Raritätenmarkt Schweiz: Rares ist Bares

Lucullus gehört zu den wichtigsten Playern im Handel mit Burgunder- und Bordeauxraritäten.

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Lucullus gehört zu den wichtigsten Playern im Handel mit Burgunder- und Bordeauxraritäten.

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Timothy Magnus ist Weinsammler. Insbesondere Burgunder haben es ihm angetan. «Ich mag die Säure im Wein und die Frische», erklärt der Weinakademiker mit charmantem, englischem Akzent. Magnus ist Mitte 40, stammt ursprünglich aus Australien und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in der Nähe von Zürich. «Als ich jung war, sammelte ich Musik», erklärt er uns. «Wein mochte ich schon immer, doch die besten Weine aus Europa konnte ich in Australien nicht kaufen.» Die Schweiz ist laut Magnus der perfekte Ort, um seine Leidenschaft auszuleben. «Viele Burgunderdomänen sind im Schweizer Handel vertreten», erklärt er, «und wenn es etwas nicht gibt, dann fahre ich in drei Stunden mit dem Auto einfach hin.»

Die Schweiz ist ein Mekka für Weinsammler und Timothy Magnus nur einer von vielen. Er selbst arbeitet im Weinbereich als Seminarleiter und Veranstalter von Events, viele seiner Sammlerkollegen sind aber in anderen Branchen tätig. Gerade im Finanzsektor sind auffällig viele Weinsammler zu finden. «Der
Raritätenmarkt korreliert direkt mit dem Wirtschaftssystem», sagt Christoph Pichler, Raritätenhändler beim Zürcher Weinhändler Smith & Smith. «Wir sind ein Land von sophistizierten Weintrinkern mit einer traditionell grossen Kaufkraft. Eigentlich logisch, dass es hier viele Weinsammlungen gibt.»

Weinexperte und -sammler Timothy Magnus ist bekennender Burgunderfan.

Weinexperte und -sammler Timothy Magnus ist bekennender Burgunderfan.

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Alles nach Asien?

Natürlich gibt es in der Schweiz nicht nur viele Weinsammlungen, sondern auch viele Handelshäuser für grosse Weine, zu den bekanntesten gehört Steinfels Weinauktionen. Seit 1975 lost das Haus jährlich vier bis sechs Auktionen aus. Die auf grosse Burgunder spezialisierte Weinhandlung Cave BB von Alexander E. Bäggli ist ein weiterer wichtiger Player im Schweizer Raritätenmarkt und existiert seit mehr als 60 Jahren. Auf die Frage, ob rare Weine insbesondere aufgrund der Nachfrage aus Asien nicht langsam knapp würden, winken die beiden Traditionsbetriebe ab.

«Zeitweise tauchen immer noch bedeutende Sammlungen auf», erklärt Alexander Bäggli gegenüber Falstaff. «In den 80er-Jahren kostete ein Lynch Bages um die 30 Franken und die Premiers Crus um 70 bis 80. Nicht selten kauften Schweizer Weinliebhaber mehr als genug davon ein, und manchmal sind solche Weine bis heute in den Kellern liegen geblieben. Naturgemäss tauchen solche Sammlungen seltener auf als früher – doch es gibt sie noch.» Bettina Höfer von Steinfels Weinauktionen bestätigt ebenfalls, dass der Markt alles andere als leergefegt ist. «Bei unserer letzten Auktion Anfang März stiessen wir mit mehr als 2000 Lots einmal mehr an unsere Kapazitätsgrenze.»

Christoph Pichler spürt Raritäten für internationale Käufer auf.

Christoph Pichler spürt Raritäten für internationale Käufer auf.

© Tobias Stahel

Alter Wein für alte Männer?

Der Raritätenhandel kennt viele Vorurteile. Dass der Geschmack bei Weinraritäten eine untergeordnete Rolle spiele, wird schon allein durch die Tatsache widerlegt, dass qualitative Dinge wie Füllstand oder Zustand des Korks über den Preis mitbestimmen. Der Weinsammler Timothy Magnus ist der lebende Beweis, dass man weder alt noch altbacken sein muss, um eine Weinsammlung anzulegen. Und wer sich die Angebote einschlägiger Raritätenhändler ansieht, merkt schnell, dass das auch für die gehandelten Weine gilt. «Der Raritätenhandel betrifft schon lange nicht nur Altweine», erklärt Christoph Pichler von Smith & Smith. In der Tat bevorzugen viele Händler das Geschäft mit jüngeren Jahrgängen. «Je älter ein Wein ist, desto schwerer ist rückzuverfolgen, wie er gelagert oder wo und wann er bereits einmal gehandelt wurde», so Pichler, der damit das Problem von Fälschungen anspricht.

Die Branche ist seit der Überführung des amerikanischen Meisterfälschers Rudy Kurniawan im Jahr 2013 noch einmal zusätzlich sensibilisiert. «Gerade bei Re-Importen aus den USA ist grösste Vorsicht geboten», erklärt Bettina Höfer von Steinfels. Denn noch immer seien Hunderte, wenn nicht Tausende Kurniawan-Weine auf dem Markt. «Im Zweifelsfall lehnen wir einen Kauf lieber ab.» Ähnlich tönt es bei den anderen Raritätenhändlern. Cave BB etwa kauft ausschliesslich von bekannten und seriösen Quellen und schult seine Mitarbeiter regelmässig. «Durch unsere langjährige Erfahrung und den Austausch mit anderen Händlern können wir das Risiko stark minimieren», erklärt Alexander Bäggli. Der Sekundärmarkt für Spitzenweine ist längst ein internationaler Markt, nicht nur was den «Import» von Fälschungen betrifft. Die grössten Käufer bei Steinfels Weinauktionen waren viele Jahre englische Broker, die die Weine weiter nach Asien verkauften, heute sind es häufig asiatische Käufer, die direkt zuschlagen. «Erst kürzlich war aber auch ein Schweizer ganz vorne dabei», sagt Bettina Höfer. «Alle Raritäten ­verlassen das Land also nicht.» 

