Österreich vs. Deutschland: Das Riesling-Duell

Ried Loibenberg am Eingang in die Wachau gilt als eine der besten Riesling-Lagen in Österreich.

© Vinea Wachau/Robert Herbst

Österreich vs. Deutschland: Das Riesling-Duell

Ried Loibenberg am Eingang in die Wachau gilt als eine der besten Riesling-Lagen in Österreich.

© Vinea Wachau/Robert Herbst

http://www.falstaff.ch/nd/oesterreich-vs-deutschland-das-riesling-duell/ Österreich vs. Deutschland: Das Riesling-Duell Wer hat den besseren Riesling – Deutschland oder Österreich? Falstaff meint: beide! Und präsentiert im Rahmen des Jubiläums-Specials die Top 10 Rieslinge der beiden Länder. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/a/3/csm_Ried-Loibenberg-Aufmacherbild-c-VineaWachauRobertHerbst-2640_1a079838a7.jpg

Es ist wohl die Vergleichbarkeit, die den Ehrgeiz so besonders entfacht zwischen österreichischen und deutschen Winzern. Denn an keiner Weinsorte entzündet sich die Diskussion um die Frage, wer denn wohl denn besseren produziere, mehr als am Riesling. Der weiße Gaumenschmeichler gilt nicht von ungefähr als hochwertigste – und vielen auch als edelstealler Weißweinsorten. Und: Der Riesling hat in beiden Weinbaunationen eine annähernd gleich große Bedeutung:

  • In Deutschland ist der Riesling mit einer Anbaufläche von 24.000 Hektar die mit Abstand wichtigste Sorte. Der auf Platz zwei folgende Müller-Thurgau kommt auf gerade einmal halb so viel Anbaufläche.
  • Und in Österreich ist der Riesling flächenmäßig zwar bei Weitem nicht so bedeutend – er wird nur auf gut 2000 Hektar gepflanzt –, ist aber wegen der Feinheit und den Nuancen, die er den Weinmachern im Ausbau ermöglicht, dennoch hochgeschätzt und bei den Konsumenten außerordentlich beliebt.

Dieser grenzüberschreitenden Beliebtheit entsprechend datiert auch der erste Vergleichstest, den Falstaff in Sachen Riesling angestellt hat, bereits aus dem Jahr 1990. Seinerzeit fuhren die deutschen Gäste allerdings nur Bronze ein: Der Ungsteiner Herrenberg aus dem Weingut Pfeffingen, eine trockene Pfälzer Spätlese mit weniger als vier Gramm Restzucker, stand auf dem Stockerl hinter dem »Urgesteins«-Riesling Senftenberger Ried Hochäcker von Martin Nigl aus Priel im Kremstal. Gold ging an den Singerriedel Smaragd von Franz Hirtzberger. In der Jury saßen unter anderem ­für Deutschland die Publizisten Joachim Krieger und Stuart Pigott sowie die Winzer Armin Diel und Norbert Holderrieth.

Franz Hirtzberger senior und junior

Franz Hirtzberger senior und junior: Schon im Jahrgang 1988 war ihr Singerriedel eine Klasse für sich. 

© Günter Kargl

Extra-trocken

1994 bat Falstaff die trockene Riesling-Weltklasse erneut zum Test, am Start waren damals Muster aus Österreich, Deutschland und dem Elsass. Die 66 Weine wurden geteilt in eine Gruppe »extratrocken« bis vier Gramm Restzucker und eine weitere namens »euro­trocken« bis neun Gramm Restzucker. In der ersten Gruppe hieß der Sieger Martin Nigl ­mit Riesling Kremsleiten Privat 1991, bester Deutscher war auf Platz 4 das Wein­­gut Her­bert Meßmer aus der Pfalz mit Burrweiler Schäwer Riesling Spätlese trocken. ­In der Königsklasse ging der 1. Platz an ­F.X. Pichler mit Riesling Smaragd M 1992, (Werte: 13,8 Volumenprozent, nur 4,1 Gramm Restzucker), gefolgt vom Riesling Smaragd Kellerberg von Wolfgang Bäuerl, ebenfalls aus Oberloiben. Den 3. Rang holte das Gut St. Antony aus Nierstein in Rheinhessen mit dem Niersteiner Orbel Riesling Spätlese trocken (13,4 Volu­menprozent 5,5 Gramm Restzucker), der beste Elsässer pla­tzierte sich hinter Müller-Catoirs 1992er Haardter Herzog Riesling Spätlese trocken auf Rang 5.

