Reise durch das Weinland Uruguay

Gemeinsam ein Glas Wein trinken: Uruguay ist zwar ein verhältnismässig kleines Weinland, die Einwohner lassen es sich trotzdem schmecken.

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Gemeinsam ein Glas Wein trinken: Uruguay ist zwar ein verhältnismässig kleines Weinland, die Einwohner lassen es sich trotzdem schmecken.

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Uruguay unterscheidet sich von den anderen südamerikanischen Weinbauländern nicht nur durch seine fehlende Grösse, es fehlen dem reichsten Land Südamerikas auch die Berge. Der höchste Punkt des Landes erhebt sich ganze 514 Meter über Meeresniveau. 

Lange Zeit war das direkt bei Montevideo an der Mündung des Río de la Plata gelegene Anbaugebiet Canelones das mit Abstand grösste Herkunftsgebiet in Uruguay. Hier, im regenreichen Gebiet am Atlantik, hatte sich auf fetten Böden die aus dem Baskenland importierte Rotweinsorte Tannat schon vor 1900 etabliert. Der Grund, warum gerade diese robuste, tannin- und säurereiche Sorte sich durchsetzte: Mit allen anderen Versuchen scheiterte man in vier von fünf Jahren kläglich. 

Entlang der Küstenlinie befinden sich mehrere Anbaugebiete, wie östlich von Canelones die aufstrebende Region Maldonado, westlich von Montevideo auch San José, Colonia und Carmelo. Im Inland liegen an der Grenze zu Brasilien Rivera, an der Grenze zu Argentinien die Herkünfte Salto und Paysandú.

»Nachzügler« Uruguay

In Uruguay beginnt die Geschichte des Weinbaus um einiges später als in den anderen Ländern Südamerikas. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Nähe der Hauptstadt Montevideo die ersten Reben gesetzt. Das erste Weingut wurde vom Spanier Pascal Harriague in der Nähe von Salto im gleichnamigen Distrikt gegründet, der die von baskischen Einwanderern mitgebrachte Tannat-Rebe in grösserem Umfang anpflanzte.

Sie wird bis heute auch Harriague genannt, die Sorte belegt rund ein Drittel der Rebfläche. Anfang des 20. Jahrhunderts brachten italienische Auswanderer weitere Sorten aus der Heimat mit, etwa Barbera und Nebbiolo. 

Neben Tannat werden heute eher klassische französische Sorten kultiviert. Die Rebfläche der kleinen Weinnation wird aktuell auf rund 11.000 Hektaren geschätzt, die jährliche Erntemenge liegt bei etwa 110.000 Hektolitern. Damit erzeugt das Land weniger, als vergleichsweise die grösste Kellerei Chiles in nur einem Jahr abfüllt. Klimatisch reichen die Bedingungen Uruguays von feucht und subtropisch-warm bis mediterran, durch die Nähe zum Meer kann das Anbaugebiet auch mit dem Médoc verglichen werden. 

Die Bewertung der Südamerika-Weine kann hier nachgelesen werden:

Tasting: Das Blut der Anden

Uruguay im Fokus

Die aktuelle Anbaufläche beträgt: 11.000 Hektar
Die Produktionsmenge lag 2016 bei: 0,98 Millionen Hektoliter  (lt. OIV, Paris)

Flaggschiff: Tannat
Die tiefschwarze Tannat-Rebe stammt aus dem Südwesten Frankreichs, wo sie speziell im Madiran kräftige, würzige Weine ergibt. 1870 wurde die in Europa als rustikal beschriebene Sorte erstmals im Umland von Montevideo gepflanzt, wo sie sich im feuchtwarmen Klima als Glücksgriff erwies, weil sie im Gegensatz zu Merlot und Cabernet gute Ergebnisse brachte. Mit der Zeit etablierte sie sich als Uruguays Wein-Flaggschiff. Die Weine zeigen sich komplex mit Noten von schwarzen Kirschen und reifen Pflaumen, frischer Struktur, runden Tanninen und Nougatnoten, sie besitzen ein gutes Reifepotenzial.

Aus dem Falstaff Magazin 01/2017.

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