Einen gereiften Pétrus kauft man nicht einfach so – Quelle und Zustand müssen genau geprüft sein.

Einen gereiften Pétrus kauft man nicht einfach so – Quelle und Zustand müssen genau geprüft sein.

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Wein und Kunst

Der Handel mit raren Weinen ist durchaus vergleichbar mit anderen Märkten rarer Dinge, wie etwa dem Kunstmarkt. Die Preise haben nichts mit den tatsächlichen Kosten der Produktion zu tun, es handelt sich um einen Marktwert, getrieben von Angebot und Nachfrage. «Die meisten Leute, die rare Weine besitzen, wissen ganz genau, was diese aktuell wert sind und verkaufen dann, wenn sie am meisten Gewinn erzielen», erklärt Bettina Höfer. Auch Weinsammler Timothy Magnus verkauft ab und zu eine seiner raren Flaschen, um sich mehr von etwas anderem leisten zu können. «Auf Ricardo gibt es manchmal noch Schnäppchen zu finden», erklärt er. Bei Weinauktionen oder gar im Handel sei das schwieriger. Die sicherste und komfortabelste Art, rare Weine zu kaufen, seien aber Allokationen bei offiziellen Importeuren oder der Direktkauf vom Weingut.

Timothy Magnus kauft nur die Weine, die er auch selber trinken will. Er ist fast ausschliesslich auf Burgunder spezialisiert, ein wenig Riesling und Champagner findet man in seinem Keller auch noch. «Ich schaue bei meinen Käufen schon auch, dass der Preis irgendwie gerechtfertigt ist», sagt Magnus und spricht damit gleich selbst an, dass das nicht bei allen Käufern der Fall ist. Auch wenn Bordeaux und Burgunder den Sekundärmarkt bis heute dominieren, kommen auch immer wieder neue Trends auf – zuweilen auch Exotisches. Christoph Pichler von Smith & Smith sind in letzter Zeit Angebote von Weinen aus dem französischen Jura aufgefallen, etwa von der Domaine Pierre Overnoy. «Vor wenigen Jahren konnte man diese Weine einfach kaufen, heute sind sie zu Raritäten geworden.»

Die grosse Masse des Raritätenhandels machen aber auch heute noch Burgund und Bordeaux aus. Meist ganz einfach, weil es davon auch genug gibt. «Der Markt ist klar von Sammlern getrieben, die sich gerne mit raren und rarsten Weinen profilieren», erklärt Alexander Bäggli von Cave BB. «Die Nachfrage nach Burgundern ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Eine Flasche Armand Rousseau Chambertin ist derzeit sexier als eine Kiste Mouton Rothschild.»

Steinfels in Zürich ist das erste Weinauktionshaus der Schweiz.

Steinfels in Zürich ist das erste Weinauktionshaus der Schweiz.

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Die wichtigsten Adressen im Schweizer Raritätenhandel:

  1. Cave BB
    Cave BB existiert seit 60 Jahren und ist spezialisiert auf den internationalen An- und Verkauf von Spitzenweinen, insbesondere aus Bordeaux und dem Burgund.
    Strubenacher 6, 8126 Zumikon
    www.cavebb.ch
  2. Globalwine
    Der Weinhändler Globalwine betreibt neben seinem erfolgreichen Importgeschäft auch eine Abteilung für Raritäten.
    Räffelstrasse 45, 8045 Zürich
    www.globalwine-rarities.com
  3. Lucullus
    Lucullus mit Sitz in Stans gehört zu den führenden Handelshäusern der Welt für rare Burgunder- und Bordeauxweine. 
    Mühlebachstrasse 5, 6370 Stans
    www.lucullus.ch
  4. Martel
    Der Weinhändler Martel ist Importeur einiger der rarsten Weine der Welt – etwa der Domaine de la Romanée-Conti und bietet seinen Kunden laufend Rares an.
    Poststrasse 11, 9001 St. Gallen
    www.martel.ch
  5. Smith & Smith
    Die Raritätenabteilung von Smith & Smith in der Zürcher Binz existiert seit relativ kurzer Zeit und agiert seit Beginn international.
    Grubenstrasse 27, 8045 Zürich
    www.smithandfinewines.com
  6. Steinfels Weinauktionen
    1975 als erstes Weinauktionshaus der Schweiz gegründet. Die Weine in den Lots sind breit gefächtert – es gibt auch Schnäppchen darunter.
    Pfingstweidstrasse 6, 8005 Zürich
    www.steinfelsweine.ch
  7. WeinBörse
    Das Auktionshaus von René Gabriel und Gerstl Weinselektionen existiert seit 1986. Hier werden keine Spekulationsobjekte, sondern vor allem Weine zum Trinken gehandelt.
    Zaystrasse 14 6410 Goldau
    www.weinboerse.ch
  8. Winkler Weine
    Gegründet von zwei Weinenthusiasten, handelt Winkler Weine nicht mit eigens importierten Gewächsen, sondern mit Flaschen aus Privatsammlungen.
    Bahnhofstrasse 8, 5630 Muri
    www.winklerweine.ch
  9. Riegger Weine
    Im Riegger Weinkeller in Birrhard lagern tausende hochkarätige Weine, viele davon werden exklusiv in die Schweiz importiert.
    Langgass, 5244 Birrhard
    www.riegger.ch

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Falstaff Nr. 02/2018
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