Niepoort verlässt Niepoort

Dirk van der Niepoort

© Douroboys.com

Dirk van der Niepoort

Dirk van der Niepoort

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Dirk Niepoort wirft hin: Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des Unternehmens haben zum Bruch zwischen Dirk van der Niepoort und dem im Besitz seiner Familie befindlichen Porthaus geführt. Eine neue önologische Heimat hat Niepoort aber bereits gefunden: mit dem Projekt »Fio« an der Mittelmosel.

Wortkarg gibt sich Niepoort und er wirkt bedrückt bei der telefonischen Nachfrage von Falstaff, was dran sei an den Gerüchten, dass er das Unternehmen Niepoort verlassen werde. «Es stimmt, ich habe das intern angekündigt, es ist eine blöde Situation, aber es war schon länger schwierig. Daher habe ich jetzt so entschieden.»

Niepoort wird also in Kürze das Porthaus aus Vila Nova de Gaia verlassen, dem er seit 1987 diente – zunächst an der Seite seines Vaters Rolf, dann gemeinsam mit seiner Schwester Verena. Niepoorts neue Wirkungsstätte wird an der Mosel liegen, wo er in diesen Tagen dabei ist, gemeinsam mit seinem Sohn Daniel sowie mit Philipp Kettern vom Weingut Lothar Kettern aus Piesport das Unternehmen «Fio» zu gründen.

«Fio», portugiesisch für «Faden», wird den Faden von Niepoorts Umgang mit Weinen vom Schieferboden und den Faden seiner Begeisterung für gleichermassen innovative wie traditionelle Weinstile aufnehmen. Gestartet haben Niepoort und Kettern ihr Joint Venture bereits im Jahr 2012 – mit einem Wein, der 2014 abgefüllt wurde und seither nochmals zwei Jahre im Keller ruhen durfte.

Niepoort/Kettern Etikett

Niepoort/Kettern Etikett

© Werk

«Unsere Weine liegen mindestens ein Jahr im Fass, manche aber auch bis zu drei Jahre lang», so Philipp Kettern, der den Begriff «zeitlos» als Schlüsselbegriff für das gemeinsame Unternehmen benennt. «Momentan haben wir vier Weine, ausser dem 2012er Top-Wein ‹Fio› auch dessen Jahrgangsnachfolger aus 2013, und dann noch zwei 2014er, die gerade eben vor drei Wochen abgefüllt wurden.»

Aktuell stammen die Weine noch aus den Weinbergen des Weinguts Kettern, für das Niepoort-Kettern-Projekt haben die beiden Partner spezielle Fuder ausgewählt. In Zukunft soll jedoch ein komplett eigenes Weingut entstehen, mit eigenen Gebäuden und eigenen Rebflächen. Neben dem 30-jährigen Philipp Kettern wird auch Niepoorts Sohn Daniel (24) eine tragende Rolle bei «Fio» zukommen. «Ich selbst war mehrere Monate bei Dirk in Portugal», so erzählt Philipp Kettern, «und Daniel wiederum hat bei mir gearbeitet. Aber er ist die letzten Jahre auch von Herbst zu Herbst gezogen und hat unter anderem in Australien und Südafrika Erfahrungen gesammelt, aber auch in Frankreich: bei Guy Roulot in Meursault in Burgund, bei der Domaine Matassa im Roussillon und bei Jean-François Ganevat im Jura.»

Niepoorts Mosel-Projekt wird ganz offensichtlich – wie könnte es auch anders sein – einen mondänen Entwurf von Mosel zum Gegenstand haben. Gleichzeitig darf man auf seine Neuinterpretation des historischen Mittelmosel-Stils gespannt sein. Die vier bereits verfügbaren Weine werden der Öffentlichkeit erstmals auf der Messe Veritable (am 4.Juli in Sankt Martin in der Pfalz) vorgestellt.

www.veritable.de
www.fio.wine  (noch im Aufbau)
www.kettern-riesling.de