Ein drittes Dreiländermatch folgte 1996, diesmal wurde die Auswahl der deutschen Vertreter Mario Scheuermann überlassen, was aus deutscher Sicht von Erfolg gekrönt war. Den Sieg in der Gruppe bis 9 Gramm Restzucker holte sich das Weingut Josef Biffar aus der Pfalz mit der 1993 Deidesheimer Grainhübel Spätlese trocken (13,1 Volumenprozent, 4,9 Gramm Restzucker) mit 0,1 Punkten Vorsprung auf Rudi Pichler aus Wösendorf mit 1994 Ried Kirchweg Smaragd, gefolgt von F.X. Pichler mit 1994 Kellerberg Smaragd. Auf den Rängen folgten Größen wie Knoll, Zind-Humbrecht, Bürklin-Wolf und Schloss Reinhartshausen. In der staubtrockenen Kategorie gingen sämtliche Stockerlplätze an Österreich, klarer Sieger war Sepp Moser aus Rohrendorf mit Riesling Gebling 1993 (13,1 Volumenprozent, 1,5 Gramm Restzucker).

»Hölzernes Eisen«

Man muss zur Einordnung dieser Ergebnisse allerdings anmerken, dass trockener Riesling im Deutschland der 1990er-Jah­re noch ein Nischenprodukt war, das selbst viele Winzer der obersten Güteklasse nicht ernst nahmen. 

Insbesondere an der Mosel herrschte der Eindruck vor, dass »trockener Riesling» so etwas sei wie ein »hölzernes Eisen«: ein Widerspruch in sich. Erst die globale Er­wärmung und das gestiegene Bewusstsein für den Wert trockener Einzellagenweine ­in der Nachfolge der VDP-Klassifikation bewirkte auch in Deutschland ein Umdenken. Allerdings produziert eine Legende der deutschen Riesling-Welt bis zum heutigen Tag keine weinrechtlich »trockenen« Weine: Manfred Prüm und seine Tochter Katharina deklinieren die Prädikate ausschließlich in ihrer süßen Erscheinungsform. Auch Egon Müller produzierte bis vor Kurzem seine Scharzhofberger einzig in Süßeklassen von Kabinett aufwärts. Allerdings will es das Gerücht wissen, dass inzwischen auch bei ihm ein trockener Scharzhofberger im Keller liegt. Mal schauen, ob und wann er das Licht des Weinmarkts erblickt. Wer aber einmal einen 20 Jahre alten Scharzhofberger Kabinett im Glas hatte, versteht, warum sich ein Großes Gewächs in dieser Lage ­nur bedingt aufdrängt: Auf diesem Niveau mineralisch geprägter Reife ist eine rein an einem Analysewert orientierte Grenzziehung zwischen »trocken« und »lieblich« ziemlich sinnlos. Und das alles bei acht oder neun Prozent Alkohol.

Und wie würde heute ein aktueller Vergleich ausgehen? Schwer zu sagen – ­jedenfalls aber mit einem Druck in den Weinen, der beim ersten Vergleich 1990 vermutlich noch nicht einmal vorstellbar gewesen ist. Es bleibt spannend.


