Nachhaltigkeit: Die Champagne ergrünt

Sinnbild für nachhatligen Weinbau: Der Einsatz von Pferden statt Traktoren senkt nicht nur den CO2-Ausstoss, sondern reduziert auch die Bodenverdichtung.

© Pascal Pavani / AFP/picturedesk.com

Sinnbild für nachhatligen Weinbau: Der Einsatz von Pferden statt Traktoren senkt nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern reduziert auch die Bodenverdichtung.

Sinnbild für nachhatligen Weinbau: Der Einsatz von Pferden statt Traktoren senkt nicht nur den CO2-Ausstoss, sondern reduziert auch die Bodenverdichtung.

© Pascal Pavani / AFP/picturedesk.com

http://www.falstaff.ch/nd/nachhaltigkeit-die-champagne-ergruent-1/ Nachhaltigkeit: Die Champagne ergrünt Bis zum Jahr 2025 will die Champagne ihren CO2-Fußabdruck um 25 Prozent reduzieren, zudem sollen alle Rebflächen ökologisch bewirtschaftet werden. Die Region, die in der Vergangenheit nicht unbedingt mit Nachhaltigkeit glänzte, ist in Aufbruchstimmung. http://www.falstaff.ch/fileadmin/_processed_/c/3/csm_0-Champagne-Nachhaltigkeit-c-PASCAL_PAVANI___AFP___picturedesk.com-2640_6ec0b184e9.jpg

Um das Thema Nachhaltigkeit kommt heute kein Unternehmen mehr herum. Von Fluggesellschaften bis hin zu Versicherungen sind heute alle darum bemüht, ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen in diesem Bereich nachzukommen. Auch vor der Alkoholindustrie macht diese Entwicklung nicht halt und scheint sich vor allem seit der Coronakrise immer stärker zu manifestieren.

Bei einer Befragung des Marktforschungsinstituts IWSR aus dem Jahr 2021 gaben fast die Hälfte der amerikanischen und 70 Prozent der chinesischen Alkoholkonsumenten an, dass sie Marken und Produkte bevorzugt kaufen, die nachweislich umweltfreundlich und nachhaltig produziert sind. Es darf angenommen werden, dass auch die europäischen Konsumenten ähnlich denken, wenn nicht sogar noch mehr in Richtung Nachhaltigkeit tendieren. Zumindest was ihre Absicht angeht, denn wenn es um das tatsächliche Kaufverhalten geht, sieht es wieder anders aus …

Ambitionierte Ziele

In der Champagne ist das Thema Nachhaltigkeit heute allgegenwärtig. Bereits im Jahr 2003 war sie die erste Region in Frankreich, die ihre CO2-Bilanz genauer unter die Lupe nahm. Seitdem bemüht sich das Comité de Champagne, der Dachverband der Champagnerproduzenten, um eine Verbesserung der Energie- und Klimabilanz in der Weinbauregion, wobei die Ziele in diesem Bereich durchaus ambitioniert sind.

Mittels 15'000 individueller Aktionspläne, die von den zig Champagnerproduzenten und -häusern individuell umgesetzt werden, soll der CO2-Fußabdruck der Region bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent reduziert werden. Ausserdem sollen die rund 34'000 Hektar Rebfläche der Champagne bis dahin zu 100 Prozent ökologisch bewirtschaftet werden. Die Massnahmen, um diese Ziele zu erreichen, lassen sich grob in drei Bereiche einteilen: Wasser, Atmosphäre und Biodiversität.

Was den Wasserverbrauch angeht, konnte die Champagne bereits sicherstellen, dass 100 Prozent des für die Champagnerherstellung verwendeten Wassers aufbereitet und wiederverwendet werden. Auch die CO2-Emission pro Flasche wurde bereits um 20 Prozent gesenkt, was etwa der Umweltbelastung entspricht, die 80'000 Autos über den Zeitraum von zehn Jahren verursachen. Beim Faktor Biodiversität steht vor allem die Reduzierung des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pestiziden im Raum. Ein Unterfangen, das ebenfalls zu gelingen scheint, wie das Champagnerhaus Ruinart beweist. Ruinart hat in den letzten fünfzehn Jahren den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent reduziert und arbeitet seit letztem Jahr sogar ganz ohne den Einsatz von Herbiziden.

