren und die Vielfalt Ribera del Dueros im Zuge eines genussvollen Abends mit Tapas und Musik kennenlernen.

Bern
Dienstag, 22. Oktober 2019
Gustav Lounge im Bierhübeli
Neubrückstrasse 43, 3001 Bern
17–18 Uhr: MasterClass für Fachbesucher
18–21 Uhr: Leserdegustation

Zürich
Mittwoch, 23. Oktober 2019
Gainsbourg
Kreuzstrasse 26, 8008 Zürich
17–18 Uhr: MasterClass für Fachbesucher
18–21 Uhr: Leserdegustation

Eintritt: CHF 10,– p. P.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.falstaff.ch/events


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 06/2019
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