Recioto – Der süsse Rote aus dem Valpolicella

Weinberge in Valpolicella

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Der Name leitet sich von dem Mundart-Begriff «recia» ab, was so viel wie «Ohr» bedeutet. Nur die Schulterpartien, also der am besten exponierte und wertvollste Teil der Traube, wird verwendet. Die Geschichte dieses Weins reicht mehr als 2.000 Jahre zurück.

Einst von Vergil als einer der besten Weine Italiens gepriesen und von den römischen Kaisern geliebt, wurde er im 15. und 16. Jahrhundert von den Venezianern an die renommiertesten Höfe Europas exportiert. In den folgenden Jahrhunderten wurde weiterhin Recioto produziert, was im 19. Jahrhundert zu einer ersten Aufzählung der zulässigen Traubensorten führte, worin unter anderem die Corvina-Traube als typische Valpolicella-Sorte erwähnt wurde.

Die Abgrenzung des Gebiets und die Verbesserung der Herstellungs- und Weinbereitungstechniken des Recioto führten 1968 zum Erlass einer offiziellen und verbindlichen Produktionsvorschrift und zur Anerkennung als DOC-Wein. Im Jahr 2010 folgte die Anerkennung des Recioto als DOCG-Wein.

Die traditionelle Technik des Trocknens

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Das Trocknen ist eine sehr alte, handwerkliche Technik, die auf die Antike zurück geht. Früher wurden die Weintrauben wie andere Erzeugnisse der Erde behandelt, indem man sie einfach erntete und frisch verzehrte. Dann entdeckte man, dass die getrockneten Weintrauben nicht nur haltbarer waren, sondern zusätzliche Qualitätselemente erhielten. Auch für die Weinverarbeitung waren diese über mehrere Monate angetrockneten Trauben besser geeignet, ergaben sie doch einen ungleich reicheren und kraftvolleren Wein. Wie für Recioto werden auch für Amarone nur die besten Trauben verwendet, die ausschliesslich von Hand geerntet werden.

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Vor dem Pressen werden sie für mehrere Monate (90-120 Tage) angetrocknet. Dies geschah früher auf Gestellen aus dünnem Schilfrohr, lokal «arele» genannt. Heute werden dazu auch Holz- oder Kunststoffkistchen verwendet.  Während der Trocknung verlieren die Beeren zwischen 30 und 50 Prozent ihres Gewichtes, gleichzeitig werden Zucker, Aromen und Polyphenole konzentriert. Sobald die erforderliche Zuckerkonzentration in den Beeren erreicht ist, werden sie zu Wein verarbeitet. Um die gewünschte Restsüsse zu erhalten, wird die Gärung gestoppt. Daraus entsteht ein unvergleichliches harmonisches Spiel zwischen Süsse, Säure und Gerbstoff, das mit Jahren der Lagerung immer feiner wird.

Recioto ist der Süsswein aus dem Valpolicella, der dank seiner feinen Tannine und seiner frischen Säure nie süsslich wirkt. Am besten begleitet er Dessert auf Schokoladebasis, zu Wildgerichten setzt er einen interessanten Kontrast und natürlich kann man ihn auch einfach solo geniessen.


Info

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter consorziovalpolicella.it


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