Der Champagnerproduzent Billecart-Salmon ging diesen Schritt schon etwas früher und setzt seit dem Jahr 2020 keine chemisch-synthetischen Herbizide mehr in seinen Rebbergen ein. Seit 2017 ist der Betrieb, der bis zum Jahr 2025 alle seine Rebflächen nach den Vorgaben des biologischen Weinbaus bewirtschaften will, nach dem französischen Label Haute Valeur Environnementale (HVE) zertifiziert. Die offizielle Umweltzertifizierung des französischen Staats besteht aus drei Anforderungsstufen, wobei das Label HVE nur vergeben wird, wenn alle drei davon erreicht werden. Bei der Zertifizierung werden vier Indikatoren berücksichtigt: Biodiversität, Düngung, Pflanzenschutz und Wasserwirtschaft. Im Grunde das, was das Comité de Champagne selbst seinen Produzenten als Nachhaltigkeitsziele vorgibt.

Das erste Champagnerhaus, das alle Anforderungen in diesem Bereich erfüllte und bereits im Jahr 2012 das HVE-Label erlangte, war Bollinger. Um die Artenvielfalt in den Rebbergen zu erhöhen, pflanzt Bollinger Hecken und Obstgärten. Auch Ruinart ist auf diese Weise aktiv und pflanzte gemeinsam mit der auf Aufforstung spezialisierten Reforest’Action zwischen 2021 und 2022 fast 25'000 Bäume und Sträucher in der Weinberglage Taissy, um die Biodiversität in der Region zu fördern. Der Konzern LVMH, zu dem neben Ruinart noch fünf weitere Top-Champagnermarken gehören – darunter Dom Pérignon, Moët & Chandon, Veuve Clicquot und Krug –, hat sich öffentlich für Nachhaltigkeit stark gemacht.

Während des World Living Soils Forums, das 2020 in Paris stattfand, stellte der CEO des Konzerns, Philippe Schaus, diverse Initiativen vor, die vom Verbot von Herbiziden in den Rebbergen von LVMH bis hin zu einer Investition von 20 Millionen Euro in ein Forschungszentrum für umweltfreundlichen Weinbau reichten. Geht ein so grosser und einflussreicher Konzern wie LVMH den Weg in Richtung Nachhaltigkeit, sind die
Auswirkungen in der gesamten Region zu spüren.

Nachhaltigkeit ohne Verzicht

Als revolutionär bezeichnete man die Einführung einer neuen Verpackung bei Ruinart, der sogenannten «Second Skin», einer Hülle aus recyceltem, strukturiertem Papier, die sich wie ein eng anliegender Mantel um die Champagnerflasche hüllt. Die neuartige Verpackung ist neunmal leichter als eine herkömmliche Champagnerbox und senkt den CO2-Fußssabdruck der Umverpackung um 60 Prozent.

Eine ebenso auf Nachhaltigkeit ge­trimmte, optimierte Geschenkverpackung wird heute auch beim Champagnerhaus Perrier-Jouët eingesetzt. Sie besteht zu 100 Prozent aus Naturfasern aus FSC-zertifizierten Wäldern, wird in Frankreich produziert und sorgt für eine Gewichtsreduktion um 30 Prozent im Gegensatz zur vorher verwendeten klassischen Geschenkbox. Zudem verwendet der Champagnerproduzent Perrier-Jouët mittlerweile leichtere Flaschen, die zu 85 Prozent aus recyceltem Glas bestehen.

Das Champagnerhaus Laurent-Perrier wiederum brachte im letzten Jahr eine limitierte Edition namens Cuvée Rosé Butterfly Robe auf den Markt, welche die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Hauses unterstreichen soll. Die Flasche des Premium-Champagners ist mit roségoldenen Schmetterlingen verziert, die laut Laurent-Perrier ein Symbol für eine bewahrte und geschützte natürliche Umwelt sowie ein lebendiges Ökosystem darstellen sollen. Ein Ziel, das die gesamte Champagne anzustreben scheint.


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