Top 10 Rieslinge aus Österreich

1. Riesling Smaragd Ried Steinertal
Weingut Alzinger, Unterloiben, Wachau
Ried Steinertal ist ein wahres Amphitheater aus steilen Steinterrassen.
alzinger.at

2. Riesling Smaragd Ried Singerriedel
Franz Hirtzberger, Spitz, Wachau
Seit 1988 ist der Singerriedel die klare Nummer eins im Hause Hirtzberger.
hirtzberger.com

3. Riesling Smaragd Vinothekfüllung
Emmerich Knoll, Unterloiben, Wachau
Die Vinothekfüllung ist eine Selektion der reifsten Trauben der besten Lagen.
knoll.at

4. Riesling Unendlich
F.X. Pichler, Oberloiben, Wachau
Der Name ist Programm: ein Wein mit unendlich langem Abgang.
fx-pichler.at

5. Riesling Smaragd Ried Achleithen
Rudi Pichler, Wösendorf, Wachau
Die Toplage Achleithen in Weißenkirchen steht für feine Würze.
rudipichler.at

6. Riesling Smaragd Ried Klaus
Weingut Prager, Weißenkirchen, Wachau
In dieser Spitzenlage kommt der Riesling der Donau am nächsten.
weingutprager.at

7. Riesling Kremstal DAC Ried Hochäcker 1ÖTW »Privat«
Wein-Gut Nigl, Senftenberg, Kremstal
Seit drei Jahrzehnten trägt der beste Riesling den Zusatz »Privat«.
weingutnigl.at

8. Riesling Kremstal DAC Ried Grillenparz 1OTW
Weingut der Stadt Krems, Kremstal
Die vielleicht beste Rieslingried der Weinstadt Stein an der Donau.
weingutstadtkrems.at

9. Riesling Kamptal DAC Ried Zöbinger Heiligenstein 1ÖTW Alte Reben
Willi Bründlmayer, Langenlois, Kamptal
Ein Elixier aus uralten Rebbeständen wächst am Grand Cru des Kamptals.
bruendlmayer.at

10. Riesling Nussberg Weißer Marmor
Mayer am Pfarrplatz, Heiligenstadt, Wien
Das namensgebende Terroir verleiht dem Riesling das gewisse Etwas.
pfarrplatz.at


Top 10 Rieslinge aus Deutschland

1. Bernkasteler Doctor Riesling Auslese trocken – Weiße Kapsel
Markus Molitor, Zeltingen, Mosel
Ein Ausbund an balsamischer Mineralwürze, extrem rar und teuer.
markusmolitor.com

2. G-MAX Riesling trocken
Klaus-Peter Keller, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Ein elegantes Kraftpaket, gelesen von alten Reben auf Kalk.
keller-wein.de

3. Niederhausen Hermannshöhle Riesling GG
Hermann Dönnhoff, Oberhausen, Nahe
Eine Legende vom Tonschiefer aus dem mittleren Nahetal
doennhoff.com

4. Kiedrich Gräfenberg Riesling GG
Weingut Robert Weil, Kiedrich, Rheingau
Wächst auf Phyllitschiefer abseits des Rheins in der Höhe.
weingut-robert-weil.com

5. Erden Prälat Riesling – Alte Reben Réserve
Weingut Dr. Loosen, Bernkastel, Mosel
Würzige Tiefe von einer der steilsten Lagen der Mittelmosel. Rotschiefer.
drloosen.de

6. Forst Kirchenstück Riesling GG
Bürklin-Wolf, Wachenheim a. d. Weinstr., Pfalz 
Buntsandstein, Kalk und Basalt im Boden, eine mineralische Explosion.
buerklin-wolf.de

7. Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling Trocken
Weingut Georg Breuer, Rüdesheim, Rheingau 
Eine Essenz vom Schiefer: elegant, tiefgründig, langlebig.
georg-breuer.com

8. Wehlen Sonnenuhr Riesling Auslese GK
Joh. Jos. Prüm, Wehlen, Mosel
Eine Legende – nach 20 Jahren Reifezeit gewissermaßen trocken.
jjpruem.com

9. Scharzhofberger Kabinett Alte Reben
Egon Müller, Scharzhof, Saar
Federleicht und unverwüstlich, muss zehn Jahre reifen, kann auch länger.
scharzhof.de

10. Scharzhofberger P Riesling GG
Van Volxem, Wiltingen, Saar  
Parzellenselektion aus dem Gewann »Pergentsknopp« – dicht und bissig, für Jahrzehnte der Flaschenreife.
vanvolxem.com


Hier geht es zum Falstaff-Talk mit Stefanie und Alwin Jurtschitsch über ihre gemeinsame Liebe zum Riesling.


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